Die Strategie einer Notenbank beschreibt das Rahmenwerk für geldpolitische Entscheidungen. Sie definiert, welche Zielsetzungen die Geldpolitik verfolgt, welche Instrumente zur Zielerreichung zur Verfügung stehen und welche Indikatoren die Grundlage für geldpolitische Entscheidungen bilden.
Die Entscheidung, ob und in welcher Form eine Notenbank ihre geldpolitische Strategie der Öffentlichkeit bekannt gibt, wird im internationalen Vergleich völlig unterschiedlich gehandhabt. Das Eurosystem hat sich bewusst für die Veröffentlichung seiner Strategie entschieden, um in klarer und transparenter Weise den geldpolitischen Entscheidungsrahmen zu beschreiben und dadurch vertrauensbildend und stabilisierend zu wirken. Die geldpolitische Strategie des Eurosystems ist vorwärts gerichtet und mittelfristig orientiert und gewährleistet durch Einbeziehung einer Vielzahl von Indikatoren und Analysen eine umfassende und robuste Gesamtbeurteilung der wirtschaftlichen Lage.
Wozu eine geldpolitische Strategie?
Wozu eine geldpolitische Strategie?
Zur Veröffentlichung der geldpolitischen Strategie des Eurosystems
Wozu eine geldpolitische Strategie?
Zur Veröffentlichung der geldpolitischen Strategie des Eurosystems
Der EZB-Rat hat am 13. Oktober 1998 die geldpolitische Strategie des Eurosystems beschlossen und am selben Tag veröffentlicht. Am 8. Mai 2003 hat der EZB-Rat die geldpolitische Strategie einer gründlichen Überprüfung unterzogen und Adaptierungen vorgenommen.
Die Entscheidung, eine Strategie zu formulieren und der Öffentlichkeit bekannt zu geben, ist im internationalen Vergleich keineswegs selbstverständlich. Das ESZB hat sich zu dieser Vorgehensweise aus einer Reihe von Gründen entschlossen.
Für ein neu gegründetes Notenbanksystem ist die Bekanntgabe seiner Ausrichtung ein wichtiger Beitrag dazu, von Anfang an das Vertrauen in die neue Institution zu stärken. Die Veröffentlichung der Strategie ist zudem ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz und Rechenschaftslegung. Schließlich gibt es in Europa – im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsräumen – eine gewisse Tradition gibt, geldpolitische Strategien zu formulieren und offen zu legen.
Bei der Ausformulierung der Strategie bildeten folgende Überlegungen den Hintergrund:
- Die Strategie soll ein klares und transparentes Rahmenwerk bilden, um der Öffentlichkeit die geldpolitischen Entscheidungen sowie die dahinter liegenden Entscheidungsgrundlagen zu vermitteln. Damit sollte sie eine vertrauensbildende Funktion ausüben und stabilisierend auf die Erwartungen an den Finanzmärkten wirken.
- Die Strategie soll die Instrumente zur Zielerreichung klar darstellen. Sie soll vorwärts gerichtet und mittelfristig orientiert sein.
- Die Strategie soll gewährleisten, dass die Entscheidungsträger mit den Informationen und Analysen ausgestattet werden, die sie benötigen, um die geldpolitischen Entscheidungen zu fällen. Sie sollte dabei die modernsten ökonomischen Erkenntnissen und wirtschaftlichen Theorien berücksichtigen.
- Die Strategie soll keine mechanische Reaktion der Geldpolitik auf Veränderungen bei einzelnen Indikatoren vorsehen, sondern durch die Beobachtung einer Vielzahl von Indikatoren den Blick auf das Gesamtbild schärfen. Ebenso soll die Strategie der die Daten umgebenden Unsicherheit, insbesondere im Zusammenhang mit dem Übergang zur Währungsunion, Rechnung tragen.
- Die Strategie muss mit der Unabhängigkeit der Notenbank in Einklang stehen. Ebenso sollte sie die Ausführung der Geldpolitik leichter beurteilbar machen und damit der Rechenschaftslegung dienlich sein.
- Letztlich sollte die Strategie die historischen Erfahrungen und Traditionen der europäischen Geldpolitik widerspiegeln.
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