Presseaussendung


"Consumer Confidence Barometer"

Ergebnisse Dezember 1999

Wien, 18. 2. 2000


Die von der Europäischen Kommission veröffentlichten Dezemberergebnisse des Business and Consumer Surveys zeigten eine deutlich aufgehellte Stimmungslage der Eurozone. Der "Industrial Confidence Index" und der "Consumer Confidence Index" verbesserten sich seit Juli 1999 von -7 auf 0 bzw. –3 auf –1 im Dezember 1999. Dies signalisiert eine Verbesserung des Konjunkturverlaufs im Euroraum.

 

Spezifisch in Österreich ergab sich allerdings eine etwas andere Entwicklung. Während sich bei den österreichischen Industrieunternehmen das Vertrauen in die Konjunktur weiter erheblich verbesserte (von –13 im Juli 1999 auf –8 im Dezember 1999) hat sich die optimistische Haltung der heimischen Konsumenten im Dezember 1999 abgeschwächt. Mit einem saisonbereinigten Indikator des Verbrauchervertrauens von +3 lag der "Consumer Confidence Index" unter den Werten der vorangegangen Monate (November +7, Oktober und September jeweils +6, August +8, Juli +4). Diese im Vergleich zum 2. Halbjahr 1998 unterschiedliche Entwicklung des Vertrauens (Im 2. Halbjahr 1998 hat sich der Vertrauensindikator der Konsumenten kontinuierlich verbessert, wogegen sich jener der Industrie verschlechtert hat) dürfte so zu interpretieren sein, dass die Industrieunternehmen das günstigere internationale Konjunkturumfeld stärker beachten und daher durch einen abnehmenden Pessimismus gekennzeichnet ist. Zudem stehen divergierende Verläufe zwischen Konsumeten- und Verbrauchervertrauen im Einklang mit der volkswirtschaftlichen Literatur, nach der die Konsum- und Investitionsfunktion unterschiedliche Erklärungsvariablen aufweisen. Demnach wird die Konsumfunktion vor allem vom aktuellen und künftigen privaten Arbeits- und Finanzeinkommen (nach Steuern) und den erwarteten realen Zinssätzen beeinflusst (Diskontierungsfaktor für alle zukünftigen Einkommen). Für die Investitionsfunktion sind primär die laufenden Gewinne, Gewinnerwartungen sowie (als Diskontierungsfaktor) die erwarteten Realzinsen bestimmend.

 

Die weniger optimistische Gesamteinstellung der österreichischen Konsumenten ist hauptsächlich auf die im Vergleich zum Vormonat November 1999 deutlich geringere optimistische Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage Österreichs – sowohl in den vergangenen als auch in den kommenden 12 Monaten – zurückzuführen: Für die Wirtschaftslage in den kommenden 12 Monaten erwarten im Dezember 1999 33 % eine Verbesserung (November 1999: 35 %), 24 % eine Verschlechterung (November 1999: 19 %) und 38 % eine gleich bleibende Entwicklung (November 1999: 41 %). Auch was den Zeitpunkt für größere Anschaffungen betrifft, beabsichtigt im Dezember 1999 knapp ein Viertel der Befragten (d. s. 24 %) den Zeitpunkt für größere Anschaffungen aufzuschieben. Im November 1999 lag dieser Anteil noch bei 18 %. Bezüglich der Ausgabenabsicht der österreichischen Haushalte für größere Anschaffungen in den kommenden 12 Monaten will weiterhin nur eine Minderheit des Umfragesamples mehr ausgeben, als in den 12 Monaten zuvor. Die große Mehrheit der inländischen Haushalte will – gemessen an den Befragungsergebnissen – das Konsumvolumen in etwa beibehalten bzw. leicht abschwächen. 

 

Die finanzielle Situation der österreichischen Haushalte bleibt weiterhin entspannt: 18 % geben eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation in den nächsten 12 Monaten an. Im November 1999 waren es mit 14 % etwas weniger. Mit einem erhöhten Finanzpotenzial in der Periode Oktober 1999 bis Oktober 2000 rechnen 22 % (November 1999: 20 %). Eine gleich bleibende künftige finanzielle Situation ist für 58 % (Oktober 1998: 63 %) der befragten Haushalte zu verzeichnen. Die derzeitige finanzielle Situation bewerten 50 % (November 1999: 52 %) als zufrieden stellend. Nur 2 % der rund 1.500 interviewten Personen kommen mit ihren finanziellen Mitteln nicht aus.

 

Die Beurteilung des österreichischen Arbeitsmarkts hat sich nach einer kontinuierlichen Verbesserung im bis November 1999 im Dezember 1999 wieder verschlechtert. Mit –23 liegt der Testsaldo aus positiven und negativen Antworten bezüglich mehr Arbeitslosen in den nächsten 12 Monaten zwar deutlich über dem Dezemberwert des Vorjahres (-45), aber merklich unter dem bisher besten Wert vom November 1999 (-11). 44 % der Befragten erwarten in den nächsten 12 Monaten mehr Arbeitslose. Im Dezember 1998 lag der vergleichbare Wert bei 60 % und im November 1999 bei 37 %. In einer vergleichbaren Umfrage von der Arbeitgeberseite her, zeigt das quartalsmäßig durchgeführte Konjunkturbarometer der Industriellenvereingung, dass nur jedes 8. Unternehmen an einen Anstieg der Beschäftigung im Industriebereich glaubt. Der Saldo liegt mit –10 im 4. Quartal 1999 auf demselben Niveau wie im 3. Quartal 1999 und damit schlechter als noch in den ersten beiden Quartalen 1999. Beide Befragungsergebnisse stellen allerdings in deutlichem Gegensatz zur aktuellen Entwicklung auf dem österreichischen Arbeitsmarkt: Der heimische Arbeitsmarkt hat sich besser als erwartet entwickelt. Vor allem im Dienstleistungssektor konnten – bedingt durch die sich intensivierende Binnennachfrage – zusätzliche Arbeitsplätze in Form von Teilzeitarbeitsplätzen geschaffen werden. Die Arbeitslosenquote fiel – nach vorläufigen Berechnungen – im Jahr 1999 nach nationaler Abgrenzung auf 6‘7 % (1998: 7‘2 %), die EU-Quote verringerte sich von 4‘7 % im Jahr 1998 auf 4‘3 % im Jahr 1999. Österreichs Arbeitslosenquote gehört damit zu den niedrigsten in der EU. Dieser Trend dürfte sich heuer und im nächsten Jahr noch weiter fortsetzen und die Arbeitslosigkeit auf 4 % drücken. Zu dieser Entwicklung tragen neben der hohen Dynamik auf dem Stellenmarkt die im 2. Quartal 1999 wirksamen Maßnahmen im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik bei, durch verstärkte Schulungsaktivitäten Arbeitslose wieder vermehrt in den Arbeitsprozess zu integrieren. 

 

Die inländische Preisentwicklung ist jener Indikator, den die Österreicher trotz niedriger Inflation (HVPI Dezember 1999: +1‘7 %) – am negativsten beurteilen. Mit –64 ist der Saldo im Dezember 1999 auf seinem tiefsten Stand im Jahresverlauf 1999. Dies könnte so zu interpretieren sein, dass die Preise für die den Haushalten wichtigen Bereichen wenig sinken bzw. etwa im Energiebereich in den letzten Monaten deutlich gestiegen sind.

 

Die stabile Einkommenssituation der Östereicher führt auch dazu, dass ein großer Teil der interviewten Personen (d. s. 44 %) die Möglichkeit hat, in den nächsten 12 Monaten zu sparen. (November 1999: 47 %, Dezember 1998: 40 %). 45 % (November 1999: 49%, Dezember 1998: 44 %) halten es auf alle Fälle für ratsam, in Anbetracht der Wirtschaftslage zu sparen.

 

(Die OeNB veröffentlicht die jeweils aktuellen, nicht-saisonbereinigten Daten zum "Consumer Confidence Barometer" im Internet auf der Seite http://www2.oenb.at/zabil/consumer_p.htm. Weitere Daten für die Eurozone zum "Consumer Confidence Index", "Industrial confidence Index", "Construction confidence index" usw. sind der Internetseite http://ec.europa.eu/index_de.htm zu entnehmen).