Zinsen

Zinsen geben an, wie teuer es ist, sich Geld auszuborgen bzw. wie viel man verdienen kann, wenn man Geld anlegt. Sie sind das wichtigste Mittel, um Preise zu beeinflussen. Wenn Zentralbanken ihre Leitzinsen ändern, wirkt sich das auch auf die Spar- und Kreditzinsen aus.

Was sind Leitzinsen?

Leitzinsen werden von der Zentralbank eines Landes festgesetzt. Im Euroraum setzt der EZB-Rat die Leitzinsen fest – sie gelten für den gesamten Währungsraum. Sie geben unter anderem vor, wie teuer Kredite für Banken sind und damit auch, wie teuer Kredite für die Bevölkerung sind. So können Zentralbanken beeinflussen, wie viel die Leute kaufen und wie sich die Verbraucherpreise entwickeln. 

Leitzinssätze im Euroraum

Der EZB-Rat setzt regelmäßig drei Leitzinssätze fest:

Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Offenmarktgeschäft)
Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte ist jener Zinssatz, zu dem sich Banken beim Eurosystem für eine Woche Geld leihen können. Die jeweilige Bank muss in diesem Fall eine Sicherheit hinterlegen, damit das Eurosystem den verliehenen Betrag auch dann wiederbekommt, wenn die Bank das geliehene Geld nicht zurückzahlt. Laufen die jeweiligen Kredite aus, wird ein neuer Kredit angeboten. Die Banken bekommen – sofern sie ausreichend Sicherheiten hinterlegen können – jene Menge an Zentralbankliquidität zugeteilt, die sie nachfragen.

Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität (ständige Fazilität)
Diesen Zinssatz zahlen Banken, wenn sie sich bis zum nächsten Geschäftstag Geld beim Eurosystem leihen (was für sie teurer ist, als wenn sie sich das Geld für eine Woche ausborgen).

Zinssatz für die Einlagefazilität (ständige Fazilität)
Dieser gibt vor, wie hoch der Zinssatz ist, den Banken erhalten (bzw. den sie im Falle eines negativen Zinssatzes zahlen müssen), wenn sie bis zum nächsten Geschäftstag Geld beim Eurosystem anlegen.

Geldpolitische Umsetzung
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  • Aktuelle Leitzinsen

    Stand vom: 16.09.2026

Wie Leitzinsen Preise beeinflussen – die Transmission

Wenn eine Zentralbank ihre Leitzinsen verändert, wirkt sich das nach und nach auf die Wirtschaft und in der Folge auf die Preise aus. Dieser Ablauf wird geldpolitische Transmission genannt, sie erfolgt über mehrere Transmissionsmechanismen. Weil viele Schritte nötig sind, dauert es meist eine Weile, bis sich geldpolitische Entscheidungen spürbar auf die Verbraucherpreise auswirken.

Die Wirkung geldpolitischer Entscheidungen – wie Leitzinserhöhungen – entfaltet sich über verschiedene Kanäle, zum Beispiel über Kredite, Investitionen oder Konsum.

Transmissionskanäle

Über diesen Kanal löst eine Anhebung der geldpolitischen Leitzinsen höhere kurzfristige Marktzinssätze aus. Wird auch für die Zukunft eine höheres Leitzinsniveau erwartet, nehmen zudem die längerfristigen Marktzinsen zu. Bei stabilen Inflationserwartungen, steigt infolge der Leitzinsanhebung der Realzinssatz, also die realen Kapitalkosten der Unternehmen. Dies gilt auch für Banken, auch sie finanzieren sich dadurch zu einem höheren Zinssatz und geben dies an ihre Kund:innen weiter. Verteuern sich Kredite, sinken die Investitionen der Unternehmen und Haushalte. Darüber hinaus wird aufgrund der höheren Zinsen seitens der Haushalte mehr gespart bzw. weniger konsumiert. Infolgedessen kommt es zu einer Reduktion der Nachfrage.

Sinkt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen unter das Angebot, kommt es im Ergebnis zu einem Abwärtsdruck auf die Verbraucherpreise. Darüber hinaus kann eine geringere Konsum- und Investitionsnachfrage zu einem Rückgang der Nachfrage auf den Arbeits- und Vorleistungsgütermärkten führen, was wiederum die Preis- und Lohnbildung am jeweiligen Markt dämpft.

Der Anstieg der Preise (= Inflation) wird durch die Erhöhung der Leitzinsen also insgesamt geringer. 

Die Zinspolitik funktioniert auch in die andere Richtung. Durch eine Senkung der Leitzinsen wird die Nachfrage und damit das BIP-Wachstum angekurbelt und die Inflation steigt.

Eine Anhebung der geldpolitischen Leitzinsen hat auch Einfluss auf die Wechselkurse. Steigen die Zinsen im Inland, so gewinnen Anlagen in heimischer Währung – im Vergleich zu Anlagen in Fremdwährungen – an Attraktivität. Infolgedessen strömt Vermögen in den eigenen Währungsraum und die heimische Währung wertet auf.

Aufgrund dieser Aufwertung werden importierte Güter billiger. D. h., sie werden gegenüber inländischen Gütern attraktiver. Dies hat einen Rückgang der Nachfrage nach im Inland produzierten Waren und somit eine geringere gesamtwirtschaftliche Produktion zur Folge. 

Sinkt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen unter das Angebot, kommt es im Ergebnis zu einem Abwärtsdruck auf die Verbraucherpreise. Darüber hinaus kann eine geringere Konsum-, Export- und Investitionsnachfrage zu einem Rückgang der Nachfrage auf den Arbeits- und Vorleistungsgütermärkten führen, was wiederum die Preis- und Lohnbildung am jeweiligen Markt dämpft.

Der Anstieg der Preise (= Inflation) wird durch die Erhöhung der Leitzinsen also insgesamt geringer.

Zusätzlich gibt es einen direkten Effekt des Wechselkurskanals auf die Inflationsentwicklung. Eine Aufwertung der heimischen Währung bedeutet, dass importierte Güter billiger werden. Da auch diese Waren in unserem Warenkorb enthalten sind, dämpft dies die Inflation direkt.

Der Wechselkurskanal wirkt umso stärker, je offener eine Volkswirtschaft gegenüber anderen Volkswirtschaften ist.

Die Geldpolitik wird auch über die Preise von Vermögenswerten, wie zum Beispiel von Aktienkursen und Immobilienpreisen, übertragen. Eine restriktive Geldpolitik (eine Anhebung der Leitzinssätze) lässt neu begebene Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver erscheinen, da sie nach der Leitzinserhöhung einen höheren Ertrag versprechen. Dies senkt die Aktiennachfrage, was wiederum die Aktienkurse dämpft. Weiters erhöht eine Zinsanhebung die Kosten der Wohnungsfinanzierung und senkt damit die Nachfrage nach sowie die Preise von Immobilien.

Niedrigere Aktienkurse und Immobilienpreise bewirken, dass das Vermögen privater Haushalte abnimmt. Dadurch schrumpfen die Ressourcen der Haushalte. Dies wiederum bewirkt ein geringeres Konsumwachstum und damit eine gedämpfte gesamtwirtschaftliche Nachfrage.

Niedrigere Aktienkurse erhöhen außerdem die Kapitalbeschaffungskosten eines Unternehmens, da dem Unternehmen pro Aktie weniger gezahlt wird. Dies führt zu schrumpfenden Investitionsausgaben der Unternehmen und somit ebenfalls zu einer geringeren Nachfrage.

Wie bei den zuvor erwähnten Kanälen, führt eine geringere Nachfrage zu einer Dämpfung der Inflationsentwicklung.

Veränderungen in den Preisen von Immobilien, Aktien und anderen Vermögenswerten (siehe Vermögenskanal) beeinflussen nicht nur die verfügbaren Ressourcen von Haushalten und Unternehmen, sondern auch deren Möglichkeit, Kredite aufzunehmen: Sinken die Preise der Vermögenswerte, so sinkt der Wert ihrer Sicherheiten, die sie bei einer etwaigen Kreditaufnahme hinterlegen müssen. Dies führt wiederum zu einer geringeren oder teureren Kreditvergabe, zu kleineren Investitions- und Konsumausgaben und damit zu einer gedämpften gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, die wiederum bremsend auf die Inflationsentwicklung wirkt.

Änderungen der Leitzinsen wirken sich auf das Kreditangebot aus. Werden die Leitzinsen erhöht, wird es für Banken teurer, selbst Geld aufzutreiben, weil:

  • die Geldmarktzinsen steigen;
  • Banken für Einlagen von Haushalten und Unternehmen höhere Zinsen bezahlen müssen (höhere Sparzinsen);
  • die Zinsen für neu begebene Anleihen steigen und
  • die Bilanzposition der Banken sich verschlechtert (siehe Bilanzkanal).

Ist es für eine Geschäftsbank schwieriger (teurer) sich zu refinanzieren, fällt es auch ihr schwerer neue Kredite zu vergeben. Das Kreditangebot geht folglich zurück. Bei einer Zinserhöhung steigt zudem das Risiko, dass Kredite nicht ordnungsgemäß zurückbezahlt werden. Banken werden auch aus diesem Grund zurückhaltender in ihrer Kreditvergabe. In beiden Fällen sind Haushalte und Unternehmen gezwungen, insbesondere jene die als risikoreich eingestuft werden, ihre Konsumausgaben bzw. Investitionspläne aufzuschieben.

Wie bei den zuvor erwähnten Kanälen, führt eine geringere Nachfrage zu einer Dämpfung der Inflationsentwicklung.

Warum Leitzinserhöhungen nicht sofort wirken

Geldpolitische Maßnahmen schlagen in der Regel mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auf die Wirtschaftsleistung eines Landes (Konsum, Investitionen etc.) und anschließend auf die Preisentwicklung durch. So reagiert die Realwirtschaft auf eine Erhöhung der Leitzinsen erst nach rund sechs bis zwölf Monaten mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Der volle Effekt stellt sich nach zwölf bis achtzehn Monaten ein. Erst wenn die Realwirtschaft auf die Leitzinsveränderung reagiert, reagiert auch die Preisentwicklung.

Was sind Geldmarktzinsen?

Geldmarktzinsen sind kurzfristige Zinssätze, zu denen Banken und andere Finanzinstitute Zentralbankgeld untereinander handeln, meist mit Laufzeiten bis zu einem Jahr. Sie spiegeln den kurzfristigen Teil des gesamtwirtschaftlichen Zinsniveaus wider, der stark von den Leitzinsen beeinflusst wird.

Wie genau wirken die Leitzinsen auf Taggeldzinsen?

Taggeldzinsen oder anders ausgedrückt Zinsen für Übernachtgeschäfte werden verrechnet, wenn sich Banken oder andere Finanzinstitute gegenseitig über Nacht Zentralbankgeld leihen. Als Alternative zur Veranlagung in der Einlagefazilität oder als Alternative zur Deckung eines dringenden Liquiditätsbedarfs in der Spitzenrefinanzierungsfazilität können Banken Zentralbankgeld untereinander handeln. Dies geschieht auf dem sogenannten Interbankenmarkt. In der Regel finden Banken auf dem Interbankenmarkt günstigere Konditionen als die Zinsen der ständigen Fazilitäten. Die Zinsen für die Einlage- und die Spitzenrefinanzierungsfazilität bilden somit die automatische Ober- und Untergrenze für die Taggeldzinsen auf dem unbesicherten Interbankenmarkt.

Der unbesicherte Geldmarkt, auf dem Geschäftsbanken Zentralbankgeld handeln, funktioniert innerhalb der Grenzen des Zinskorridors. Geschäftsbanken, die am Ende des Tages zusätzliche Reserven benötigen, können wählen, ob sie die Spitzenrefinanzierungsfazilität in Anspruch nehmen (und den oberen Grenzwert des Zinskorridors zahlen) oder am Geldmarkt teilnehmen, um einen Handelspartner zu finden, der die erforderlichen Reserven zu einem niedrigeren Zinssatz als dem der Zentralbank bereitstellt. Umgekehrt können Geschäftsbanken mit Überschussreserven entweder die Einlagefazilität der Zentralbank (die zur unteren Grenze des Zinskorridors verzinst wird) in Anspruch nehmen oder mit einem Geldmarktteilnehmer handeln, der einen Reservemangel hat, und möglicherweise einen höheren Zinssatz als den Zinssatz für die Einlagefazilität bietet. Auf diese Weise steuert die EZB mit ihrem Zinskorridor die Taggeldzinsen am Interbankenmarkt. 

Wie wirken Taggeldzinsen auf Geldmarktzinsen?

Die Bewegungen der Taggeldzinsen – sowie die Erwartungen über ihre zukünftigen Bewegungen – übertragen sich auch auf längere Laufzeiten von Marktzinssätzen. Auf diese Weise hat die Geldpolitik ein mächtiges Instrument in ihrem Werkzeugkasten, mit dem sie nicht nur Taggeld, sondern auch längerfristige Finanzierungsbedingungen im Euroraum beeinflussen kann.

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