Presseaussendung


Überreichung der EMAS-Urkunden an die Oesterreichische Nationalbank und die Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH

Wien, 15. 6. 2000


Gestern fand im Geldzentrum der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) die EMAS-Zertifizierung (Environmental Management and Audit Scheme) des von der OeNB und ihrer Tochter der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) eingeführten Umweltmanagementsystems statt. Dieses wurde von Gutachtern überprüft und zusammen mit den Umwelterklärungen der OeNB und der OeBS für gültig erklärt.

 

Gouverneur Dr. Liebscher verwies in seiner Rede darauf, dass in der OeBS bereits seit geraumer Zeit mit Hochdruck an der Euro-Banknotenproduktion gearbeitet werde. Diese Produktion ist - gemäß einer langjährigen Tradition der OeNB – an strenge ökologische Normen ausgerichtet und stellt somit einen bedeutenden Beitrag der OeNB zum österreichischen Umweltschutz dar.

 

Weiters strich Gouverneur Dr. Liebscher hervor, dass sich die OeNB in Fragen des betrieblichen Umweltschutzes schon seit fast zwei Jahrzehnten engagiere. Bereits seit 1983 gab es Bemühungen, den Bürobetrieb umweltfreundlicher zu gestalten. Im Zusammenhang mit den Anfängen der Umweltaktivitäten in der OeNB erschien es Dr. Liebscher besonders bemerkenswert, dass die Initiative zunächst von den Mitarbeitern ausgegangen ist. Etwa ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in den frühen 80er Jahren begonnen, in ihrem Verantwortungsbereich entsprechende Aktivitäten zu setzen und damit die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung des Umweltschutzgedankens in der OeNB geschaffen. Dabei reichten die Initiativen vom Büroartikeleinkauf und der Haustechnik bis hin zu baubiologischen Maßnahmen und Entsorgungsverfahren. 

 

Es war daher für den Gouverneur ein weiterer logischer Schritt, dass die OeNB und ihre Tochtergesellschaft, die OeBS in diesem Geldzentrum ein Umweltmanagementsystem gemäß EMAS-Verordnung der Europäischen Union eingeführt haben, das von Gutachtern überprüft und zusammen mit den Erklärungen der OeNB und OeBS im Bereich des Umweltschutzes für gültig erklärt wurde.

 

Derzeit sind 238 österreichische Unternehmen in das EMAS-Standorteregister eingetragen, berichtete Umweltminister Mag. Wilhelm Molterer. Damit liegt Österreich innerhalb der EU an 2. Stelle hinter Deutschland, auf die Bevölkerungszahl umgelegt sogar an 1. Stelle.

 

Im Bankwesen sollte EMAS langfristig Eingang in die Unternehmensbewertung finden, sagte Molterer. Daher seien Banken, die ein Umweltmanagementsystem nach EMAS einführen, wichtige Wegbereiter für eine nachhaltige Finanz- und Wirtschaftspolitik. Ökoeffiziente Unternehmen können Abfall-, Energie- und Rohstoffkosten reduzieren und profitieren vom zunehmenden Umweltbewusstsein der Konsumenten. Daher seien sie mittel- und längerfristig auch für Investoren interessant, da sich die ökologische Effizienz meist auch positiv auf die Wertentwicklung der Aktien auswirkt. 

 

Die Zertifizierung sollte sich nicht nur betriebswirtschaftlich lohnen, sondern auch zum Abbau von Bürokratie beitragen. Zertifizierte Betriebe sollten bei behördlichen Genehmigungen, bei Überprüfungen und Verfahren Vorteile und Erleichterungen erhalten, da sie bereits Vorleistungen erbracht und hohe Standards nachweislich erfüllten. An einer entsprechenden Novelle wird bereits gearbeitet, kündigte Molterer an. 

 

Direktor Dr. Zöllner stellte in seiner Anprache fest, dass der Zeitgeist zurzeit weltweit vor allem Maßnahmen, die die Aktienkurse auf einen Zeithorizont von etwa 100 Tagen zu neuen Rekorden treiben, unterstütze. Vom verantwortungsbewussten Umgang mit knappen Ressourcen hört man seiner Meinung nach zuletzt eher weniger. In den Hintergrund traten in den letzten Jahren nicht nur Fragen der ökologischen, sondern leider oft auch der sozialen Verantwortung. Dies scheint der Preis zu sein, den wir für die Vorteile der Globalisierung und Internationalisierung, der Deregulierung und Liberalisierung zu zahlen haben. In diesem Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte ist auch der europäische Weg - eine Marktwirtschaft mit menschlichem Antlitz – zunehmend in Gefahr, auf der Strecke zu bleiben, stellte Dr. Zöllner fest.

 

Er verwies weiters darauf, dass der Umweltschutz in der OeNB hingegen seit Jahren ernst genommen wird. Er ist nicht nur pro forma im Unternehmensleitbild manifestiert, sondern der Umweltschutz wird in der OeNB gelebt. Dokumentiert wird dies durch einige Preise, die der OeNB in den letzten Jahren zuerkannt wurden:

 

  • 1992 ARDEA-Preis für das umweltfreundlichste Büro Österreichs
  • 1993 wird der Umweltbeauftragte der OeNB Umweltmanager des Jahres
  • 1998 Österreichischer Solarpreis für die Fotovoltaikanlage des Geldzentrums. 

 

Weiters stellte Dr. Zöllner fest: "Wir in der OeNB haben gelernt, dass es a priori den Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie nicht gibt. Es ist zwar richtig, dass so manche Umweltmaßnahme zu Mehrkosten führt. Wir fanden aber auch viele Beispiele, wo Umweltmaßnahmen Kostenreduzierungen bewirkten. 

 

Abschließend führte Direktor Dr. Zöllner aus, dass der Umweltschutz und der Gesundheitsaspekt für die Mitarbeiter ein integrativer Bestandteil der Arbeit der internen Dienste der OeNB ist und bedankte sich bei den vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die geholfen haben, den Umweltschutz in der OeNB zu etablieren.

 

Der Geschäftsführer der OeBS, Dipl.-Ing. Dr. Färber, verwies darauf, dass die Druckerei schon immer den Umweltgedanken vertreten und sich bereits im Jahre 1996, als eine der ersten Banknotendruckereien weltweit nach ISO 14001 zertifizieren ließ. Dr. Färber hob hervor, dass bei der Umsetzung der wichtigsten Umweltprojekte erfreulicherweise gleichzeitig auch immer eine Verringerung der Betriebskosten erreicht werden konnte. Dabei führte er folgende Beispiele an:

 

  • Bei der Übersiedelung der OeBS in das neue Gebäude wurden die vorhandenen galvanischen Bäder durch neue, selbst entworfene Badtypen ersetzt. 
  • Die zweite Verbesserung in Richtung Umweltschutz ist die geänderte Entsorgung der galvanischen Abwässer, die nunmehr, entsprechend den neuen Vorschriften, für jeden Badtyp getrennt erfolgt. 
  • Als letzten Punkt erwähnte Dr. Färber noch das Recycling der während dem Druckprozess an den Tiefdruckmaschinen kontinuierlich anfallenden wässrigen Wischlauge.  

 

Abschließend verwies Dr. Färber darauf, dass in der strategischen Ausrichtung der OeBS für die Zukunft vorgesehen ist, neben dem Druck von Banknoten und anderen Sicherheitsprodukten als weiteres Standbein solche und ähnliche Technologien zu entwickeln und zu vermarkten.