Presseaussendung
Die österreichische Zahlungsbilanz in den Monaten Jänner bis September 2000
(auf Basis von Zahlungsströmen; "Cash-Basis")
Wien, 24. 11. 2000
Die österreichische Leistungsbilanz wies im Berichtszeitraum Jänner bis September 2000 ein Defizit in Höhe von -4,47 Mrd Euro (-61,5 Mrd S) auf; gegenüber der gleichen Periode 1999 war das Leistungsbilanzdefizit damit um 1,29 Mrd Euro höher. Die Entwicklung der letzten drei Berichtsmonate zeigt im Vorjahresvergleich - entgegen der Tendenz im 1. Halbjahr 2000 - eine Entspannung in der Zunahme des Leistungsbilanzdefizits.
Der Saldo der Warenzahlungen zeigte in der Periode Jänner bis September 2000 ein um 1,57 Mrd Euro höheres Defizit von 5,81 Mrd Euro. Die Zahlungen für Warenexporte stiegen mit +17 % etwas weniger stark als die Importzahlungen mit +19 %. Quartalsweise betrachtet zeigten sowohl die Exporte als auch die Importe im 3. Quartal ein etwas abgeschwächtes Wachstum. Österreichs Exporteure profitieren nach wie vor vom Eurokurs und der ausgezeichneten Lage der Weltwirtschaft. Der niedrige Wechselkurs und der hohe Rohölpreis hatten jedoch einen noch stärkeren Anstieg der Ausgaben für Importe zur Folge.
Die Dienstleistungsbilanz zeigte in den ersten neun Monaten 2000 ein Aktivum von 3,35 Mrd Euro gegenüber 3,48 Mrd Euro im entsprechenden Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Reiseverkehr als eine der wichtigsten Komponenten wies einen um 273 Mio. Euro geringeren Überschuss auf; die Reiseverkehrsausgaben der Österreicher im Ausland wuchsen mit 8 % deutlich stärker als die Reiseverkehrseinnahmen mit 3 %.
Das Nettodefizit in der Einkommensbilanz lag mit 0,65 Mrd Euro unter demjenigen der Vergleichsperiode des Vorjahres (0,84 Mrd Euro). Die höheren Nettoabflüsse aus Direktinvestitionseinkommen wurden durch die positive Entwicklung der Einkommen aus Sonstigem (Nettozuflüsse nach dem im Vergleichszeitraum 1999 Nettoabflüsse verzeichnet worden waren) sowie niedrigere Nettozahlungen für Einkommen aus Portfolioinvestitionen mehr als kompensiert.
Das Defizit der Laufenden Transfers war mit 1,36 Mrd Euro etwas geringer als in der Vergleichsperiode des Vorjahres (1,55 Mrd Euro), jenes der Vermögensübertragungen mit 0,26 Mrd Euro höher (Vergleichswert 1999: 0,12 Mrd Euro).
Die Kapitalbilanz schloss im Berichtszeitraum mit einem im Vergleich zu den ersten neun Monaten 1999 höheren Nettokapitalimport. Für diese Entwicklung war vor allem die Drehung bei den Portfolioinvestitionen von einem Nettokapitalabfluss von 1,87 Mrd Euro (1-9/1999) auf einen Nettokapitalzufluss von 1,12 Mrd Euro (1-9/2000) bestimmend.
Ausländische Anleger erwarben um 6,85 Mrd Euro mehr inländische Wertpapiere im Ausmaß von 24,89 Mrd Euro, wobei es sich zu einem wesentlichen Teil um langfristige festverzinsliche Wertpapiere handelte. Die Veranlagungen von Österreichern in ausländischen Wertpapieren nahmen um 3,86 Mrd Euro auf 23,76 Mrd Euro zu, mit einem Anstieg der Veranlagungen in Anteils- und Geldmarktpapieren.
Die Direktinvestitionen des Auslands in Österreich waren im Berichtszeitraum mit 1,85 Mrd Euro um 0,74 Mrd Euro höher als in der Vergleichsperiode 1999, die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland mit 2,13 Mrd Euro um 0,21 Mrd Euro.
Die Kapitalströme unter dem Titel Sonstige Investitionen (überwiegend das Ergebnis der grenzüberschreitenden Einlagen- und Kreditbewegungen des Bankensystems) ergaben mit 3,35 Mrd Euro einen etwas geringeren Nettokapitalimport als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (4,62 Mrd Euro).
Die Finanzderivate schlossen mit einem Nettokapitalimport von 0,21 Mrd Euro gegenüber einem Nettokapitalexport in Höhe von 0,38 Mrd Euro.
Die offiziellen Währungsreserven nahmen in der Berichtsperiode um 0,26 Mrd Euro ab gegenüber 1,76 Mrd Euro in der entsprechenden Vergleichsperiode des Vorjahres.
| Zahlungsbilanzdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| in Mrd EUR | ||||
| September | Jänner bis September | |||
| 1999 | 2000 | 1999 | 2000 | |
| Leistungsbilanz | −0,81 | −0,21 | −3,18 | −4,47 |
| Warenzahlungen | −0,72 | −0,48 | −4,24 | −5,81 |
| Eingänge | 5,18 | 6,92 | 47,48 | 55,58 |
| Ausgänge | 5,89 | 7,40 | 51,71 | 61,39 |
| Dienstleistungen | 0,14 | 0,26 | 3,48 | 3,35 |
| Eingänge | 1,72 | 2,15 | 17,00 | 18,20 |
| Ausgänge | 1,59 | 1,89 | 13,52 | 14,86 |
| hievon: Reiseverkehr | −0,02 | −0,10 | 1,78 | 1,51 |
| Eingänge | 0,84 | 0,90 | 8,40 | 8,66 |
| Ausgänge | 0,86 | 1,00 | 6,62 | 7,15 |
| Einkommen | −0,01 | 0,10 | −0,88 | −0,65 |
| Eingänge | 0,63 | 1,06 | 6,42 | 8,63 |
| Ausgänge | 0,64 | 0,96 | 7,31 | 9,27 |
| Laufende Transfers | −0,23 | −0,09 | −1,55 | −1,36 |
| Eingänge | 0,17 | 0,21 | 1,85 | 2,03 |
| Ausgänge | 0,40 | 0,30 | 3,40 | 3,39 |
| Vermögensübertragungen | −0,01 | −0,08 | −0,12 | −0,26 |
| Kapitalbilanz | 2,68 | 1,07 | 3,37 | 4,66 |
| Direktinvestitionen | −0,12 | −0,29 | −0,81 | −0,28 |
| Portfolioinvestitionen | 1,20 | 1,29 | −1,87 | 1,12 |
| Sonstige Investitionen | 2,10 | −0,25 | 4,62 | 3,35 |
| Finanzderivate | −0,08 | 0,26 | −0,34 | 0,21 |
| Offizielle Währungsreserven1) | −0,41 | 0,06 | 1,76 | 0,26 |
| Statistische Differenz | −1,87 | −0,78 | −0,07 | 0,07 |
| 1) Zunahme: −; Abnahme:+. Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben | ||||
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