Presseaussendung


Ertragslage der Kreditinstitute in Österreich im 1. bis 3. Quartal 1999

Wien, 9. 12. 1999


  • Das Betriebsergebnis erreichte in den ersten drei Quartalen 1999 mit 2,57 Mrd EUR annähernd den Wert der Vergleichsperiode 1998 (2,59 Mrd EUR). Die Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen sowie der Saldo aus dem Provisionsgeschäft konnten deutlich erhöht werden. Diese Steigerungen wurden jedoch einerseits durch Rückgänge des Nettozinsertrags und des Saldos aus Finanzgeschäften, sowie andererseits durch die Erhöhung des Sachaufwandes wieder kompensiert. 
  • Auf Basis der Ertragslage in den ersten drei Quartalen 1999 wird ein Jahresüberschuß erwartet, der mit 1,58 Mrd EUR um +10,1% deutlich über dem vergleichbaren Schätzwert 1998  liegt. Dies ist vorwiegend auf eine Verringerung des erwarteten Wertberichtigungsbedarfs im Kreditbereich sowie auf den Anstieg des erwarteten a.o. Ergebnisses zurückzuführen. 
  • Die Nettozinsertragsspanne sank weiter auf 2,3% ab. Der harte Zinswettbewerb zwischen den Kreditinstituten hält weiterhin an. 
  • Die Cost-income-ratio betrug 70,6% und hat sich im Vergleich zum 1. bis 3. Quartal um 0,8%-Punkte verschlechtert.

 

Im 1. bis 3. Quartal 1999 erhöhten sich die Betriebserträge der österreichischen Kreditinstitute um +2,1% auf 8,77 Mrd EUR. Zugleich stiegen die Betriebsaufwendungen mit +3,3% etwas geringer an als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. In Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme sanken sowohl die Betriebserträge als auch die Betriebsaufwendungen.

 

Das Verhältnis der Betriebsaufwendungen zu den Betriebserträgen (cost-income-ratio) betrug in der Berichtsperiode 70,6% und hat sich im Vergleich zum 1. bis 3. Quartal 1998 um 0,8%-Punkte verschlechtert.

 

Das Betriebsergebnis erreichte mit 2,57 Mrd EUR annähernd den Wert der Vergleichsperiode 1998 (2,59 Mrd EUR).

 

Der Nettozinsertrag lag mit 4,70 Mrd EUR um –0,6% unter dem Wert der Vergleichsperiode 1998. Der Rückgang der letzten Jahre konnte somit zu diesem Berichtstermin abgeschwächt werden. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen betrug 53,6% und nahm im Vergleich zum 1. bis 3. Quartal 1998 (55,0%) merklich ab.

 

Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge lagen mit 16,56 Mrd EUR um –3,4% unter dem Wert der Vergleichsperiode 1998. Die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen verringerten sich um −4,5% auf 11,86 Mrd EUR. 

 

Der Nettozinsertrag aus dem Inlandsgeschäft lag mit 3,71 Mrd EUR um –12,4% unter dem Wert des 1. bis 3. Quartals 1998. Der Nettozinsertrag aus dem Auslandsgeschäft übertraf hingegen mit 0,99 Mrd EUR um +101,6% den Wert des Vorjahres markant. Ausschlaggebend dafür sind die stark angestiegenen Forderungen gegen ausländische Kreditinstitute.

 

Infolge der Zinsrückgänge im Euro-Raum – die im Berichtszeitraum ihren Niederschlag fanden – verringerte sich im zinsabhängigen aktivseitigen Kundengeschäft die Verzinsung gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres von 5,78% auf 5,07%, auch im vergleichbaren Passivgeschäft ging die Verzinsung von durchschnittlich 3,24 auf 2,77 zurück. Die Nettozinsertragsspanne nahm daher von 2,54% auf 2,30% stark ab. Der harte Zinswettbewerb in der Kreditwirtschaft hält weiterhin an.

 

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft stiegen neuerlich mit +21,0% stärker an als in den ersten neun Monaten des Vorjahres und beliefen sich auf 0,89 Mrd EUR. Analog zu den letzten drei Quartalen ist dies vorwiegend auf den Anstieg der Erträge aus Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapieren sowie den Anstieg aus Anteilen an verbundenen Unternehmen zurückzuführen.

 

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft betrug 1,93 Mrd EUR und übertraf das Aufkommen des 1. bis 3. Quartals 1998 um +11,5%. Dies ist, wie bereits in den letzten zwei Quartalen zu beobachten war, vorwiegend auf den Anstieg der Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft (+21,6%), dem Dienstleistungsgeschäft (+17,0%) und dem Zahlungsverkehr (+8,8%) zurückzuführen. Im 1.-3. Quartal 1999 betrug die Relation des Saldos aus dem Provisionsgeschäft zu den Betriebserträgen  22,0% (Vergleichsperiode 1998: 20,0%). Der Trend in Richtung zinsunabhängige Erträge kann nach wie vor beobachtet werden.

 

Der positive Saldo aus Finanzgeschäften belief sich im 1.bis 3. Quartal 1999 auf 0,38 Mrd EUR und war um -23,8% geringer als in der Vergleichsperiode 1998. Dies ist weitgehend mit dem Rückgang des Saldos aus dem Devisen-, Sorten-, u. Edelmetallgeschäft zu erklären (–45,6%). Der Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften stieg um +0,01 Mrd EUR (+8,3%) an.

 

Auf der Aufwandsseite waren die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen um +3,6% auf 5,14 Mrd EUR angestiegen. Dabei stiegen vor allem die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) um beachtliche +6,1% auf 1,93 Mrd EUR an. Trotz straffen Kostenmanagements in den einzelnen Kreditinstituten sind vor allem die Kosten für die Vorkehrungen zur Lösung des Jahr-2000 Problems, die Umstellung auf den EURO sowie Investitionen in die Informationstechnologie (z. B. Internet-Banking) als Hauptgrund für diesen Anstieg zu nennen.

 

Der Personalaufwand stieg um +2,1% auf 3,21 Mrd EUR an. Die Relation der Personalaufwendungen zu den Betriebsaufwendungen betrug im 1. bis 3. Quartal 51,8% und verringerte sich damit gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres (52,4%).

 

Für das gesamte Geschäftsjahr 1999 erwartet die Kreditwirtschaft ein Betriebsergebnis von 3,41 Mrd EUR (1998: 3,40 Mrd EUR).

 

Der zusätzliche Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird mit 1,66 Mrd EUR um −12,1% niedriger angesetzt und liegt somit deutlich unter dem geschätzten Wert der Vergleichsperiode 1998. Betragsmäßig sind die Schätzungen für Wertberichtigungen aus Forderungen an Kunden (−0,27 Mrd EUR) am stärksten zurückgegangen.

 

Aus der Auflösung/Dotation von Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen wird ein Saldo von –0,13 Mrd EUR erwartet, welcher 1999 ertragswirksam werden soll (Schätzung 1. bis 3. Quartal 1998: −0,41 Mrd EUR). Dies ist, wie schon im letzten Quartal zu beobachten war, vorwiegend auf eine deutliche Verringerung der bereits realisierten Veräußerungsgewinne (-0,22 Mrd EUR bzw. –40,4%) zurückzuführen

Hiermit ergibt sich ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 1,87 Mrd EUR, welches sich gegenüber dem Vergleichsquartal 1998 um –2,6% verschlechtert hat.

 

Im Jahr 1999 wird ein a.o. Ertrag in Höhe von 0,06 Mrd EUR erwartet, während im Vorjahr zum Ende des 3. Quartals ein a.o. Aufwand in Höhe von 0,14 Mrd EUR erwartet wurde.

 

Die für das gesamte Jahr 1999 erwarteten Steuerleistungen betragen 0,35 Mrd EUR und sind gegenüber dem erwarteten Wert aus dem Vergleichsquartal 1998 unverändert. Daraus resultierend rechnen die österreichischen Kreditinstitute für das gesamte Jahr 1999 mit einem Jahresüberschuß von1,58 Mrd EUR, welcher mit +10,1% über dem erwarteten Wert der Vergleichsperiode 1998 liegt (1,43 Mrd EUR).



Zinserträge und Zinsaufwendungen im Nichtbankengeschäft
in Mrd EUR
 
 1. bis 3. Quartal 19981. Halbjahr 19991. bis 3.Quartal 1999
 
Forderungen an Kunden   
Erträge 10,15 6,34 9,43 
Durchschnittsstand 234,35 245,20 247,83 
Verzinsung in % p.a. 5,78 5,17 5,07 
 
Verbindlichkeiten gg. Kunden    
Aufwendungen 4,48 2,74 4,03 
Durchschnittsstand 184,06 193,35 193,76 
Verzinsung in % p.a. 3,24 2,84 2,77 
 
Spanne gg. Kunden      
Verzinsung in % p.a. 2,54 2,33 2,30 
 
Festverzinsliche Wertpapiere      
Erträge 2,41 1,61 2,43 
Durchschnittsstand 54,07 56,29 57,97 
Verzinsung in % p.a. 5,96 5,71 5,58 
 
Verbriefte Verbindlichkeiten     
Aufwendungen 3,43 2,26 3,31 
Durchschnittsstand 86,20 90,11 91,06 
Verzinsung in % p.a. 5,30 5,02 4,85 
 
Spanne   
Verzinsung in % p.a. 0,66 0,69 0,73 
 
Zinserträge   
Erträge 12,57 7,95 11,85 
Durchschnittsstand 288,42 301,49 305,80 
Verzinsung in % p.a. 5,81 5,27 5,17 
 
Zinsaufwendungen   
Aufwendungen 7,91 5,01 7,35 
Durchschnittsstand 270,26 283,47 284,82 
Verzinsung in % p.a. 3,90 3,53 3,44 
 
Spanne   
Verzinsung in % p.a. 1,91 1,74 1,73 
 


Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute
1. bis 4. Quartal 2000
 
 1. bis 4. Quartal 20001. bis 4. Quartal 19991. bis 4. Quartal 1998
MRD EUR % VJ1)MRD EUR % VJ1)MRD EUR % VJ1)
 
1. Zinsen und zinsähnliche Erträge 27,51 22,9 22,38−2,6 22,97 3,9 
2. Zinsen und zinsähnliche Aufwendungen 20,77 29,1 16,09−3,216,63 6,5 
I. Nettozinsertrag (1. − 2.)6,73 7,1 6,29 −0,9 6,34 −2,4 
3. Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen 1,82 33,9 1,36 −2,01,39 46,9 
4. Saldo Ertrag/Aufwand aus Provisionen 3,18 17,4 2,71 13,0 2,40 11,4
5. Saldo Ertrag/Aufwand aus Finanzgeschäften 0,51 13,4 0,45−31,8 0,66 6,9
6. Sonstige betriebliche Erträge 1,28 −0,1 1,281,9 1,26 4,8 
II. Betriebserträge (I. + 3. + 4. + 5. + 6.)13,52 11,9 12,090,312,04 5,5
7. Allgemeine Verwaltungsaufwendungen 7,41 4,3 7,104,0 6,83 4,3 
hv. Personalaufwand 4,48 1,8 4,403,6 4,25 2,4 
hv. Sachaufwand 2,93 8,5 2,704,8 2,58 7,7 
8. Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände 0,65 5,5 0,625,8 0,59 7,7 
9. Sonstige betriebliche Aufwendungen 0,94 14,9 0,823,70,79 −0,9
III. Betriebsaufwendungen (7. + 8. + 9.)9,00 5,4 8,54 4,1 8,20 4,1
IV. Betriebsergebnis (II. − III.)4,52 27,4 3,55 −7,73,84 8,8 
 
Quartalsweise aktualisierte Vorschauwerte für das Geschäftsjahr      
IV. Erwartetes Jahres-Betriebsergebnis4,3926,4 3,48 −9,63,8510,6 
10. Saldo aus Wertberichtigungen auf Forderungen und Zuführungen zu Rückstellungen für Eventualverbindlichkeiten und für Kreditrisken gegenüber den entsprechenden Erträgen aus deren Auflösung (exkl. Wertpapiere) 1,94 7,51,80−17,5 2,19 27,9 
11. Saldo aus Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen gegenüber den entsprechenden Erträgen aus deren Auflösung −0,42 44,1−0,29−39,2 −0,48 147,7 
V. Erwartetes Ergebnis der gewöhnl. Geschäftstätigkeit (IV. +/− 10. +/− 11.)2,8846,3 1,97−8,22,149,1
12. Erwartetes a.o Ergebnis (Ertrag + / Aufwand −) −0,09 −482,4 0,02−111,0−0,2144,0
13. Erwartete Steuern von Einkommen, Ertrag und sonstige Steuern 0,45 34,2 0,3411,00,30−25,8
VI. Erwarteter Jahresüberschuß (+)/− Fehlbetrag (−) (V.+/− 12. − 13.)2,34 41,4 1,651,5 1,6315,6