Presseaussendung


Geschäftstätigkeit der inländischen Kreditinstitute im ersten Halbjahr 1999

Banken weiten das Auslandsgeschäft wieder aus

Wien, 16. 11. 1999


Weiterhin dynamische Expansion der Fremdwährungskredite
in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 3/1999, erschienen


 

Die Bilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute wuchs im ersten Halbjahr 1999 um 4,5% auf 502,5 Mrd EUR und damit ähnlich stark wie in der Vergleichsperiode des Vorjahres (4,7%). Nach der verhaltenen Expansion in der zweiten Jahreshälfte 1998 haben die österreichischen Kreditinstitute ihre Auslandsengagements im ersten Halbjahr 1999 wieder merklich ausgeweitet. Die Auslandsaktiva stiegen seit Jahresbeginn um 13,2% und trugen rund zwei Drittel zur Bilanzsummenausweitung bei. Das Wachstum wurde zum großen Teil von der Veranlagung in ausländischen Wertpapieren und Beteiligungen getragen, auch die Kreditgewährung an ausländische Nichtbankenkunden erholte sich gegenüber der gedämpften Entwicklung der zweiten Hälfte des Vorjahres. 

 

Die Direktkredite an inländische Nichtbanken stiegen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 0,9% und damit ähnlich stark wie im Vorjahr (1,1%). Der Anstieg resultierte jedoch größtenteils aus den angelasteten debitorischen Zinsen in Höhe von 1,5 Mrd EUR (erstes Halbjahr 1998: 1,8 Mrd EUR); ohne diese beträgt der Zuwachs im bisherigen Jahresverlauf 0,3 Mrd EUR oder 0,1%. 

 

Der öffentliche Sektor reduzierte seine Bankverbindlichkeiten weiter, wenngleich deutlich langsamer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Sowohl die Forderungen der Kreditinstitute an den Staat als auch die Schuldtitel des Staates im Bestand der inländischen Kreditinstitute waren rückläufig; insgesamt nahm die gesamte Staatsfinanzierung durch die Banken im ersten Halbjahr 1999 um 0,7 Mrd EUR ab. 

 

Die Unternehmen verminderten im ersten Halbjahr 1999 ihre Bankverbindlichkeiten um 0,2 Mrd EUR, nachdem sie in den vier vorangegangenen Halbjahren noch um jeweils 3,2 bis 3,6 Mrd EUR gestiegen waren. Vor allem das zweite Halbjahr des Vorjahres und auch noch das erste Quartal dieses Jahres waren von Zurückhaltung in der Investitionsneigung gekennzeichnet. Mäßige Absatz- und Ertragsperspektiven aufgrund des stagnierenden Exports dämpften die Investitionstätigkeit und damit den Finanzbedarf der Unternehmen. Allerdings hat sich die Selbstfinanzierungskraft der heimischen Unternehmen im vergangenen Jahr weiter erhöht. 

 

Weiterhin überaus dynamisch entwickelten sich hingegen angesichts der lebhaften Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern die Forderungen an die privaten Haushalte, die im ersten Halbjahr 1999 um 1,5 Mrd EUR oder 3,1% anstiegen. 

 

Die Expansion der Fremdwährungskredite setzte sich im ersten Halbjahr 1999 weiter fort. Kredite in Schweizer Franken wurden um rund ein Viertel auf 21,7 Mrd EUR ausgeweitet, Yenfinanzierungen verdoppelten sich auf 3,5 Mrd EUR. Insgesamt betrugen die Fremdwährungskredite Ende Juni dieses Jahres 25,4 Mrd EUR, wovon 81% in Schweizer Franken und 13% in Yen denominiert waren. Zwischen Ende Jänner und Ende Juni erhöhten sich die Fremdwährungskredite an private Haushalte um 41% und jene an Unternehmen um 23%, während die Eurokredite absolut rückläufig waren. 


Struktur der Fremdwährungskredite an inländische Nichtbanken

Die Inanspruchnahme von Fremdwährungskrediten ist in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern des Euroraums besonders intensiv. Ende März betrug der Anteil Österreichs am gesamten im Euroraum vergebenen Ausleihungsvolumen in Schweizer Franken 36% und in Yen rund 15%; der Beitrag österreichischer Banken zum Kreditwachstum des Euroraums im ersten Quartal in Schweizer Franken betrug 48,5% und in Yen 29,1%. Der Anteil Österreichs am gesamten Kreditvolumen im Eurogebiet betrug dabei nur rund 3%. 

 

Der relativ starke Zuwachs des Wertpapierportefeuilles der österreichischen Banken wurde im Wesentlichen von Investmentfonds getragen, deren Bestand im ersten Halbjahr 1999 um 57,3% zunahm. 

 

Die Einlagen inländischer Nichtbanken bei den Kreditinstituten erhöhten sich in den ersten sechs Monaten etwas stärker als im Vorjahr. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die Sichteinlagen, die insgesamt (in Schilling/Euro und Fremdwährung) um 6,7% expandierten. Die Termineinlagen wuchsen um 1,1%, die Spareinlagen um 0,1%. Der Absatz eigener Inlandsemissionen war zwar mit 4,3 Mrd EUR nahezu doppelt so hoch wie der Einlagenzuwachs, der weitaus überwiegende Teil des Emissionsvolumens wurde jedoch von inländischen Banken erworben.

 

Nähere Details können dem gleichnamigen Beitrag, veröffentlicht in "Berichte und Studien", Heft 3/1999, entnommen werden.