Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im Jahr 2000

Wien, 5. 3. 2001


  • Das Bilanzsummenwachstum lag im Jahr 2000 bei +7,3% nach noch +9,1% im Jahr 1999.
  • Die Direktkredite erhöhten sich um 6,7%. Der Anteil der Ausleihungen in Euro an den gesamten Ausleihungen konnte im Jahr 2000 wieder erhöht werden. Rund 61% aller Fremdwährungsausleihungen waren in Schweizer Franken denominiert, 34% in Japanischen Yen.
  • Obwohl sich die Zinsen für Spareinlagen seit Beginn des Jahres 2000 in einem Aufwärtstrend befanden, sank der Stand der Spareinlagen um 2,2%. Noch 1999 war eine Steigerung etwa im selben Ausmaß erreicht worden.   

 

Die in Österreich tätigen Kreditinstitute erzielten im Jahr 2000 einen Bilanzsummenzuwachs von 38,17 Mrd EUR oder 7,3% nach noch 43,78 Mrd EUR (9,1%) im Jahr 1999. Dieses Ergebnis ist sehr stark durch die Integration der Bank Austria in die Hypo-Vereinsbank (HVB) im November und der damit in Zusammenhang stehenden Fusion der Bank Austria mit der BA/CA-International sowie der Übertragung einiger BA-Auslandsfilialen an die HVB beeinflußt. Der Marktanteil (gemessen an der Bilanzsumme) der fünf größten Einzel-Kreditinstitute erhöhte sich gegenüber dem Dezember 1999 um 2 Prozentpunkte auf einen Wert von 45,9%. 

 

Die Nachfrage nach Direktkrediten erhöhte sich im Jahr 2000 um 14,10 Mrd EUR oder 6,7% nach 10,51 Mrd EUR (5,2%) im Jahr 1999. Dieser Zuwachs war – in absoluten Zahlen betrachtet – der höchste seit Beginn der Achtzigerjahre. Während der absolute Kreditzuwachs 1999 zu einem Großteil von den Fremdwährungsausleihungen getragen worden war, konnten im Jahr 2000 die Euro–Kredite mit einem Plus von 7,70 Mrd EUR (+4,3%) wieder stärker zulegen) (Fremdwährungskredite: +6,40 Mrd EUR). Die Relation Euro- zu Fremdwährungsdirektkredite betrug zum 31. Dezember 2000 rund 5 zu 1.

 

Rund 61% aller Fremdwährungsausleihungen waren in Schweizer Franken denominiert (1999: rund 73%). Seit Beginn des Jahres veränderte sich der Stand dieser Kredite nur geringfügig um 1,5%. Ausleihungen in Japanischen Yen waren im Jahr 2000 weiterhin sehr begehrt: Seit Jahresbeginn verdoppelte sich ihr Stand beinahe auf einen Betrag von 13,4 Mrd EUR. Der Anteil der JPY–Kredite an allen Fremdwährungsausleihungen belief sich daher auch mit Ende Dezember 2000 auf rund 34% nach nur rund 22% im Jahr 1999.

 

Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Krediten war auch im Jahr 2000 in den westlichen Bundesländern mit einem Prozentsatz von rund 40% mehr als doppelt so hoch wie in den östlichen Bundesländern (rund 15%). Bei Betrachtung der Zuwachsraten ist aber der Osten dabei stark aufzuholen, da hier das Verhältnis der Zuwachsraten zwischen Euro– und Fremdwährungskrediten eindeutig in Richtung Fremdwährungen tendierte.

 

Die Entwicklung der verbrieften Kredite verlief konträr zu den Direktkrediten. In diesem Segment verringerten die in Österreich tätigen Kreditinstitute ihr Portefeuille um 3,3%. Gegenüber 1999 (–7,7%) war diese Reduktion jedoch immer noch relativ gering. 

 

Im Vergleich zu 1999 (+5,14 Mrd EUR oder +3,1%) entwickelte sich der Einlagenstand mit einem Zuwachs von 3,97 Mrd EUR oder 2,3% nicht mehr so dynamisch. Die Sichteinlagen in Euro stiegen im Jahr 2000 um 14,4% und damit nur geringfügig schwächer als 1999. Auch bei den Termineinlagen in Euro konnten die Kreditinstitute im Jahr 2000 noch Zuwächse lukrieren. Obwohl sich die Zinsen für Spareinlagen seit Beginn des Jahres 2000 in einem Aufwärtstrend befanden), sank der Stand der Spareinlagen um 2,63 Mrd EUR oder 2,2% auf einen neuen Wert von 119,71 Mrd EUR. Noch 1999 war eine Steigerung etwa im selben Ausmaß erzielt worden. Offensichtlich reagierten die privaten Haushalte auf die Abschaffung der Sparbuchanonymität, indem sie Sparbücher über 500.000 ATS auflösten und einerseits in alternative Anlageformen investierten oder andererseits aber Sparkonten mit Beträgen bis zu 500.000 ATS) – wenn auch in geringerem Ausmaß – neu dotierten.

 

Die Refinanzierung der in Österreich tätigen Kreditinstitute durch eigene Emissionen gewann im Jahr 2000 mit einem Plus von 12,4% weiter an Bedeutung und betrug mit Stand Dezember bereits rund 10% der Bilanzsumme. Mit einem Zuwachs um 5,83 Mrd EUR wurden um fast 2 Mrd EUR mehr Mittel über eigene Emissionen aufgenommen als über neue Einlagen (+3,97 Mrd EUR).

 

Das Volumen der Derivativgeschäfte stieg im Jahr 2000 um 19,9% und damit nicht mehr so stark wie noch 1999. Diese Trendwende war speziell seit Mitte des Jahres zu beobachten. Mit Stand Dezember 2000 lag somit das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur Bilanzsumme bei einem Wert von rund 140%. 

 

Die in Österreich tätigen Kreditinstitute hielten per 31. Dezember 2000 Eigenmittel im Wert von 37,43 Mrd EUR. Verglichen mit dem Vorjahr konnten also die Eigenmittelbestände um 6,5% aufgestockt werden. Die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent verringerte sich aufgrund einer stärker als die Eigenmittel gestiegenen Bemessungsgrundlage) um 0,1 Prozentpunkte auf einen Wert von 13,9% – international gesehen nach wie vor ein durchaus beachtlicher Wert. Die gesamten Eigenmittel bestanden zu rund zwei Dritteln aus dem 

Kernkapital. Die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme) sank geringfügig um 0,3 Prozentpunkte auf 42,8%. Der Wertberichtigungsbedarf der österreichischen Kreditinstitute bezogen auf Kundenforderungen geht seit Jahren kontinuierlich zurück und erreichte im Dezember 2000 mit einem Wert von knapp über 3% einen neuen Tiefststand. 



Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich
 
 Stand 2000/12Kumulative Veränderung2)
20001999
in Mrd EUR in Mrd EUR in % in Mrd EUR in % 
 
Einlagen v. inl. Nichtbanken175,78+3,97+2,30+5,14+3,10
Eig. inl. Emissionen an Nichtbanken (EUR u. FW)52,84+5,83+12,40+5,11+12,20
Geldkapitalbildung v. inl. Nichtbanken (EUR u. FW)228,62+9,80+4,50+10,26+4,90
Direktkredite an inl. Nichtbanken224,90+14,10+6,70 +10,51+5,20
- EUR-Direktkredite 185,44+7,70+4,30  
- Fremdwährungs-Direktkredite39,45+6,40+19,40  
Titrierte Kredite an inländ. Nichtbanken (EUR u. FW)24,42−0,83−3,30−2,10−7,70
Gesamtkredite an inländ. Nichtbanken (EUR u. FW)249,31+13,27+5,60+8,41+3,70
Auslandsaktiva157,79+26,47 +20,20+20,58+18,60
Auslandspassiva174,08+26,84+18,20 +20,31+16,00
Bilanzsumme562,80+38,17+7,30+43,78+9,10
Nicht bilanzwirksame Geschäfte836,85+134,67+19,18+223,58+45,92
hievon besondere außerbilanzmäßige Finanzgesch.786,98+130,54+19,89+222,32+51,21
Eigenmittel absolut37,43+2,27+6,50+1,94+5,80 
Eigenmittel in % der Bemessungsgrundlage1)13,85