Presseaussendung


Die österreichische Zahlungsbilanz in den Monaten Jänner bis Oktober 1999

Wien, 27. 12. 1999


In den ersten zehn Monaten 1999 wies die Leistungsbilanz auf Cash-Basis mit 3,77 Mrd. Euro (knapp 52 Mrd. S)1) ein um 0,87 Mrd. Euro höheres Defizit auf als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (2,90 Mrd. Euro).

 

Dies ist auf ein größeres Defizit aus Warenzahlungen und in der Teilbilanz Einkommen, sowie – wenngleich in volumensmäßig geringerem Ausmaß – bei den laufenden Transfers zurückzuführen. Das höhere Aktivum bei den Dienstleistungen konnte diese Defiziterhöhungen nur zum Teil ausgleichen.

 

Nach Vorliegen der ersten zehn Monate zeigt sich mit 5 % ein stärkeres Wachstum der Zahlungen für Warenimporte als der Erlöse für Exporte (4 %). Die aus den Zahlungsströmen kommenden Signale entsprechen damit den Erwartungen eines kräftigen Importwachstums, das auf die rege Konsum- und Investitionsnachfrage im Inland zurückzuführen ist. Das Defizit der Warenzahlungen  erhöhte sich in der Periode Jänner bis Oktober 1999 um 0,75 Mrd. Euro auf 4,60 Mrd. Euro.

 

Der positive Saldo der Dienstleistungen  nahm in der Periode Jänner bis Oktober 1999 um insgesamt 0,88 Mrd. Euro auf 3,55 Mrd. Euro zu. Der Reiseverkehrsüberschuß als wichtigste Komponente erhöhte sich um 0,30 Mrd. Euro auf 1,67 Mrd. Euro, wobei einerseits die Reiseverkehrseinnahmen um 3 % anstiegen und andererseits die Reiseverkehrsausgaben der Österreicher stagnierten. Aber auch der positive Saldo der gesamten übrigen Dienstleistungspositionen erhöhte sich von 1,30 Mrd. Euro auf 1,88 Mrd. Euro, erwähnenswert sind dabei insbesondere Verbesserungen bei technischer Beratungstätigkeit, Personenbeförderung, Operational Leasing, sonstigen Handelsleistungen, aber auch bei Patenten und Lizenzen. Warenzahlungen und Dienstleistungen zusammen ergaben ein Defizit in Höhe von 1,06 Mrd. Euro, das damit etwas geringer war als im Vergleichszeitraum 1998 (1,19 Mrd. Euro).

 

In der Teilbilanz Einkommen ergaben sich im Berichtszeitraum Nettoabflüsse in Höhe von 0,90 Mrd. Euro gegenüber 0,09 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1998. Bestimmend dafür war der starke Anstieg der Einkommen des Auslands aus Portfolioinvestitionen und verminderte Eingänge für sonstige Veranlagungen. Nur im Bereich der Einkommen aus Direktinvestitionen ergab sich, bedingt durch geringere Abflüsse an ausländische Investoren, eine Verbesserung.

 

Das Defizit der Laufenden Transfers war mit 1,82 Mrd. Euro um 0,19 Mrd. Euro höher als im Vergleichszeitraum. In dieser Teilbilanz ist der überwiegende Teil der Transaktionen mit der EU enthalten.

 

Die Vermögensübertragungen schlossen in den ersten zehn Monaten 1999 mit einem Defizit von 0,12 Mrd. Euro gegenüber 0,06 Mrd. Euro im entsprechenden Vergleichszeitraum des Vorjahres.

 

Die bereits im Vorjahr außergewöhnlich hohen Direktinvestitionen von Österreichern im Ausland nahmen im Berichtszeitraum weiter zu, während die Investitionen des Auslands in Österreich abflachten. Dadurch drehte der Saldo von einem Nettokapitalimport von 0,26 Mrd. Euro in den ersten zehn Monaten 1998 auf einen Nettokapitalexport von 1,02 Mrd. Euro in der Berichtsperiode.

Die Portfolioinvestitionen erreichten in beiden Richtungen beinahe den doppelten Wert des Vorjahresvergleichszeitraumes. Österreicher erwarben in der Berichtsperiode Jänner bis Oktober 1999 ausländische Wertpapiere im Wert von 22,15 Mrd. Euro, ausländische Anleger kauften inländische Wertpapiere im Wert von 21,55 Mrd. Euro. Daraus resultiert im gesamten Berichtszeitraum ein Nettokapitalexport aus Portfolioinvestitionen in Höhe von 0,60 Mrd. Euro gegenüber einem Nettokapitalimport von 0,93 Mrd. Euro im Vorjahr. Dabei überwogen bei den Anteilswerten die Käufe ausländischer Wertpapiere durch Österreicher (Nettokapitalexport 1,15 Mrd. Euro) und bei den festverzinslichen Wertpapieren die Verkäufe österreichischer Wertpapiere an ausländische Anleger (Nettokapitalimport 0,55 Mrd. Euro).

 

Die Transaktionen in den übrigen Positionen der Kapitalbilanz führten zu einem Nettokapitalimport von insgesamt 6,58 Mrd. Euro gegenüber 2,87 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.



Zahlungsbilanzdaten
in Mrd EUR
 
 Oktober Jänner bis Oktober 
1998 1999 1998 1999 
 
Leistungsbilanz−0,22 −0,91 −2,90 −3,77 
Warenzahlungen−0,09 −0,37 −3,85 −4,60 
Eingänge5,40 5,63 51,26 53,10 
Ausgänge5,49 6,00 55,11 57,71 
Dienstleistungen0,13 0,07 2,67 3,55 
Eingänge1,67 1,64 18,07 18,64 
Ausgänge1,54 1,57 15,40 15,09 
hievon: Reiseverkehr −0,06 −0,12 1,36 1,67 
Eingänge0,66 0,65 8,77 9,05 
Ausgänge0,72 0,76 7,41 7,38 
Einkommen−0,05 −0,33 −0,09 −0,90 
Eingänge0,63 0,63 7,21 7,38 
Ausgänge0,68 0,97 7,30 8,27 
Laufende Transfers −0,21 −0,27 −1,63 −1,82 
Eingänge0,16 0,13 1,98 1,98 
Ausgänge0,37 0,40 3,60 3,79 
 
Vermögensübertragungen0,04 0,00 −0,06 −0,12 
 
Kapitalbilanz0,71 1,91 4,06 4,96 
Direktinvestitionen−0,02 −0,21 0,26 −1,02 
Portfolioinvestitionen−0,29 1,27 0,93 −0,60 
Sonstige Investitionen3,02 0,73 5,08 5,34 
Finanzderivate−0,09 0,11 −0,31 −0,54 
Offizielle Währungsreserven1)−1,91 0,02 −1,90 1,78 
 
Statistische Differenz −0,53 −1,01 −1,10 −1,07 
 


1) Mit Beginn des Jahres 1999 werden die Daten der österreichischen Zahlungsbilanzstatistik in Pressemeldungen in der Währungseinheit Euro veröffentlicht. In der OeNB Publikation "Statistische Monatshefte" hingegen werden die Daten sowohl in Euro als auch in ATS dargestellt.