In einem sich immer schneller verändernden Umfeld für die Banken wirkt die Währungsunion als Katalysator für den Wandel und wird die bereits vorherrschenden Trends im europäischen Bankwesen verstärken. Die Euroeinführung bedeutet für die Banken Umstellungskosten und den Wegfall einiger profitabler Geschäftsfelder, wie z. B. den Devisen- und Valutenhandel zwischen WWU-Währungen. Auch die Schutzfunktion der nationalen Währungen geht verloren. Andererseits bieten sich durch die Bearbeitung neuer Geschäftsfelder sowie die Schaffung innovativer Produkte Chancen, verstärkt im europäischen Ausland Fuß zu fassen.
Mit der Euroeinführung haben sich Art und Ausmaß der Risiken, denen österreichische Banken ausgesetzt sind, geändert. Welchen Einfluss einzelne Risiken haben, hängt unter anderem von der Fähigkeit der Banken ab, sich auf neue Märkte und veränderte Gegebenheiten auf den bestehenden Märkten einzustellen. Die Analyse der durch den Euro induzierten Veränderungen wird für die Banken immer wichtiger, um geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit setzen zu können.
In dieser Studie werden wesentliche – durch die Euroeinführung hervorgerufene -bankenrelevante Entwicklungen dargestellt und mögliche Risikobereiche bzw. Gefährdungen von Ertragspotenzialen für die österreichischen Banken aufgezeigt. Die dargestellten Entwicklungen lassen darauf schließen, dass die Euroeinführung zwar unterschiedlich starke Einflüsse auf einzelne Risikokategorien haben wird, aber der hohe Stellenwert eines umfassenden Risikomanagements in den Banken noch stärker an Bedeutung gewinnen wird.
In vielen EU-Bankensystemen gibt es deutliche Zeichen von Überkapazitäten. Die hohe Bankstellendichte wird auch in Österreich strukturelle Anpassungsmaßnahmen erfordern. Eine strategisch günstige Positionierung und ausreichende Flexibilität werden für die österreichischen Kreditinstitute eine zunehmende Bedeutung erlangen, um die Risiken des Anpassungsprozesses bewältigen zu können und sich im stärkeren Wettbewerb im Euroraum behaupten zu können. Zu den strategischen Optionen gehören Rationalisierungsmaßnahmen durch Bankstellenabbau und Kostensenkungen, um die Effizienz und Profitabilität zu steigern.
Der Euro wird zu einer höheren Markttransparenz und damit zu einer verbesserten Vergleichbarkeit von Finanzdienstleistungen führen. Das bedeutet einen zunehmenden Druck auf die Preise und die Qualität der Dienstleistungen der österreichischen Banken. Es ist auch ein wachsender Druck der Aktionäre auf die Banken zu erwarten, damit diese den "shareholder value" erhöhen.
Eine ausreichende Risikotragungsfähigkeit der österreichischen Banken ist notwendig; neben der ohnehin guten Eigenkapitalausstattung bedarf es einer angemessenen Ertragssituation, die es den Banken ermöglicht, auftretende Risiken in erforderlichem Ausmaß begrenzen zu können. Seitens der österreichischen Banken sind weitere Maßnahmen zur Ertragsverbesserung notwendig.
Wegen des vergleichsweise niedrigen Konzentrationsgrads im österreichischen Bankensystem ist mit weiteren Fusionen zu rechnen. Die wachsenden Verflechtungen durch Bankenzusammenschlüsse mit zusätzlichen Risikopotenzialen bedeuten auch steigende Anforderungen an das Bankmanagement, und vor allem die systemrelevanten Banken erlangen eine wachsende Mitverantwortung für die Stabilität des gesamten Finanzmarktes. Auch die OeNB hat ein großes Interesse an einem sicheren und wettbewerbsfähigen österreichischen Finanzmarkt. Die intensive Beschäftigung mit der Stabilität des nationalen Bankensystems wird daher weiterhin eine wichtige Aufgabe sowohl für die Banken als auch für die OeNB bleiben.
Nähere Details können dem gleichnamigen Beitrag, veröffentlicht in "Berichte und Studien", Heft 3/1999, entnommen werden.