Finanzmärkte

Kapitalmarkt


Ein weiterer Teil des Finanzmarktes ist der Kapitalmarkt. Er besteht aus allen Marktteilnehmern zwischen denen in Form unterschiedlichster Transaktionen langfristiges (Finanz-)Kapital angeboten oder nachgefragt wird. Marktteilnehmer sind etwa Banken, Versicherungen oder Privatpersonen. Bei Transaktionen handelt es sich zum Beispiel um einen Kauf von Aktien – also Unternehmensbeteiligungen. Langfristiges Kapital sind etwa Aktien, verbriefte Kredite wie Anleihen oder verschiedene Formen anderer langfristiger Kredite und Anlageformen wie Investmentfonds. Der Kapitalmarkt selbst befindet sich nicht an einem konkreten Ort, sondern definiert sich durch die am Markt tätigen Institutionen und Personen und ihre Verflechtungen zueinander. Der Unterschied zum Geldmarkt liegt darin, dass es sich am Kapitalmarkt um langfristiges Kapital handelt. Der Geldmarkt ist durch kurzfristiges Kapital definiert, d. h. hier wird kurzfristig Geld angeboten und nachgefragt.

 

Kapitalmarktgeschäfte können entweder an einer Börse, oder direkt zwischen dem Emittenten (Nachfrager von Kapital) und dem Investor (Kapitalgeber) abgewickelt werden. Von der Öffentlichkeit werden Aktienmärkte mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da die Wertentwicklung stark schwanken kann.

 

Grafik: Entwicklung des Dow-Jones-Index zwischen 1900 und 2008 (bull and bear market)


Bullen- und Bärenmarkt

Die Börse unterscheidet zwischen Bullen- und Bärenmarkt. Der Bär setzt auf einen erwarteten Kursabfall – er ist pessimistisch. Er macht sein Geld durch Skepsis und mangelndes Vertrauen in den Markt, spekuliert auf Baisse (erwarteter Kursabfall). Ein Bärenmarkt geht bergab.

 

Die Möglichkeiten des Baisse-Spekulanten sind allerdings durch von Aufsichtsbehörden oder Börsen vorgegebenen Rahmenbedingungen begrenzt. So mussten auf manchen Märkten schon bisher bestimmte Transparenzerfordernisse erfüllt werden (z. B. Veröffentlichung der Anzahl der leer verkauften Aktien an einem Unternehmen).

 

Ebenfalls einschränkend wirkt die teilweise bestehende Bedingung, dass Leerverkäufe nur eingegangen werden können wenn der frühere Kurs höher war. Im Herbst 2008 wurden Leerverkäufe sogar vorübergehend eingeschränkt.

 

Der Bulle ist das Gegenteil – er ist optimistisch. Er kauft in der Hoffnung auf einen Aufschwung. Ein langfristiger Bullenmarkt ist etwas, worauf die Investoren hoffen. Bärenmarkt und Bullenmarkt sind einander entgegengesetzt. Zusammen bewirken sie, dass die Börsenwelt sich dreht und die Kurse fallen und steigen.


Exkurs: Kurszettel

Die Wertentwicklung der an der Börse gehandelten Titel ist in den Wirtschaftsseiten von Tageszeitungen nachzulesen.

 

Grafik: Kurszettel der Wiener Börse


Kurszettel der Wiener Börse

(1) KGV (Kurs/Gewinn-Verhältnis): Der Jahresgewinn des Unternehmens wird zuerst durch die Zahl der ausgegebenen Aktien dividiert = Gewinn pro Aktie. In einem zweiten Schritt wird der aktuelle Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie dividiert = Kurs/ Gewinn-Verhältnis (KGV). Ein relativ niedriges KGV gilt als günstige Bewertung.

 

(2) Dividenden-Rendite: Dividende (Gewinnausschüttung an die Aktionäre) je Aktie dividiert durch den aktuellen Aktienkurs.  Das Investment ist umso attraktiver je höher diese Kennzahl ist.

 

(3) Streubesitz:  Anteil der Aktien eines Unternehmens, die am Markt frei gehandelt und nicht von Anlegern gehalten werden, die sich dauerhaft an diesem Unternehmen beteiligen wollen.

 

(4) Marktkapitalisierung: Multiplikation des Aktienkurses mit der Zahl der ausgegebenen Aktien.

 

(5) 52 Wochen Hoch/Tief: Extremwerte des Aktienkurses innerhalb des letzten Jahres.

 

(6) Rating: Rating: Kennzahl, welche die Einschätzung der Zahlungsfähigkeit eines an der Börse gelisteten Unternehmens ausdrückt. In dieses Aktienrating werden unter Anderem Risikopotential, KGV (siehe (1)), Analysteneinschätzung und Marktumfeld zum Ausdruck gebracht.