Presseaussendung


Die österreichische Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 2000

(Transaktionsbilanz)

Wien, 16. 1. 2001



Die österreichische Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis zeigte in den ersten drei Quartalen 2000 mit - 4,81 Mrd. Euro (- 66 Mrd. S) ein um 0,90 Mrd. Euro (12 ½ Mrd. S) höheres Defizit als im Vergleichszeitraum 1999. Der Anstieg des Passivums resultierte aus der Erhöhung des Defizits der Teilbilanz Güter und Dienstleistungen von 0,32 Mrd. Euro auf 1,63 Mrd. Euro. Im Jahresverlauf 2000 zeichnete sich allerdings eine Abschwächung in der Zunahme des Leistungsbilanzdefizits ab wie bereits der aus den Cashbilanzen ablesbare Trend gezeigt hatte. Strukturell betrachtet entfiel im Berichtszeitraum jeweils rund ein Drittel auf die Teilbilanzen Güter und Dienstleistungen, Einkommen sowie Laufende Transfers.

Für den gesamten Euroraum zeigen die vorläufigen Ergebnisse ebenfalls ein im Vorjahresvergleich zunehmendes Passivum der Leistungsbilanz, das überwiegend auf das schlechtere Ergebnis der Güter- und Dienstleistungsbilanz zurückzuführen ist.

Die österreichischen Güter- und Dienstleistungsimporte wuchsen im Berichtszeitraum mit einer Zunahme von 14,4 % (9,41 Mrd. Euro) noch stärker als die Güter- und Dienstleistungsexporte, deren Wachstum mit 12,4 %  (8,10 Mrd. Euro) allerdings auch sehr hoch war. Diese dynamische Entwicklung ist auf die gute konjunkturelle Entwicklung im gesamten Euroraum zurückzuführen, wobei der Anstieg der Importe insbesondere im ersten Halbjahr 2000 zusätzlich durch Preiseffekte – resultierend aus dem US$-Kursanstieg und höheren Rohölpreisen – verstärkt wurde. Nach dem Wegfall des im ersten Halbjahr 2000 gegebenen Basiseffekts aus dem Rohölpreisanstieg haben sich seither die Importzuwachsraten abgeschwächt.

Der Reiseverkehr als eine der wichtigsten Komponenten der Güter- und Dienstleistungen wies im Vorjahresvergleich einen um 0,26 Mrd. Euro geringeren Überschuss auf; die Reiseverkehrsausgaben der Österreicher im Ausland wuchsen mit 10 % deutlich stärker als die Reiseverkehrseinnahmen mit 5 %. 

Das im Jahr 1999 stark angewachsene Defizit in der Teilbilanz Einkommen reduzierte sich im Berichtszeitraum um 0,24 Mrd. Euro auf - 1,79 Mrd. Euro. Stärkste Einflussgröße für diese Entwicklung waren vor allem die um 0,13 Mrd. Euro höheren Nettozuflüsse der Einkommen aus Sonstigen Investitionen. Auch die Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen verbesserten sich. Die Einkommen der inländischen Investoren aus Portfolioinvestitionen betrugen im Berichtszeitraum 3,31 Mrd. Euro nach 2,29 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1999; dies spiegelt den 1999 erfolgten starken Aufbau der inländischen Portefeuilles mit ausländischen Wertpapieren wider. Der gleichzeitig zu beobachtende Anstieg der Wertpapiereinkünfte ausländischer Anleger, eine Folge des guten Absatzes österreichischer Wertpapiere im Ausland, war vergleichsweise etwas geringer (+0,97 Mrd. Euro auf 5,23 Mrd. Euro).

Der negative Saldo aus laufenden Transfers war mit –1,39 Mrd. Euro wegen geringerer Nettoabflüsse aus öffentlichen und aus privaten Transfers ebenfalls etwas niedriger als in den ersten drei Quartalen 1999.

Die Vermögensübertragungen wiesen einen Nettowert in Höhe von -0,28 Mrd. Euro auf gegenüber –0,21 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 1999.

Die Kapitalbilanz war wie schon in den Vorquartalen im Wesentlichen durch die Nettokapitalzuflüsse aus Portfolioinvestitionen bestimmt. Nettokapitalexporte ergaben sich in den Teilbilanzen Sonstige Investitionen und - wenn auch in weit geringerem Ausmaß - Direktinvestitionen.

Der Saldo der Portfolioinvestitionen drehte von Nettokapitalabflüssen von 1,95 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 1999 auf Nettokapitalzuflüsse von 5,86 Mrd. Euro im Berichtszeitraum. Ausländische Anleger erwarben mit 28,87 Mrd. Euro ein um nahezu 10 Mrd. Euro höheres Volumen an inländischen Wertpapieren. Insbesondere wurden wesentlich mehr österreichische Rentenwertpapiere nachgefragt. 

Dagegen waren die Kapitalabflüsse aus dem Erwerb von ausländischen Wertpapieren nur mäßig höher (23,02 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 2000 gegenüber 21,36 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum). Während die Käufe von ausländischen Anteilspapieren und Geldmarktpapieren durch österreichische Anleger stark anstiegen, nahm das Interesse für ausländische langfristige festverzinsliche Wertpapiere deutlich ab.

In der Teilbilanz Direktinvestitionen ergab sich erstmals seit 1993 ein Nettokapitalabfluss (- 0,10 Mrd. Euro). Der Kapitalexport aus österreichischen Direktinvestitionen ins Ausland erhöhte sich um 0,51 Mrd.  auf 2,64 Mrd. Euro, der Kapitalzufluss aus ausländischen Direktinvestitionen nach Österreich um 0,16 Mrd. Euro auf 2,54 Mrd. Euro. 

Die sonstigen Investitionen drehten von einem Nettokapitalimport von 4,21 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 1999 auf einen Nettokapitalexport in Höhe von 1,48 Mrd. Euro in der Berichtsperiode. Bei weiterhin generell sehr hohen Umsätzen bestimmten insbesondere die Transaktionen des Bankensystems in Form von Sicht- und Termineinlagen das Ergebnis.

Eine ausführlichere Beschreibung der Entwicklung der österreichischen Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 2000 wird in "Berichte und Studien 1/2001" publiziert.


Quartalsweise Transaktionenbilanz
in Mrd EUR
 
 1. bis 3. Quartal
19992000
CreditDebetNettoCreditDebetNetto
 
Leistungsbilanz73,977,8−3,984,489,2−4,8
Güter, Dienstleistungen und Einkommen 72,174,4−2,482,485,8−3,4
Güter und Dienstleistungen 65,365,6−0,373,475,0−1,6
Güter43,946,8−2,950,853,1−2,3
Dienstleistungen21,418,82,622,621,90,7
Reiseverkehr8,36,51,78,77,21,5
Andere Dienstleistungspositionen13,112,30,913,914,7−0,8
  hievon:      
 NAL4,25,2−1,13,86,9−3,1
 Transport3,02,01,03,52,41,1
 Personentransport1,10,60,51,20,60,6
 Bauleistungen0,40,20,20,40,20,2
 Finanzdienstleistungen0,60,50,11,01,00,1
Patente und Lizenzen 0,10,4−0,40,10,3−0,2
Sonstige unternehmensbezogene DL3,42,51,03,62,61,0
Transithandelserträge0,80,00,80,90,00,9
Restliche Dienstleistungen 1,51,40,01,51,40,1
Einkommen6,88,8−2,09,110,9−1,8
Laufende Transfers 1,93,4−1,62,03,4−1,4
 
Vermögensübertragungen und Kapitalbilanz  4,4  4,6
Vermögensübertragungen0,40,6−0,20,30,6−0,3
Kapitalbilanz   4,6  4,9
Direktinvestitionen  0,2   −0,1
 im Ausland5,57,6−2,11,34,0−2,6
 in Österreich4,11,72,43,51,02,5
Portfolioinvestitionen  −2,0  5,9
 ausländische Wertpapiere  −21,4  −23,0
 österreichische Wertpapiere  19,4  28,9
Sonstige Investitionen   4,2  −1,5
 Forderungen  −8,2  −16,2
 Verpflichtungen  12,5  14,7
Finanzderivate  0,3  0,4
 Forderungen  0,2  0,3
 Verpflichtungen  0,0  0,0
Offizielle Währungsreserven1  1,9  0,3
Statistische Differenz   −0,5  0,2
 


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