Presseaussendung


Präsentation des Transition Report 2000 der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung

Wien, 17. 11. 2000


Die Oesterreichische Nationalbank fungiert heute, am 17. November, als Gastgeber für die Vorstellung des diesjährigen „Transition Report“ der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) durch Dr. Martin Raiser, einer der Autoren. 

 

Die EBWE widmet sich als wichtige europäische Institution ausschließlich der Förderung von Reform und Transformation in den Ländern mit einst zentral geplanten Wirtschaften. Österreichische Banken sind prominente Partner der EBWE. Die jährlichen "Transition Reports" der EBWE bewerten diesen Prozess und gelten als vielbeachtete internationale Standardwerke. Der diesjährige Bericht wurde in London am 14. November freigegeben. 

 

Die Oesterreichische Nationalbank bietet auch heuer wieder das Forum für die Vorstellung des Berichtes in Österreich. Sie tut dies im Sinne einer Serviceleistung für die österreichische Öffentlichkeit; vor allem im Lichte des hohen und direkten österreichischen Interesses an der Entwicklung der Staaten in Ost- und Mitteleuropa. Es ist dies auch ein Teil des langjährigen Engagements der OeNB zur Förderung der Entwicklung in diesen Staaten, insbesondere der wissenschaftlichen und wirtschaftspolitischen Diskussion relevanter Fragen. Das kommt speziell auch in der alljährlichen Ost-West-Konferenz der Oesterreichischen Nationalbank zum Ausdruck, die prominente Vertreter aus Ost und West in Wien zusammenführt. 

 

Vor diesem Hintergrund drückte die Vize-Gouverneurin der Nationalbank, Dr. Tumpel-Gugerell, ihre Einschätzung aus, dass trotz des hohen Stellenwertes von makroökonomischer Stabilität die Reformen in der Mikroökonomie, also die Änderung von Strukturen, im Transformationsprozess nicht vernachlässigt werden dürfen. Für diese Reformen gibt es allerdings keine Patentrezepte, kein auschließliches und einzig wahres Modell. Unterschiedliche Kulturen, die spezifische Geschichte jedes Landes und unterschiedliche Mentalitäten der Bevölkerung sind in Betracht zu ziehen. Für den Erfolg von Reformprogrammen ist es entscheidend, dass sie im jeweiligen Land verankert sind und von den Menschen getragen werden. 

 

Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell teilt die in den Berichten der EBWE vertretene Ansicht, dass nachhaltiges Wachstum ohne eine grundlegende Neugestaltung des Finanzsektors unmöglich ist. Die Privatisierung des Bankensektors ist dafür eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung; denn selbst in den fortgeschrittensten Transformationsländern erfüllen Banken derzeit ihre Intermediationsfunktion nur unzureichend. Eine Wende zum Besseren verlangt freilich auch nach einer wirksamen Bankenaufsicht, wobei in Fragen der Finanzmarktstabilität eine Einbindung der jeweiligen Notenbank unabdingbar erscheint. 

 

Die Europäische Union hat in den letzten Jahren als Bezugspunkt für die Transformationsländer stark an Bedeutung gewonnen. Sie muß sich deshalb ihrer Rolle als Reformanker bewusst sein und dementsprechend Verantwortung übernehmen. Im Lichte dieser von Vizegouverneurin Tumpel-Gugerell vertretenen Forderungen illustriert der "Transition Report" der EBWE den konkreten Reformfortschritt in den einzelnen Staaten und Wirtschaftssektoren. Bemerkenswert und erfreulich hoch ist derzeit das BIP-Wachstum in den Übergangswirtschaften. Es beträgt heuer insgesamt etwa 5% real und bietet so eine hervorragende Basis für den weiteren Reformprozess. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang insbesondere noch das Thema "Humankapital" für Wachstum und Innovationskraft, mit dem sich der „Transition Report“ in einem Sonderkapitel beschäftigt.