Presseaussendung


Wechselkurssysteme in Mittel- und Osteuropa

Wien, 24. 2. 2000


Die soeben erschienene Ausgabe der OeNB-Publikation "Focus on Transition" enthält eine von Peter Backé verfasste Studie über die Wechselkurssysteme der mittel- und osteuropäischen EU-Beitrittsländer. 

 

  • Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Spektrum der in Mittel- und Osteuropa angewendeten Wechselkursregime sehr breit ist. Die Anzahl jener Länder, die auf einen festen Wechselkurs oder Crawling-Peg-Systeme (also Systeme, bei denen eine Währung planmäßig und voraussagbar ab- oder aufgewertet wird) setzen, ist im Lauf der Zeit zurückgegangen. 
  • Dies bedeutet aber nicht, dass diese wechselkurspolitischen Strategien im Zuge des wirtschaftlichen Umbauprozesses in Mittel- und Osteuropa weniger erfolgreich waren als, z. B. freies Floating oder Currency Board-Systeme (also Fixkurssysteme, bei denen der gesamte Geldumlauf durch Fremdwährungsreserven gedeckt und jederzeitige Umtauschbarkeit zum festgelegten Kurs gewährleistet sein muss). Der Zusammenbruch von traditionellen Festkursregimen in der Tschechischen Republik und in der Slowakischen Republik war im Grunde eine Folge der Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage. Jene Länder hingegen, deren makro- und strukturpolitischer Kurs in seiner Gesamtheit stabilitäts-orientiert und konsistent war, fuhren mit ihren Systemen ganz gut und wurden nicht von den finanziellen Ansteckungseffekten der Russlandkrise erfasst, wie die Beispiele Ungarns und Sloweniens zeigen. 
  • Für EU-Beitrittsländer stellt die Teilnahme am Euroraum den Zielpunkt der währungspolitischen Integration dar. Dabei stehen diese Länder vor der Herausforderung, für den Zeitraum bis zu einer uneingeschränkten Teilnahme an der Währungsunion Strategien zu entwerfen und umzusetzen. Hier erscheint Wechselkursflexibilität für die meisten Beitrittswerber bis zum EU-Beitritt und darüber hinaus sinnvoll. Als Alternativen bieten sich Festkursregime bzw. Quasi-Festkursregime – jeweils unter der Voraussetzung, dass die betreffenden Länder die damit verbundenen strikten Rahmenbedingungen auf Dauer erfüllen können. Die währungspolitische Integration wird voraussichtlich für die meisten, wenn nicht für alle EU-Beitrittskandidaten aus Mittel- und Osteuropa einen langen Prozess darstellen, dessen positiver Abschluss von erfolgreichen Strukturreformen abhängig ist.