Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise leidet auch Osteuropa1) unter dem Einbruch großer Exportmärkte und erschwerter Finanzierungsbedingungen.
Die Rezession in der Osteuropa-Region werden postwendend alle westeuropäischen Volkswirtschaften zu spüren bekommen, die mit der Region enge Handels- und Investitionsbeziehungen pflegen.
Im Jahr 2008 gingen 30% der Exporte der EU-152)(442 Mrd. EUR) in die Osteuropa-Region. Im Jahr 2006 investierten die EU-15 356 Mrd. EUR an Direktinvestitionen in die Region. Vor allem Deutschland, Italien, Österreich, Frankreich, und die Niederlande sind stark in Osteuropa involviert.
Das österreichische Exposure (Engagement) gegenüber Osteuropa im Bankenbereich ist zu rund drei Viertel auf die neuen EU-Mitgliedstaaten konzentriert.
Nur ein Fünftel des Gesamt-Ost-Exposures der EU-15 entfällt auf Österreich.
Die Region ist wirtschaftlich differenziert zu sehen => Unterschiedliche Märkte bedeuten unterschiedliche Risiken.
Das heimische Exposure in Osteuropa ist – wie der IWF bestätigt – im Vergleich zu anderen in Osteuropa aktiven Ländern regional stark diversifiziert.
Die von österreichischen Tochterbanken vergebenen Kredite sind überwiegend durch lokale Einlagen finanziert bzw. vor Ort besichert.
Österreichische Banken stehen zu ihrem Engagement in Osteuropa und versorgen auch in der Krise ihre Töchter weiterhin mit ausreichend Liquidität.
Das im internationalen Vergleich ambitionierte österreichische Bankenpaket trägt zur Stabilisierung des Osteuropageschäftes bei.
Die Situation Osteuropas ist aber nicht nur aus der Sicht des Bankensektors zu beurteilen: Rezession bedeutet überall Arbeitslosigkeit und Einkommensverluste. Kommt der Aufholprozess Osteuropas zum Stillstand, bedroht dies die wirtschaftlichen Impulse aus der wichtigsten europäischen Wachstumsregion.
Vor diesem Hintergrund ist die EU-Kommission gemeinsam mit anderen internationalen Finanzinstitutionen, insbesondere dem IWF, sehr aktiv um die Unterstützung der Region bemüht.
Finanzmarktstabilität
Globale Rezession, europäische Integration und Österreichs Finanzsektor
Juni 2009
1) Mit „Osteuropa“ sind hier die Länder Mittel-, Ost,- und Südosteuropas gemeint. Sie umfassen die neuen EU-Mitgliedstaaten, die 2004 (NMS 2004) und 2007 (NMS 2007) beigetreten sind, sowie andere Staaten Südosteuropas und die Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Zusammen bilden NMS 2004 und NMS 2007 die zehn ost-mittel und südosteuropäischen Mitgliedstaaten (EU-10).
2) EU-15 bezieht sich auf die EU Mitgliedsstaaten vor der Erweiterung 2004 (d. h. Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Spanien, Portugal, Griechenland, Dänemark, Schweden, Finnland, Vereinigtes Königreich und Irland).
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