Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute und der Investmentfonds im 1. Quartal 2000

Wien, 6. 6. 2000


Die Bilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute wuchs im ersten Quartal um +4,3% auf 547,12 Mrd EUR und damit nahezu doppelt so rasch wie im Vergleichsquartal des Vorjahres. Wie schon 1999 wurde das Bilanzsummenwachstum sowohl aktiv– als auch passivseitig wieder zu zwei Dritteln vom Auslandsgeschäft getragen. 

 

Die inländische Kreditnachfrage gewann im ersten Quartal 2000 weiter an Dynamik und verzeichnete die höchste Zunahme für das erste Vierteljahr seit Beginn der Datenreihe 1988. Die Direktkredite an inländische Nichtbanken stiegen um +1,20 Mrd EUR (+0,6%) gegenüber einer Abnahme im Vorjahr von –0,11 Mrd EUR oder –0,1%. Unter Berücksichtigung der aufgelaufenen debitorischen Zinsen stagnierte das Kreditwachstum; da im 1. Quartal des Vorjahres das Kreditvolumen rückläufig gewesen war, hat sich die Jahreswachstumsrate der Direktkredite nun schon das dritte Quartal in Folge leicht beschleunigt und betrug 5,9%. 

 

Die Kreditausweitung erfolgte ausschließlich in Form von Fremdwährungskrediten: Die Direktkredite in Euro verringerten sich seit Beginn des Jahres um –2,38 Mrd EUR (–1,3%), jene in Fremdwährungen stiegen hingegen um +3,58 Mrd EUR oder +10,8%. Der Anteil der Fremdwährungsdirektkredite an den gesamten Direktkrediten lag im März somit bei 17,3% (nach 12,1% im Vergleichsmonat des Vorjahres). Teilweise trug auch die Verschiebung der Wechelkursrelationen zum Euro dazu bei, der weitaus überwiegende Teil waren jedoch Neudotationen. Mit +2,0 Mrd EUR (gemäß EZB–Monetärstatistik) entwickelten sich zwar die Kredite in Japanischen Yen am dynamischsten, der Hauptanteil der Fremdwährungskredite (68,8%) wurde Ende März 2000 nach wie vor in Schweizer Franken gehalten. 

 

Der öffentliche Sektor nahm – im Gegensatz zum Vergleichsquartal des Vorjahres – wieder vermehrt Kredite in Anspruch, wovon der Großteil kurzfristiger Natur war. Der Sektor Bund reduzierte seine Verbindlichkeiten an Kreditinstitute, Länder und Gemeinden weiteten sie relativ kräftig aus und nahmen deutlich mehr als die Hälfte ihrer Neuverschuldung in Fremdwährung auf. Die Forderungen an die Unternehmen verringerten sich um –0,4%, Freiberufler und selbständig Erwerbstätigen verschuldeten sich zusätzlich jedoch (+3,0%). Vom Zuwachs der Forderungen an die privaten Haushalte um +1,22 Mrd EUR – mehr als doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres – entfielen 1,13 Mrd EUR auf Fremdwährungsfinanzierungen.

 

Im Bereich der titrierten Kredite meldeten die Kreditinstitute in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres eine deutlich dynamischere Entwicklung als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei weiteten sich die Bundesschatzscheine am stärksten aus, während alle anderen verbrieften Kreditarten nur geringfügig zunahmen bzw. sanken.

 

Die Einlagen inländischer Nichtbanken bei den Kreditinstituten erhöhten sich seit Beginn des Jahres um +2,70 Mrd EUR (+1,6%) und damit leicht stärker als im Vergleichsquartal 1999. Die Struktur der Einlagen verschob sich dabei weiter in den liquiden Fristigkeitsbereich. Innerhalb der einzelnen Einlagenkategorien zeigten die Termineinlagen mit einem Anstieg von 13,2% die stärkste Ausweitung. Diese ging in erster Linie auf die Einlagengestion des Sektors Staat zurück, der seine Guthaben um knapp ein Drittel aufstockte. Die Sichteinlagen stiegen um 3,5%, die Spareinlagen waren hingegen mit –0,7% rückläufig. Vor allem täglich fällige Spareinlagen verzeichneten erhebliche Rückgänge, aber auch die Bauspareinlagen verringerten sich seit dem Ultimo 1999 um –0,6%.

 

Der Zuwachs eigener Inlandsemissionen entwickelte sich – ähnlich den Einlagen – im ersten Quartal 2000 mit einem Zuwachs von +2,8% bei weitem nicht mehr so dynamisch wie noch im Vorjahr. Der Zuwachs ergab sich zur Gänze aus Fremdwährungsemissionen.

 

Der überwiegende Teil der Bilanzsummenausweitung wurde sowohl aktiv- als auch passivseitig vom Auslandsgeschäft getragen. Auslandsaktiva wie –passiva erhöhten sich um jeweils mehr als 10%. Diese Zunahme ist allerdings unter der Prämisse zu betrachten, dass im Dezember 1999 das Auslands­geschäft auf Grund der Y2K-Problematik drastisch reduziert worden war. Besonders dynamisch expandierten die Kredite an ausländische Nichtbanken, auch in ausländische Wertpapiere und Beteiligungen veranlagten die Banken stärker als im Vorjahr. Der Zuwachs des ausländischen Mittelaufkommens stammte zum weitaus überwiegenden Teil von den internationalen Geld- und Kapitalmärkten. Die Auslandsemissionen, die in den ersten drei Monaten des letzten Jahres merklich zurückgegangen waren, wurden wieder ausgeweitet. Diese Emissionen dienten nicht zuletzt der Refinanzierung der weiterhin expandierenden Fremdwährungskredite. 

 

Zu diesem Zweck wurden von den Banken auch in beträchtlichem Umfang Fremdwährungs-Swaps abgeschlossen. Insgesamt haben die österreichischen Kreditinstitute seit Beginn des Jahres die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte um +96,8 Mrd EUR oder +14,8% ausgeweitet. Mit 753 Mrd EUR erreichten sie 138% der Bilanzsumme, vor einem Jahr war dieser Wert noch bei 105% gelegen. 

 

Die Eigenmittel der österreichischen Kreditinstitute betrugen Ende März 36,41 Mrd EUR und konnten somit gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres um +2,02 Mrd EUR gesteigert werden. Der Eigenmittelstand in Prozent der Bemessungsgrundlage sank aber auf Grund einer stärker als die Eigenmittel gestiegenen Bemessungsgrundlage um –0,8 Prozentpunkte auf 13,7%. 

 

Per Ende März 2000 verwalteten die 24 österreichischen Kapitalanlagegesellschaften mit ihren 1196 aufgelegten Investmentfonds einen Vermögensbestand von 86,6 Mrd. EUR. Dies entspricht 43% des Bruttoinlandsproduktes. Mit +7,8% konnte der außergewöhnlich starke Anstieg des Vermögens­bestandes der inländischen Investmentfonds des vergangenen Jahres im ersten Quartal 2000 nicht fortgesetzt werden und erreichte auch ein geringfügig niedrigeres Wachstumsniveau als in den Jahren 1996 bis 1998. Vom gesamten Vermögenszuwachs entfielen im ersten Quartal 2000 43% auf Aktien und Beteiligungspapiere, gefolgt von Investmentzertifikaten mit 36% und Rentenwerten mit 30%. Nahezu der gesamte Vermögenszuwachs von März 1999 bis März 2000 entfiel auf Auslands­veranlagungen. Die stärkste Verlagerung ins Ausland bestand wie schon im Vorberichtsjahr im Aktienbereich. Aber auch die massive Zunahme im ausländischen Rentenbereich bewirkte, dass erstmals der Vermögensbestand in ausländischen Zinspapieren höher ist als in inländischen Renten.



Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich
 
 Stand Kumulative Veränderung1
2000/03 2000 1999 
in Mrd EUR in Mrd EUR in % in Mrd EUR in % 
 
Einlagen von inländischen Nichtbanken 174,51 +2,70 +1,60 +2,10 +1,30 
Eigene inländische Emissionen an Nichtbanken (EUR u. FW) 48,32 +1,31 +2,80 +4,15 +9,90 
Geldkapitalbildung von inländischen Nichtbanken (EUR u. FW) 222,83 +4,01 +1,80 +6,24 +3,00 
Direktkredite an inländische Nichtbanken 212,00 +1,20 +0,60 −0,11 −0,10 
  EUR-Direktkredite 175,36 −2,38 −1,30   
  Fremdwährungs-Direktkredite 36,63 +3,58 +10,80   
Titrierte Kredite an inländische Nichtbanken (EUR u. FW) 26,16 +0,98 +3,90 −0,19 −0,70 
Gesamtkredite an inländische Nichtbanken (EUR u. FW) 238,16 +2,18 +0,90 −0,30 −0,10 
Auslandsaktiva 145,57 +14,19 +10,80 +11,31 +10,20 
Auslandspassiva 162,54 +15,31 +10,40 +3,39 +2,70 
Bilanzsumme 547,12 +22,49 +4,30 +12,99 +2,70 
Nicht bilanzwirksame Geschäfte 803,20 +101,01 +14,38 +86,33 +17,69 
.hievon besondere außerbilanzmäßige Finanzgeschäfte 753,27 +96,83 +14,75 +85,60 +19,72 
Eigenmittel absolut 36,41 +1,25 +3,60 +1,17 +3,50 
Eigenmittel in % der Bemessungsgrundlage213,74