Presseaussendung


Die österreichische Zahlungsbilanz in den Monaten Jänner bis September 1999

(auf Basis von Zahlungsströmen; "Cash-Basis")

Wien, 24. 11. 1999



In den ersten neun Monaten 1999 wies die Leistungsbilanz auf Cash-Basis mit 2,86 Mrd.. Euro (rd. 39 ½ Mrd. ATS) ein etwas höheres Defizit auf als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (2,68 Mrd. Euro). 

Das Defizit aus den Warenzahlungen konnte in größerem Ausmaß als von Jänner bis September 1998 durch den positiven Saldo bei den Dienstleistungen ausgeglichen werden. Durch die höheren Defizite insbesondere in der Teilbilanz Einkommen, aber auch bei den laufenden Transfers ist das Gesamtergebnis der Leistungsbilanz im bisherigen Jahresverlauf ungünstiger als im Vergleichszeitraum.

Nach Vorliegen der ersten drei Quartale zeigt sich ein gleich starkes Wachstum der Zahlungen für Warenimporte und der Erlöse für Exporte (jeweils 4 %). Das Defizit der Warenzahlungen  erhöhte sich in der Periode Jänner bis September 1999 um 0,48 Mrd. Euro auf 4,24 Mrd. Euro. 

Der positive Saldo der Dienstleistungen  nahm in der Periode Jänner bis September 1999 um insgesamt 0,95 Mrd. Euro auf 3,48 Mrd. Euro zu. Der Reiseverkehrsüberschuß als wichtigste Komponente erhöhte sich um 0,36 Mrd. Euro auf 1,78 Mrd. Euro, wobei die Reiseverkehrseinnahmen um 4 % gestiegen und die Ausgaben um 1 % gesunken sind. Aber auch der positive Saldo der gesamten übrigen Dienstleistungspositionen erhöhte sich von 1,11 Mrd. Euro auf 1,70 Mrd. Euro, hervorzuheben sind dabei insbesondere Verbesserungen bei technischer Beratungstätigkeit, Personenbeförderung, Operational leasing, sonstigen Handels-leistungen, aber auch bei Patenten und Lizenzen.

In der Teilbilanz Einkommen ergaben sich im Berichtszeitraum Nettoabflüsse in Höhe von 0,56 Mrd. Euro gegenüber 0,04 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1998. Bestimmend dafür waren höhere Abflüsse der Einkommen aus Portfolioinvestitionen und verminderte Eingänge für sonstige Veranlagungen. Die Abflüsse der Einkommen aus Direktinvestitionen verringerten sich dagegen um netto 0,29 Mrd. Euro.

Das Defizit der Laufenden Transfers war mit 1,55 Mrd. Euro um 0,13 Mrd. Euro höher als im Vergleichszeitraum. In dieser Teilbilanz ist der überwiegende Teil der Transaktionen mit der EU enthalten.

Die Vermögensübertragungen schlossen in den ersten neun Monaten 1999 mit einem geringfügigen Defizit von 0,12 Mrd. Euro gegenüber 0,10 Mrd. Euro im entsprechenden Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der geringere Nettokapitalimport von 3,05 Mrd. Euro (knapp 42 Mrd. ATS) gegenüber 3,36 Mrd. Euro (rd. 46 Mrd. ATS) läßt sich in erster Linie aus der Entwicklung der Portfolioinvestitionen erklären. Österreicher kauften in der Berichtsperiode Jänner bis September 1999 ausländische Wertpapiere im Wert von 19,90 Mrd. Euro, Ausländer kauften inländische Wertpapiere im Wert von 18,04 Mrd. Euro. Daraus resultiert im gesamten Berichtszeitraum ein Nettokapitalexport aus Portfolioinvestitionen in Höhe von 1,87 Mrd. Euro gegenüber einem Nettokapitalimport von 1,22 Mrd. Euro im Vorjahr.

Die Entwicklung im dritten Quartal verlief hiebei anders als in den ersten beiden Quartalen. Die geringeren Käufe von ausländischen Wertpapieren in den letzten drei Monaten führten – bei anhaltend gutem Absatz von inländischen Wertpapieren an das Ausland – zu einem Nettokapitalzufluß. Ausländer kauften insbesondere im September ein überdurchschnittliches Volumen inländischer Wertpapiere, was vor allem auf den Erwerb von Geldmarktpapieren sowie die Nachfrage nach der aufgestockten Bundesanleihe zurückzuführen ist. 

Nach den Spitzenwerten des Vorjahres zeigte die Zahlungsbilanz im Berichtszeitraum einen weiteren Anstieg der Direktinvestitionsaktivitäten österreichischer Investoren, während die Investitionen des Auslands in Österreich den außergewöhnlich hohen Wert des Vorjahres nicht erreichten. Dadurch drehte der Saldo von einem Nettokapitalimport von 0,29 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten 1998 auf einen Nettokapitalexport von 0,81 Mrd. Euro in der Berichtsperiode.

Die Transaktionen in den übrigen Positionen der Kapitalbilanz führten zu einem Nettokapitalimport von insgesamt 5,72 Mrd. Euro gegenüber 1,85 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.


Zahlungsbilanzdaten
in Mrd EUR
 
 September Jänner bis September 
1998 1999 1998 1999 
 
Leistungsbilanz−0,63 −0,77 −2,68 −2,86 
Warenzahlungen−0,44 −0,72 −3,76 −4,24 
  Eingänge5,28 5,18 45,86 47,48 
  Ausgänge5,72 5,89 49,62 51,71 
Dienstleistungen0,12 0,14 2,54 3,48 
  Eingänge1,71 1,72 16,40 17,00 
  Ausgänge1,59 1,59 13,86 13,52 
 hievon: Reiseverkehr 0,01 −0,02 1,42 1,78 
  Eingänge0,85 0,84 8,11 8,40 
  Ausgänge0,84 0,86 6,69 6,62 
Einkommen−0,09 0,03 −0,04 −0,56 
  Eingänge0,58 0,67 6,58 6,74 
  Ausgänge0,67 0,64 6,62 7,31 
Laufende Transfers −0,21 −0,23 −1,41 −1,55 
  Eingänge0,13 0,17 1,82 1,85 
  Ausgänge0,34 0,40 3,23 3,40 
 
Vermögensübertragungen−0,06 −0,01 −0,10 −0,12 
 
Kapitalbilanz0,45 2,65 3,36 3,05 
Direktinvestitionen−0,09 −0,12 0,29 −0,81 
Portfolioinvestitionen−0,44 1,20 1,22 −1,87 
Sonstige Investitionen0,93 2,10 2,06 4,62 
Finanzderivate−0,18 −0,11 −0,22 −0,66 
Offizielle Währungsreserven1)0,23 −0,41 0,01 1,76 
 
Statistische Differenz 0,23 −1,87 −0,57 −0,07 
 


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