Ein optimistisches Bild über den zehnjährigen Reformprozess in den ehemaligen planwirtschaftlich organisierten Ländern zeichnete OeNB-Vize-Gouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell in ihrer Eröffnungsansprache zur diesjährigen Ost-West-Konferenz zum Thema "Completing Transition: The Main Challenges" in Wien. Erstmals seit 1989 verzeichneten im Jahr 2000 alle Reformländer ein positives Wirtschaftswachstum. Auch wenn die Erholung in einigen Volkswirtschaften noch auf wackeligen Beinen stehe, konnte doch eine beachtliche Anzahl von Staaten ihre Ökonomien auf einen dynamischen Wachstumspfad bringen, was gerade aufgrund der enormen Wichtigkeit realer Konvergenz besonders zu würdigen sei, betonte Tumpel-Gugerell.
Auch auf dem Gebiet der Inflationsbekämpfung wiesen praktisch alle Übergangswirtschaften substantielle Fortschritte auf. Die meisten Volkswirtschaften konnten ihre Preissteigerungen auf einstellige oder niedrige zweistellige Jahresraten senken. Tumpel-Gugerell zeigte sich in diesem Zusammenhang optimistisch, dass in den nächsten Jahren der Prozess der Disinflation fortgesetzt wird. Die derzeit zu beobachtende Beschleunigung der Inflationsentwicklung in einigen Transformationsländern sei primär auf exogene Faktoren, die nicht im Einflussbereich der Notenbanken liegen, zurückzuführen.
Jedoch auch in den am weitesten fortgeschrittenen Reformländern, so die OeNB-Vize-Gouverneurin weiters, kann der Übergangsprozess noch nicht als abgeschlossen gesehen werden. Auch wenn der Fokus in diesen Ländern immer stärker auf Konvergenz und Integration gerichtet sei, gäbe es noch strukturellen Anpassungsbedarf. In diesem Zusammenhang ging Tumpel-Gugerell auf die Felder soziale Sicherheit, Gesundheit, Ausbildungswesen, öffentliche Verwaltung und auf den Finanzsektor, insbesondere den Bereich Bankenaufsicht, ein.
Abschließend erinnerte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell an die zahlreichen unterstützende Aktivitäten, die die Oesterreichische Nationalbank seit Beginn der Transformationsperiode gesetzt hat. Seit 1990 bietet die OeNB ein vielfältiges Spektrum an technischer Unterstützung für Zentralbanken Mittel- und Osteuropas. Der Ausbau der analytischen Arbeit der OeNB über die mittel- und osteuropäischen Länder in den letzten Jahren leistete laut Tumpel-Gugerell einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum gegenseitigen Verständnis. Drittens organisiere die OeNB eine Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen, darunter eben auch die Ost-West-Konferenz, um Plattformen für die Debatte transformationbezogener Themen zur Verfügung zu stellen. Die OeNB sei auch sehr an der Förderung des Dialogs zwischen dem Eurosystem und den Zentralbanken der Beitrittsländer interessiert. In diesem Zusammenhang wies Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell auf das nächste hochrangige Seminar zwischen diesen beiden Gruppen hin, welches am 14. und 15. Dezember 2000 in Wien stattfinden wird.