zur Erteilung von Auskünften gemäß § 44a Abs. 7 NBG über die zur Gewährleistung der Systemsicherheit getroffenen Maßnahmen.
Version II
Der vorliegende Leitfaden beinhaltet die Mindesterfordernisse für die gemäß § 44a Abs. 7 NBG von den Betreibern multilateraler Kleinbetragszahlungssysteme zu erteilenden Auskünfte über die zur Gewährleistung der rechtlichen, finanziellen, organisatorischen und technischen Systemsicherheit des Zahlungssystems getroffenen Maßnahmen.
Die Auskünfte gelten als vollständig erteilt, wenn
- ein Systemkonzept gemäß Kapitel 2 (Teil I.) vorgelegt wird,
- zu den in Kapitel 2 (Teil II.) aufgelisteten spezifischen Fragestellungen einzeln und begründet schriftlich Stellung genommen wird. Für das System nicht zutreffende Fragestellungen sind explizit als „nicht zutreffend“ zu bezeichnen. Die Stellungnahme ist zumindest mit folgenden Dokumenten zu unterlegen:
- Geschäftsbedingungen
- Informationen an Teilnehmer und an Endkunden (siehe Anhang).
Auf von externen Unternehmen im Auftrag des Zahlungssystembetreibers erbrachte und für den sicheren Systembetrieb relevante Dienstleistungen ist explizit hinzuweisen. Die in diesem Zusammenhang an externe Unternehmen gerichteten Vorgaben bzw. sonstige zwischen dem Zahlungssystembetreiber und externen Unternehmen bestehende Vereinbarungen sind vollständig zu übermitteln.
Systemspezifische Abkürzungen und Sachbegriffe sind bei der ersten Verwendung in allgemeinverständlicher Form zu erläutern.
A -- Allgemeine Übersicht
Systemdarstellung
- graphische Übersicht über alle am System beteiligten Stellen (Betreiber und externe Dienstleister, Teilnehmer, Points of Sale, Endkunden)
- Beschreibung der Rollen und Verantwortlichkeiten aller am System beteiligten Stellen
Systemfunktionen
- Transaktionen
- Transaktionsablauf (anhand eines zeitunterlegten Ablaufdiagramms)
- Transaktionsdaten (übertragene und gespeicherte Daten)
- Settlement (anhand eines zeitunterlegten Ablaufdiagramms)
- Limitprüfungsverfahren
Systeminterne Funktionen (insbesondere Sperre, Protokollierung, Auswertung)
Netzwerktechnische Systemtopologie
- zentrale Komponenten (insbesondere Server mit relevanten Applikationen und Datenbanken)
- dezentrale Komponenten (insbesondere Terminals, andere Endgeräte)
- Kommunikationsverbindungen (insbesondere Netzwerke, Firewalls, VPN-Komponenten)
B -- Sicherheitskonzept
Allgemeine Sicherheitsziele des Systems
Maßnahmen zur Erreichung der Sicherheitsziele seitens des Betreibers
- Organisatorische Maßnahmen
- Sicherheitsorganisation und Revision, Verantwortlichkeiten (insbesondere Rollenverteilung, Berechtigungsvergabe)
- organisatorische und infrastrukturelle Maßnahmen für die Sicherheit der internen Einsatzumgebung (insbesondere physikalischer Schutz, Zutrittskontrolle, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz des Personals)
- Sicherheitsanforderungen an die Einsatzumgebung im Feld
(insbesondere Aufstellungsrichtlinien für Terminals, Hinweise für die sichere Benutzung) - IT-Sicherheitsmaßnahmen
- Identifikation und Authentisierung (insbesondere der Endkunden, Teilnehmer, Operatoren, Administratoren)
- Autorisierung (insbesondere der Transaktionen)
- Rechteverwaltung (für Benutzer)
- Kryptokonzept (insbesondere Key-Management, Algorithmen, kryptographische Komponenten)
- Systemintegrität (insbesondere Integritätssicherung von Komponenten und Daten z. B. durch Signieren, Prüfsummen, Tamper-Resistance)
- Protokollierung (insbesondere von Transaktionsdaten und Änderungen an Zahlungssystemparametern und Komponenten)
- Sicherheit in der Entwicklung, Produktion und Inbetriebnahme
- Konfigurationskontrolle
- Sicherheit beim Entwickler (von Hard- und Software)
- Sicherheit in der Produktion (v.a. der Hardware)
- definierte Test-, Abnahme- und Freigabeprozeduren (für Hard- und Software)
- Sicherheit bei Initialisierung und Personalisierung von Bezahlmedien, Zugangscodes und Sicherheitsmodulen
- Installations- und Inbetriebnahmevorschriften (für Hard- und Software)
- Vorschriften zur Außerbetriebnahme der Komponenten
- Maßnahmen zur Gewährleistung eines einheitlichen Sicherheitsniveaus bei internationalem Einsatz
Maßnahmen zur Erreichung der Sicherheitsziele seitens der Teilnehmer
- geforderte Sicherheitsorganisation, Verantwortlichkeiten
- organisatorische und infrastrukturelle Sicherheitsmaßnahmen
- Monitoring der Teilnehmer durch den Betreiber
- Maßnahmen bei Regelverstößen
Auflagen an die Endkunden für den sicheren Umgang mit dem System
C -- Business Continuity Planung (BCP)
Service Level
- Angabe des Service Levels im Normalbetrieb
- Betriebs- und Cut-Off-Zeiten
- Verfügbarkeit
- Settlement und Zeitpunkt der Finalität von Zahlungen
- durchschnittliche Dauer der einzelnen Transaktionsarten
- Angabe des Service Levels in Fehler- und Katastrophensituationen
- mögliche Änderungen von Betriebszeiten
- Verfügbarkeit
- Notlaufmaßnahmen
Verantwortlichkeiten für die BCP
Datensicherungskonzept
- Zahlungssystemdaten
- Applikationen
- Betriebssystem, Desaster Recovery Backup
- Aufbewahrungszeiten
Notfallplanung und Notlauforganisation
- Notfallshandbuch (Inhalt, Speicherort)
- Unterweisung des Personals
Ausweichplanung
- Redundanz von Standorten und Komponenten (Hard- und Software).
- Redundanz und Übertragungskapazität der Kommunikationsverbindungen
- allfällige manuelle Umschaltprozeduren
Wiederanlaufplan
Ausfalltests und Übungen
Ersatzbeschaffungsplan
- Wartungsverträge
- Reservekomponenten
Aktualisierung der BCP
- Den vom Betreiber garantierten Service Level des Systems sowohl im Normalbetrieb als auch in Fehler- und Katastrophensituationen
- Ansprechpartner auf Seiten des Betreibers
- IT-Risiken, die aus der Teilnahme am System für den Teilnehmer entstehen können
- Haftung bei Missbrauch oder Fehlbedienung
- Den sicheren Umgang mit dem System und das Verhalten in Ausnahmefällen:
Installation und Administration
- Installation des Systems, geeignete Räumlichkeiten, erforderliche bauliche und infrastrukturelle Vorkehrungen
- Anforderungen hinsichtlich der Kommunikationsverbindungen
- Administration
- Wartung
- Verhalten des Administrators/Operators des Teilnehmers im Falle von Betriebsstörungen oder (tatsächlichen oder vermuteten) Angriffen auf das System
erforderliche organisatorische Sicherheitsmaßnahmen
- Nominierung von Verantwortlichen/Ansprechpartnern
- Berechtigungsvergabe
- Zeitpunkte und Umfang der Protokollierung, Auswertung von Protokollen, Aufbewahrungsfristen
- Key-Management (Erzeugung, Speicherung, Übertragung und Außerbetriebnahme kryptographischer Schlüssel)
- Umgang mit Sicherheitsmodulen
Benutzerdokumentation
- Bedienung des Systems im Normalbetrieb
- Verhalten des Benutzers im Falle von Betriebsstörungen oder (tatsächlichen oder vermuteten) Angriffen auf das System