Presseaussendung


UNCTAD/OeNB Seminar: „Ausländische Direktinvestitionen und Privatisierung in Mittel- und Osteuropa“

Wien, 7. 3. 2000


Das Seminar stand im Zeichen eingehender Diskussionen über die Bedeutung, die Fusionen und Übernahmen gerade im Raum Mittel- und Osteuropa haben. Die Entwicklungen in der Region wurden vor dem Hintergrund der weltweiten Trends und der treibenden Kräfte der derzeitigen Welle grenzüberschreitender Fusionen und Übernahmen erörtert. Fusionen und Übernahmen im Rahmen von Privatisierungsprogrammen wurden dabei sowohl aus Unternehmenssicht als auch aus der Sicht der betroffenen Länder analysiert. Schließlich wurden auch die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Transformation und die Wirtschaftspolitik der Region insgesamt ausführlich debattiert. 

 

Fusionen und Übernahmen machen einen wesentlichen Teil der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in der Region Mittel- und Osteuropa aus. In den neunziger Jahren wurden Übernahmen überwiegend im Rahmen von Privatisierungen abgewickelt. In Ländern wie Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn, in denen die Privatisierung der Wirtschaft schon weit fortgeschritten ist, waren es mit der Zeit allerdings zunehmend private Unternehmen, die fusionierten bzw. übernommen wurden. In Ungarn zum Beispiel waren 1998 und 1999 praktisch nur private Unternehmen in Fusionen und Übernahmen involviert. Diese Trends sprechen dafür, dass die Grundvoraussetzungen für den Fluss ausländischer Direktinvestitionsgelder nach Mittel- und Osteuropa weiterhin günstig sind – nicht zuletzt, weil viele neue Produktionsstätten aufgebaut werden (Greenfield Investment) und Fusionen und Übernahmen privater Unternehmen eine immer größere Rolle spielen. 

 

Einige Experten äußerten Bedenken über die Vorgangsweise, Staatsanteile ohne Ausschreibung zu verkaufen, weil dadurch schon viele Firmen unter ihrem Wert veräußert worden sind. Mit besonderem Nachdruck wurde auf die Notwendigkeit transparenter Verfahren und eines guten institutionellen Rahmens für die Abwicklung verwiesen. Bei der Diskussion von Fallstudien zeigte sich, dass es eine Korrelation zwischen der Privatisierungsmethode und den Auswirkungen auf die wirtschaftliche Transformation gibt. Letzere hängen darüber hinaus vom Wirtschaftszweig ab, dem die privatisierten Unternehmen angehören. Einige Experten zogen den Schluss, dass auf Grund des verstärkten Trends zu privaten Fusionen und Übernahmen gerade jetzt, wo die Region am Beginn des zweiten Jahrzehnts der wirtschaftlichen Transformation steht, eine bessere Unternehmenskontrolle institutionalisiert und klare Spielregeln geschaffen werden müssen, was im Übrigen für die entwickelten Volkswirtschaften genauso gilt.

 

Am Seminar nahmen Experten aus Bulgarien, Lettland, Litauen, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Polen, Rumänien, Slowenien, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn sowie eine Reihe von Wissenschaftern aus Österreich und internationalen Organisationen (OECD und ECE) teil.