Glossar

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Kapazitätsauslastung

Grad der Verwendung der maximalen Produktions- bzw. Leistungskapazität eines Unternehmens oder der gesamten Volkswirtschaft. Als Indikator misst sie somit die Relation zwischen potenzieller Produktion (Ausstoß bei Vollauslastung aller Produktionsfaktoren) und tatsächlicher Produktion.


Kapitaladäquanz

Angemessenheit der Eigenmittelausstattung einer Bank in Bezug auf ihr Risikoprofil. Im Rahmen der so genannten Basel-II-Bestimmungen sorgen Mindestkapitalanforderungen (Säule 1) und der Bankaufsichtliche Überprüfungsprozess (Säule 2) für die Gewährleistung der Kapitaladäquanz von Banken.


Kapitalanlagegesellschaft (KAG)

Kapitalanlagegesellschaften sind Kreditinstitute, deren Geschäftsbetrieb darauf ausgerichtet ist, bei ihnen eingelegte Gelder im eigenen Namen für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger nach dem Grundsatz der Risikostreuung (Risiko) gesondert vom eigenen Vermögen anzulegen.


Kapitalbilanz

Als Teilbilanz der Zahlungsbilanz reflektiert die Kapitalbilanz sämtliche Kapitalbewegungen zwischen einer Volkswirtschaft und dem Ausland. Sie gliedert sich in die Teilbilanzen „Direktinvestitionen“, „Portfolioinvestitionen“, „Sonstige Investitionen“ (enthält insbesondere Kredite und Einlagen), „Finanzderivate“ und „Offizielle Währungsreserven“.


Kapitalgesellschaft

Kapitalgesellschaften sind juristische Personen und besitzen als solche eigene Rechtspersönlichkeit. Beispiele für Kapitalgesellschaften in Österreich sind Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und Aktiengesellschaften (AG). Kapitalgesellschaften besitzen als juristische Personen ein Eigenleben, das durch ihre Organe (z. B. den Vorstand bei einer AG) gestaltet wird. Die Kapitalgesellschaft ist Eigentümerin des Unternehmens. Nur sie ist Schuldnerin ihrer Gläubiger; ihre Gesellschafter haften in der Regel nicht für die Schulden der Kapitalgesellschaft.


Kapitalmarkt

Markt für die mittel- bis langfristige Kapitalbeschaffung, wobei das Kapital nicht in Form von Krediten aufgebracht wird. Die bedeutendsten Segmente des Kapitalmarkts sind der Aktienmarkt, über den Eigenkapital aufgebracht wird, und der Anleihemarkt, über den Fremdkapital aufgebracht wird. Am Kapitalmarkt gehandelte Finanzinstrumente weisen eine Laufzeit von zumindest einem Jahr auf.


Kassageschäft

Bei einem Kassageschäft werden Liefer- bzw. Abnahmeverträge geschlossen, die sofort oder kurzfristig erfüllt werden müssen.


Kaufkraft

Menge aller Güter, die um einen bestimmten Geldbetrag zu kaufen sind. Sie gilt als Maß für den Wert des Geldes. Die Veränderung der Kaufkraft wird in der Regel mit Verbraucherpreisindizes und der daraus abgeleiteten Inflationsrate gemessen.


Kaufkraftparität (KKP)

Das Theorem der Kaufkraftparität besagt, dass Güter gemessen an der Kaufkraft in jedem Land – zum jeweiligen Wechselkurs umgerechnet – gleich teuer sind. Existieren Preisunterschiede werden diese der KKP zufolge durch internationale Arbitrage ausgeglichen. Die Kaufkraftparität bezieht sich nicht auf einzelne Güter, sondern auf einen Warenkorb. Berechnungen zur KKP werden laufend von der OECD durchgeführt.


Kerninflation

Bei der Messung der Kerninflation bleiben im Gegensatz zum VPI besonders volatile Inflationskomponenten des VPI-Warenkobs unberücksichtigt, wodurch sich ein geglätteter Inflationsverlauf ergibt. Die Statistik kennt mehrere Ansätze zur Messung der Kerninflation, am gängigsten sind jene, die permanent dieselben Gütergruppen wie Energie oder unverarbeitete Nahrungsmittel aus dem Preisindex ausschließen. Einige Notenbanken richten ihre geldpolitischen Entscheidungen auf die Kerninflationsrate aus; das Eurosystem hingegen hat seine Preisstabilitäts-Definition auf den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) abgestellt.


Kernkapitalquote

Wie die Eigenmittelquote ein wesentlicher Indikator zur Beurteilung der Risikotragfähigkeit eines Kreditinstituts, dem speziell seit dem Jahr 2008 aufgrund der Finanzkrise zunehmend Bedeutung beigemessen wird. Anders als bei der Eigenmittelquote, welche die gesamten Eigenmittel berücksichtigt, werden bei der Kernkapitalquote nur die Eigenmittelbestandteile höchster Qualität, welche unmittelbar zur Verlustabdeckung verwendet werden können (das Kernkapital oder Tier 1-Kapital), zu den risikogewichteten Aktiva in Relation gesetzt.


Klumpenrisiko

Eine Häufung von gleichgelagerten Risiken, die dem Grundsatz der Diversifikation widerspricht. Bei Kreditinstituten kann ein Klumpenrisiko beispielsweise dadurch entstehen, dass Kredite auf einen einzelnen Kreditnehmer, auf eine Branche oder auf eine Region konzentriert sind; daher spricht man auch von einem Konzentrationsrisiko.


Kommunaldarlehen

Kommunaldarlehen sind Darlehen an Gemeinden und an Unternehmen im Besitz von Gemeinden zur langfristigen Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen.


Konjunktur (Konjunkturzyklus)

Wirtschaftslage bzw. zyklische Schwankungen der ökonomischen Aktivität einer Volkswirtschaft. Als zentraler Konjunkturindikator wird die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes eines Landes herangezogen. Die Konjunktur lässt sich in vier Phasen, sogenannte Zyklen, einteilen: Aufschwung (Expansion), Hochkonjunktur (Boom), Abschwung (Rezession) und Tiefphase (Depression). Während Aufschwung und Hochkonjunktur auf eine wachsende gesamtwirtschaftliche Produktion, hohe Beschäftigung, aber auch ein steigendes Preisniveau hinweisen, gilt für den Abschwung und das Tief das Gegenteil.


Konjunkturindikator der OeNB

Vierteljährlich von der OeNB veröffentlichter Indikator zur kurzfristig (laufendes und kommendes Quartal) erwarteten Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Österreich. Die OeNB weist dabei die Wachstumsrate des BIP in Österreich im Vergleich zum Vorquartal und Vorjahresquartal aus.


Konjunkturpolitik

Die Gesamtheit aller Maßnahmen der Wirtschafts-, Fiskal- und Geldpolitik, die darauf gerichtet sind, die Schwankungen der Konjunktur auszugleichen bzw. zu glätten. In Phasen schwachen Wirtschaftswachstums und fallender Inflation senkt dieGeldpolitik die Leitzinsen und der Staat erhöht durch verstärkte Ausgaben das Budgetdefizit, um die Nachfrage zu stützen. Umgekehrt hebt die Geldpolitik bei einer Konjunkturüberhitzung die Leitzinsen an und der Staat vermindert das Budgetdefizit, um Nachfrage und Preisauftrieb zu dämpfen.


Konsolidierte Eigenmittel

Die Eigenmittel von Kreditinstitutsgruppen sind gemäß BWG vom übergeordneten Kreditinstitut – neben der Bemessungsgrundlage, dem Handelsbuch und den offenen Fremdwährungspositionen – zu konsolidieren.


Konsolidierter Wochenausweis des Eurosystems

Wöchentliche Bilanz des Eurosystems d. h. aller aller Notenbanken des Eurosystems (nationale Zentralbanken und EZB) zusammengenommen. Wird jeweils zum Stichtag Freitag von der EZB erstellt und im Regelfall am darauf folgenden Dienstag veröffentlicht. Ausnahmen ergeben sich aufgrund des Quartalsabschlusses (zum Quartalsende werden die Aktiva und Passiva jeweils neu bewertet, womit sich die Veröffentlichung im Normalfall auf Mittwoch verschiebt) und aufgrund von TARGET2-Schließtagen.


Konsolidierung

Zusammenführung der Einzelabschlüsse (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und sonstige gesetzlich vorgeschriebene Angaben) aller Konzerngesellschaften – nach Eliminierung von gruppeninternen Transaktionen zu einem konsolidierten Abschluss (Konzernabschluss).


Konvergenz

Annäherung verschiedener Volkswirtschaften hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Entwicklungsniveaus oder bestimmter ökonomischer Strukturmerkmale. Die Konvergenz kann anhand einer Vielzahl ökonomischer Messgrößen untersucht werden. Im Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) hat die Konvergenz (Konvergenzkriterien) besondere Wichtigkeit erlangt.


Konvergenzkriterien

Im Maastricht-Vertrag definierte Kriterien für die Teilnahme an der dritten Stufe der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und damit für die Einführung des Euro. Die vier (wirtschaftlichen) Kriterien sind: 1) stabile Preise: Die Inflationsrate liegt maximal 1,5 Prozentpunkte über jener der drei preisstabilsten EU-Mitgliedstaaten, 2) stabile langfristige Zinsen: der langfristige Zinssatz liegt maximal 2 Prozentpunkte über jenem der drei preisstabilsten EU-Mitgliedstaaten, 3) gesunde öffentliche Finanzen: das öffentliche Defizit liegt nicht über 3 % des BIP und die öffentliche Verschuldung nicht über 60 % des BIP oder ist zumindest hinreichend rückläufig, d. h. sie nähert sich zügig der 60%-Marke, und 4) stabile Wechselkurse: die zulässige Schwankungsbreite der Wechselkurse im WKM II wird seit mindestens zwei Jahren ohne starke Spannungen eingehalten und es erfolgte keine einseitige Abwertung gegenüber dem Euro. Daneben ist für die Konvergenzbeurteilung aber auch die Vereinbarkeit der innerstaatlichen Rechtsvorschriften mit dem EG-Vertrag bzw. dem ESZB/EZB-Statut wichtig („rechtliche Konvergenz“): Dazu zählen insbesondere die Unabhängigkeit der nationalen Zentralbank und ihre Integration in das Eurosystem.


Konvergenzprogramme

Mittelfristige Planungen und Annahmen über die Entwicklung wichtiger ökonomischer Größen im Hinblick auf die Erreichung des im Stabilitäts- und Wachstumspakt festgelegten mittelfristigen Ziels von Budgetüberschüssen oder nahezu ausgeglichenen öffentlichen Haushalten. Konvergenzprogramme werden jährlich von den nicht an der Währungsunion teilnehmenden EU-Ländern erstellt und von der EU-Kommission und dem Wirtschafts- und Finanzausschuss geprüft.


Konvertibilität (Konvertierbarkeit)

Volle Konvertibilität ist gegeben, wenn jede inländische und ausländische Person berechtigt ist, jede beliebigeWährungfrei und ungehindert zum allgemein gültigen Wechselkurs gegen eine andere Währung zutauschen, zu transferieren oder alsGuthabenzu halten.Der Euro ist eine solche voll konvertible Währung.


Kredit

Jedem Kreditgeschäft liegt die vertragliche Verpflichtung des Darlehensnehmers zugrunde, die entliehenen Gelder oder sonstigen Mittel dem Darlehensgeber zu einem späteren Zeitpunkt in gleicher Art, Menge und Güte zurückzuerstatten.


Kreditausfall (Default)

Der Ausfall eines Kreditnehmers wird ausgelöst durch die Nicht-Erfüllung einer vertraglich zugesicherten Zahlung durch den Kreditnehmer. Mit dem Default geht zunächst der nominelle Verlust vor Einbringung, d. h. in der Höhe des aushaftenden Kreditbetrages einher, der sich nach Ausschöpfung aller Einbringungsmöglichkeiten zum eigentlichen Verlust reduziert. 


Kreditderivat

Finanzinstrument, mit dem das Kreditrisiko aus einer bestehenden Kreditbeziehung auf Dritte (= Sicherungsgeber) übertragen wird. Die häufigste Form eines Kreditderivats ist der Credit Default Swap.


Kreditinstitute nach BWG

Diese sind im BWG § 1 beschrieben. Im Gegensatz zum Gemeinschaftsrecht ist hier nur eine passiv- oder aktivseitige Konzession ausschlaggebend.


Kreditinstitute nach Gemeinschaftsrecht

Laut EU-Richtlinien ein Unternehmen, dessen Tätigkeit darin besteht, Einlagen oder andere rückzahlbare Gelder entgegenzunehmen und Kredite für eigene Rechnung zu gewähren.


Kreditinstitutsgruppe

Eine Kreditinstitutsgruppe liegt gemäß BWG vor, wenn ein übergeordnetes Institut mit Sitz im Inland bei einem oder mehreren Kreditinstituten, Finanzinstituten, Wertpapierfirmen oder Unternehmen mit bankbezogenen Hilfsdiensten mit Sitz im Inland oder Ausland mehrheitlich mittelbar oder unmittelbar beteiligt ist; über die Stimmrechtsmehrheit verfügt; die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgans bestellen kann; einen beherrschenden Einfluss ausüben kann und mindestens 20% der Stimmrechte oder des Kapitals des nachgeordneten Institutes direkt oder indirekt hält.


Kreditklemme (credit crunch)

Wird eine durch Refinanzierungsbeschränkungen verursachte Verknappung des Kreditangebots der Banken bezeichnet, die über eine konjunkturbedingte Abschwächung der Kreditnachfrage oder eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit hinausgeht.


Kreditrisiko

Gefahr des Ausfalls einer Forderung oder ihrer Wertminderung aufgrund einer Verschlechterung der Bonität des Kreditnehmers. Für Kreditinstitute stellt das Kreditrisiko im Regelfall die bedeutendste Risikokategorie dar.


Kreditvergabestandards

Bezeichnet von Banken schriftlich festgelegte bzw. ungeschriebene interne Kriterien für die Kreditvergabe. Darunter fallen auch spezielle Verpflichtungen, auf die sich Kreditgeber und Kreditnehmer geeinigt haben.


Kreditwachstum

Steigende Kreditnachfrage von Unternehmen und/oder privaten Haushalten, die auf eine günstige Konjunkturentwicklung hinweist. Da Kredite aufgenommen werden, um Ausgaben für Konsum und Investitionen zu tätigen, wird die Wirtschaft angekurbelt.


Kreditzinssatz

Der Kreditzinssatz bezeichnet den in Prozent ausgedrückten Preis für ein leihweise über einen bestimmten Zeitraum zur Nutzung überlassenes Kapital. Der Zinssatz wird üblicherweise als jährlicher Zinssatz angegeben.


Kupon

Zins- oder Dividendenschein eines Wertpapiers, der zum Bezug der fälligen Erträge (daher auch Erträgnisschein) oder zur Ausübung sonstiger Rechte (Bezugsrechte) berechtigt. Im weiteren Sinn wird auch der Nominalzins einer Anleihe als Kupon bezeichnet.