Kräftiges Wirtschaftswachstum durch stark steigende Warenexporte
Die konjunkturelle Entwicklung Österreichs im Prognosezeitraum 2000-2002 wird von mehreren Faktoren begünstigt: Erstens zeichnet sich ein kräftiges Wachstum der Exportumsätze ab, wobei insbesondere die Warenexporte von der gestiegenen internationalen Nachfrage, der günstigen Kostenstruktur bzw. der steigenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit profitieren. Gleichzeitig wird die bereits in den letzten Jahren robuste private Konsumnachfrage zunächst noch durch die Steuerreform 2000 und das Familienpaket begünstigt. Bereits im letzten Quartal 1999 zeichnete sich eine merkliche Erholung der Sachgüterproduktion und Ausrüstungsinvestitionen ab, sodass für das Jahr 2000 mit weiteren Zuwächsen in diesen Bereichen gerechnet werden kann. Insgesamt prognostiziert die OeNB für das Jahr 2000 ein Wirtschaftswachstum von 3.4%.
Während der Höhepunkt des Investitionszyklus im Jahr 2001 erreicht werden wird, werden die negativen Effekte des Budget-Konsolidierungspakets auf das verfügbare Einkommen den Zuwachs der privaten Konsumnachfrage abschwächen. Die Wettbewerbsfähigkeit wird sich 2001 und 2002 nicht mehr im selben Maße verbessern wie im vorangegangenen Jahr, d. h. es ist von etwas geringeren Marktanteilsgewinnen auf den Exportmärkten für Güterexporte auszugehen. Höhere Lohnabschlüsse aufgrund der verbesserten Lage auf dem Arbeitsmarkt und Nachfrageeffekte aufgrund der guten Gewinnentwicklung der Unternehmen wirken jedoch positiv auf die private inländische Nachfrage. Für 2001 und 2002 wird daher mit einem Wachstum von 2.9% bzw. 2.6% des BIP gerechnet.
Entwicklung des internationalen Umfelds
Die günstigen Perspektiven der internationalen Konjunktur sind eine wesentliche Voraussetzung für das kräftige Wachstum in Österreich: In den USA setzt sich die Expansion weiter fort und auch die von der Wirtschafts- und Finanzkrise 1997/98 besonders betroffenen Länder Südostasiens scheinen sich wesentlich schneller zu erholen, als ursprünglich erwartet wurde.
Im Euroraum hat sich der Konjunkturaufschwung gegen Jahresende 1999 deutlich beschleunigt. Die Industrieproduktion hat merklich an Dynamik gewonnen. Der niedrige Wechselkurs des Euro belebt die Exportnachfrage – und in der Folge die Investitionsaktivitäten – insbesondere in jenen Ländern mit ausgeprägten Handelsbeziehungen zu den USA. Insgesamt wird im Euroraum für die kommenden drei Jahre ein reales Wirtschaftswachstum von 3,5, 3,3 und 3,0% erwartet.
Höhere Verbraucherpreise im Jahr 2000
Im Jahr 1999 war die Inflationsrate gemäß harmonisierten Verbraucherpreisindex in Österreich mit 0,5% äußerst gering. Der Anstieg der Inflationsrate auf 1,8% im Jahresabstand im 1. Quartal 2000 resultierte aus der Entwicklung der Energiepreise. Die anhaltend hohen Ölpreise bestimmen auch im laufenden Quartal den Anstieg der Verbraucherpreise. In der zweiten Jahreshälfte wird die Erhöhung verschiedener Verbrauchssteuern (Tabaksteuer, Stromabgaben und motorbezogene Versicherungssteuer) zusätzlich Inflationsdruck ausüben. Sinkende Ölpreise und etwas höhere Lohnabschlüsse als in den Jahren zuvor sollten die bestimmenden Einflussfaktoren der Preisentwicklung in den Jahren 2001 und 2002 sein. Von einem gewissen Preisdruck nach oben als Folge der Lohnentwicklung ist vor allem gegen Ende des Prognosehorizonts auszugehen. Die Preissteigerungen gemäß Konsumdeflator werden daher im Jahr 2000 1,8%, im Jahr 2001 1,4% und im Jahr 2002 1,5% betragen. Generell bleibt damit im gesamten Prognosezeitraum die Preisstabilität erhalten.
Konjunkturaufschwung unterstützt die Beschäftigung
Die starke Inlandsnachfrage begünstigt die Entwicklung am Arbeitsmarkt über den gesamten Prognosehorizont. Die Arbeitslosenquote (EU-Definition) wird von 3.7% im Jahr 1999 auf 3.3% im Jahr 2002 sinken. Dies wird auch durch das im Vergleich zur Nachfrage langsamere Wachstum des Arbeitskräfteangebots verursacht. 2001 und 2002 werden die Konsolidierungsmaßnahmen der Regierung die Arbeitsmarktentwicklung in mehrfacher Weise beeinflussen: Einerseits wird durch die leichte Abschwächung des privaten Konsums die Nachfrage nach Arbeitskräften gedämpft werden. Andererseits sollten die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit die Standortattraktivität Österreichs heben und damit Investitionen und Beschäftigung positiv beeinflussen.
Sinkendes Leistungsbilanzdefizit zu erwarten
Der Leistungsbilanzsaldo hat sich 1999 gegenüber 1998 – im Wesentlichen als Folge des Anstiegs des passiven Saldos der Einkommensbilanz (insbesondere bei den Einkommen aus zinstragenden Finanzierungsinstrumenten, welche Zinsen aus festverzinslichen Wertpapieren, Einlagen und Krediten enthält) – um 15 Mrd ATS auf -2,8% des BIP verschlechtert. Da jedoch keine weitere Verschlechterung der Einkommensbilanz zu erwarten ist, und sich andererseits die Güter- und Dienstleistungsbilanz günstig entwickeln wird, ist für die kommenden Jahre ein sinkendes Leistungsbilanzdefizit zu erwarten.
Die Langfassung findet sich als pdf-Dokument im Internet auf der OeNB-Hompage (www.oenb.at).