„Im Laufe der letzten Jahre sind wir sicherlich zu einem besseren Verständnis der Ursachen von internationalen Finanzkrisen gekommen“, resümierte Vize-Gouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell am Ende der OeNB-Konferenz "Financial Crisis – A Never Ending Story?". Konzepte für die Reform der internationalen Finanzarchitektur seien vorhanden. Die Umsetzung von Maßnahmen auf internationaler Ebene sei jedoch ein schwieriger und langwieriger Prozess.
150 Experten aus 30 Ländern, darunter Vertreter von Notenbanken, aus der Wirtschaftspolitik, von internationalen Institutionen wie IWF, OECD, dem Financial Stability Forum bei der BIZ, der EZB und der Europäischen Kommission sowie renommierte Universitätsprofessoren für Ökonomie diskutierten zwei Tage lang Gründe für Finanzkrisen und mögliche Gegenstrategien. Exzessive Kreditexpansion, Spekulation auf den Vermögensmärkten, Strukturprobleme von Banken- und Finanzsystemen, überschießende kurzfristige Kapitalbewegungen, die fundamental nicht begründbar sind, und nicht aufrechterhaltbare Wechselkursregime sind Phänomene, die im Zusammenhang mit Finanzkrisen eine entscheidende Rolle spielen.
Die wichtigste Erkenntnis aus den Krisen der letzten Jahre ist, dass Finanzkrisen nicht allein ein Problem der makroökonomischen Wirtschaftspolitik sind. Mikroökonomische Faktoren können entscheidend zur Destabilisierung der Finanzsysteme beitragen und so die Anfälligkeit für Finanzkrisen erhöhen. Deshalb müssen Finanzmarktliberalisierungschritte mit Bedacht und unter Berücksichtigung der spezifischen Voraussetzungen der betroffenen Länder vorgenommen werden. Fragen der Bankenaufsicht und der Umsetzung internationaler Aufsichtsstandards spielen dabei eine Schlüsselrolle.
Trotz dieser Erkenntnisfortschritte im Verständnis der Mechanismen von Finanzkrisen sind jedoch noch nicht alle ihre Aspekte eindeutig geklärt, stellte Tumpel-Gugerell abschließend fest. Es bedürfe weiterer wissenschaftlicher Anstrengungen, um Phänomene wie den "Herdentrieb" der Finanzmarktakteure oder die Übertragungsmechanismen von Krisen zwischen Ländern und Märkten zu verstehen. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die internationalen Rahmenbedingungen besser an die geänderten Anforderungen der Finanzmärkte angepasst werden können und die Wirtschaftspolitik auf diese Herausforderungen effizient reagieren kann.