-die Stabilität des österreichischen Finanzsystems zu sichern und
-seine Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.
Der Gesetzgeber habe dieser Entwicklung mit einer Vielzahl von zukunftsweisenden Regelungen Rechnung getragen, in deren Mittelpunkt das Ziel der Begrenzung des Risikos aus dem Wertpapierhandelsbuch stehe. Es habe sich bewährt, betonte Tumpel-Gugerell, daß Österreich internationale Standards bereits sehr früh in die nationale Gesetzgebung aufnahm. So zukunftsweisend die Regelungen der zugrundeliegenden Kapitaladäquanzrichtlinie der EU seien, so anspruchsvoll sei aber auch deren adäquate Umsetzung in den davon betroffenen Kreditinstituten. Dies, so Tumpel-Gugerell, sei der Grund, warum sich die OeNB entschlossen habe, diese komplexe Rechtsmaterie im Lichte nahezu zweijähriger Erfahrungen in der vorliegenden Leitfadenreihe zum modernen Risikomanagement im Finanzwesen zu kommentieren. Dieser Schritt stelle im Rahmen der österreichischen Bankenaufsicht, in deren operativen Bereich die OeNB wesentlich eingebunden ist, eine Novität dar und biete folgende Vorteile:
-Verbesserung der Transparenz der Prüfverfahren und Möglichkeit des Benchmarking
-Darstellung der Rechtsauslegung und Bereitschaft zur fachlichen Diskussion
-Beitrag zur Stabilität des Finanzsektors durch das Aufzeigen eines Weges zur einheitlichen Gesetzesauslegung
-Nachvollziehbarkeit der Prüfverfahren durch Dritte im In- und Ausland
-BMF und OeNB bieten der Kreditwirtschaft Service und Know How im Risikomanagement
Abschließend hob Vize-Gouverneurin Dr. Tumpel-Gugerell hervor, daß mit dieser Initiative zur Unterstützung der heimischen Kreditinstitute im Risikomanagement ein Beitrag zur aktiven Prävention geleistet wird und auch den kleineren Instituten ein Instrument in die Hand gegeben werden soll, Risiken rechtzeitig zu erkennen.
Sektionschef Lejsek ging in der Folge auf die internationalen Entwicklungen im Bankwesen näher ein. Im Wettbewerb untereinander versuchten Kreditinstitute durch den Einsatz umfangreicher EDV-Programme und komplexer Produktstrukturen auch noch aus den kleinsten Margen Gewinn zu realisieren. Diese Strategie, welche oft mit hohen Volumina und einer entsprechenden Umschlagshäufigkeit der Handelsbestände verbunden ist, erfordere aber auch höchste Professionalität und die genaue Kenntnis des jeweiligen Risikopotentials, dem die Bank gerade ausgesetzt ist.
Seitens der Bankenaufsicht, so Lejsek, werden zur Bewältigung dieser neuen Herausforderungen die klassischen Methoden der Risikoanalyse mehr und mehr durch mathematisch anspruchsvolle Modelle ersetzt, die eine genauere Quantifizierung der Risikopotentiale und eine bessere Differenzierung der Risikokategorien erlauben.
Diesen Trend ortete Lejsek auch in den internationalen Diskussionen im Rahmen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht. Dort werde überlegt, die Behandlung des Kreditrisikos zu adaptieren und die Eigenmittelvorschriften mit dem Ziel, das absolute Mindestkapital zu bestimmen, näher an das tatsächliche Risiko heranzuführen als dies bisher der Fall war. Ferner werde diskutiert, dem festgelegten Mindestkapital einen zusätzlichen Sicherheitspolster zuzuordnen. Schließlich sei daran gedacht, die Marktdisziplin und -transparenz mit dem Ziel größerer Markteffizienz zu erhöhen.
Sektionschef Mag. Lejsek bezeichnete diese Vorschläge als bestechend und zugleich ambitioniert. Die österreichische Bankenaufsicht habe in diesem Zusammenhang die Aufgabe, das dem heimischen Finanzmarkt entsprechende Maß zu finden. Dies hieße, zu definieren, welche Banken mit den dargestellten Anforderungen konfrontiert werden und welche eventuell wegen ihrer geringen Größe unter vereinfachte Regeln fallen könnten.