Die Öffnung und Deregulierung der Finanzmärkte stellte gemeinsam mit den enormen Fortschritten der Informations- und Kommunikationstechnologien die Voraussetzung für Globalisierung und Wachstum der Finanzmärkte dar. In den 70er Jahren gingen die Industrieländer bei der Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte voran. In den 80er Jahren folgten die Entwicklungsländer, die sich in den 70er Jahren zum Teil in hohem Maße gegenüber ausländischen Kreditgebern verschuldet hatten. Die achtziger Jahre waren von einer hohen Dynamik an Handelsliberalisierung geprägt. Einerseits hat die Politik der Strukturanpassung des Internationalen Währungsfonds, die auch als „Washington Consensus“ bekannt ist, eine Marktöffnung von den verschuldeten Entwicklungsländern abverlangt. Andererseits wurden durch GATT (General Agreement on Tarifs and Trade), später die WTO (World Trade Organisation), durch die OECD und durch bilaterale Handelsabkommen Kapitalverkehrsbeschränkungen ebenso abgebaut wie Handelshemmnisse auf Güter- und Dienstleistungsmärkten.
Dazu kam die Europäische Integration, die mit dem Beschluss eines Europäischen Binnenmarktes Ende der achtziger Jahre und der Schaffung einer Gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsunion Anfang der neunziger Jahre eine sehr starke Dynamik in regionalen Integrationsprozessen auslöste.
Infolge der politischen und wirtschaftlichen Öffnung der CESEE-Staaten (Central, Eastern and South Eastern European countries; Staaten Zentral-, Ost- und Südosteuropas) und im Verlauf des sich anschließenden Transformationsprozesses wandelten sich nach 1989 die Planwirtschaften dieser Staaten zu offenen Marktwirtschaften. Seit Beginn der 1990er Jahre kann man von globalen Finanzmärkten sprechen.
Die dynamische Entwicklung der globalen Finanzmärkte kommt in den Daten über die täglichen Umsätze auf den Devisenmärkten zum Ausdruck. Diese stiegen von 600 Milliarden US-Dollar Ende der 80er Jahre auf heute über 2 Billionen US-Dollar (BIZ 2007). Das ergibt – wenn man 200 Handelstage im Jahr zu Grunde legt – einen Jahresumsatz von 420 Billionen US-Dollar. Das Volumen des Welthandels (Handel mit Gütern und Dienstleistungen) belief sich 2007 demgegenüber auf vergleichsweise bescheidene 11 Billionen US-Dollar (WTO 2007). Um den weltweiten Handel zu finanzieren, würden also die Umsätze von fünf Börsentagen ausreichen. Und selbst wenn man alle ausländischen Direktinvestitionen und Transaktionen hinzuzählt, die der Absicherung gegen Devisenschwankungen und anderen Risiken dienen, liegt der realwirtschaftlich bedingte Anteil der Umsätze auf den Finanzmärkten unter 5% (Quelle: Weltbank und BIZ 2007). Mehr als 90 Prozent der Devisenumsätze finden innerhalb des Finanzsektors statt. Die dynamische Entwicklung der Finanzmärkte hat also zu der Situation geführt, dass die Devisen- und Kapitalbewegungen heute ein viel größeres Ausmaß haben als die Geldbewegungen, die auf die Realwirtschaft zurückzuführen sind. Inwiefern die aktuelle Finanzmarktkrise diese Entwicklung beeinflusst, bleibt abzuwarten.
Die Globalisierung der Finanzmärkte seit Ende der 70er Jahre hat zu einem enormen Bedeutungsgewinn dieser Märkte, aber auch zu Unsicherheiten und Marktturbulenzen geführt. Aus diesem Grund wird die Sicherung der Stabilität der globalen Finanzmärkte immer wichtiger. Im Zuge der aktuellen Finanzmarktturbulenzen hat sich gezeigt, dass die Transparenz und die Veröffentlichungspraktiken insbesondere bei komplexen Finanzinstrumenten inadäquat waren und die Ratingagenturen die spezifischen Risiken bei strukturierten Produkten nicht erkannten, was zu einem weitreichenden Verlust des Vertrauens in das Finanzsystem geführt hat. Ebenso wurde deutlich, dass Finanzinnovationen wie strukturierte Kreditprodukte nicht die erwartete verbesserte Risikoverteilung im Finanzsystem bewirkt haben. Darüber hinaus wuchs das Bewusstsein für eine Ausweitung der Regulierung auf alle systemisch relevanten Finanzinstitute, -instrumente und -märkte. Außerdem wurde die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen den großen Zentralbanken deutlich, da deren konzertierte Aktionen zur Beruhigung der Märkte wesentlich beitragen konnten, beispielsweise zum besseren Funktionieren des Geldmarkts.
Ein effizientes und entsprechend reguliertes Weltfinanzsystem ist eine notwendige Voraussetzung für die reibungslose Abwicklung von finanziellen und wirtschaftlichen Transaktionen zwischen den Volkswirtschaften.