Presseaussendung


Die österreichische Zahlungsbilanz in den Monaten Jänner bis Dezember 2000

(auf Basis von Zahlungsströmen; "Cash-Basis")

Wien, 20. 2. 2001



Um eine zeitnahe Information zur Verfügung zu stellen, veröffentlicht die OeNB monatlich aktuelle Trends der österreichischen Zahlungsbilanz jeweils ca. 6 Wochen nach Ende des Berichtsmonats. Über die zwölf Monate 2000 kumuliert wies die österreichische Leistungsbilanz auf dieser Basis mit 5 ½ Mrd Euro (76 Mrd S) ein um 1 ½ Mrd Euro (20 ½ Mrd S) höheres Defizit auf als im Vergleichszeitraum 1999. 

Bei der vorliegenden Cash-Bilanz für die zwölf Monate 2000 handelt es sich um eine aktuelle, dafür aber grob gegliederte Statistik, die zum Großteil auf Zahlungsströmen beruht. Ein detailliertes Ergebnis für das Jahr 2000, das auf Transaktionen beruht, wird im April d.J. zur Verfügung stehen und im Rahmen der Zahlungsbilanz-Pressekonferenz am 24. April 2001 vorgestellt werden. Zur Ermittlung dieses Jahresergebnisses auf Transaktionsbasis muss die nun vorliegende Zahlungsbilanz auf Cash-Basis um wichtige Komponenten ergänzt bzw. in Teilbereichen adaptiert werden (wie z. B. Berücksichtigung der Außenhandelsdaten der Statistik Austria; Ergänzung um die Veränderung der Handelskredite und die angefallenenen Zinsen aus Direkt- und Portfolioinvestitionen). Es ist daher - wie schon in den Vorjahren – mit Abweichungen vom Cash-Ergebnis zu rechnen.

Durch das nun vorliegende 12. Monatsergebnis werden die in den Vormonaten festgestellten Trends bestätigt: Das Ergebnis der Leistungsbilanz wurde durch die Zunahme des Defizits aus Waren- und Dienstleistungszahlungen bestimmt, die übrigen Teilbilanzsalden zeigten dagegen nur geringe Veränderungen. Im Detail entwickelten sich die einzelnen Teilbilanzen wie folgt:

Die aggregierten Zahlungsströme für Waren und Dienstleistungen ergaben für den Berichtszeitraum ein um 1,75 Mrd Euro auf rund 3 Mrd Euro gestiegenes Defizit. Im gesamten Jahresverlauf 2000 waren zweistellige Zuwachsraten im Waren- und Dienstleistungsverkehr zu verzeichnen (1-12/2000: Waren- und Dienstleistungsexporte +15%, Waren- und Dienstleistungsimporte +16%), wobei dafür die gute konjunkturelle Situation, zusätzlich aber auch die auf die Importzahlungen wirkenden Preis- und Wechselkurseffekte maßgeblich waren. 

Die Teilbilanz Einkommen schloss wenig verändert im Vergleich zu 1999 mit einem Nettoabfluss von nicht ganz 1 Mrd Euro. Hiebei stand einem geringeren Nettoabfluss der Einkommen aus Portfolioinvestitionen sowie einem gestiegenen positiven Saldo der Einkommen aus sonstigen Investitionen ein höherer Nettoabfluss der Einkommen aus Direktinvestitionen gegenüber.

Das Defizit der Laufenden Transfers war von Jänner bis Dezember 2000 etwas geringer als im Vergleichszeitraum, jenes der Vermögensübertragungen  geringfügig höher.

Die Kapitalbilanz zeigte in den vergangenen Monaten bis inklusive November 2000 als wesentlichste Entwicklung hohe Nettokapitalzuflüsse in der Teilbilanz Portfolioinvestitionen. Das im Dezember 2000 völlig veränderte Bild ist durch die Fusion der Bank Austria mit der deutschen HypoVereinsbank bestimmt. Die Abwicklung der Fusion findet in den Teilbilanzen Direktinvestitionen (Direktinvestition der HypoVereinsbank in Österreich) und Portfolioinvestitionen (der Aktientausch bildet sich als Erwerb von ausländischen Anteilspapieren ab) ihren Niederschlag.

Die Summe über die zwölf Monate lässt bei den Portfolioinvestitionen beobachten, dass sehr hohe Volumina in beide Richtungen bewegt wurden (je rund 27 Mrd Euro), mit Nettokapitalexporten in Höhe von 0,30 Mrd EUR als Ergebnis.

Die in beiden Richtungen lebhafte Direktinvestitionstätigkeit ergab in der Berichtsperiode Direktinvestitionen der Österreicher im Ausland in Höhe von 3 Mrd. Euro und der ausländischen Investoren in Österreich in Höhe von 9 Mrd. Euro (darin enthalten die erwähnte Beteiligung der HypoVereinsbank bei der Bank Austria). 

Die Kapitalströme unter dem Titel Sonstige Investitionen  (überwiegend das Ergebnis der grenzüberschreitenden Einlagen- und Kreditbewegungen des Bankensystems) ergaben einen Nettokapitalexport von 1 Mrd Euro gegenüber einem Nettokapitalimport von nicht ganz 8 Mrd Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.


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