Presseaussendung


OeNB veranstaltet Banken-Workshops zum Thema „Settlement Risiko“

Wien, 9. 4. 2001


Die Oesterreichische Nationalbank bemüht sich um einen gut funktionierenden, effizienten und sicheren österreichischen Finanzplatz. Wie die internationale Diskussion zeigt, ist eine intensive Beschäftigung mit Risikopotentialen im Bankbereich zunehmend wichtig.

 

In diesem Sinne hat die OeNB zwei Workshops zum Thema „Settlement Risiko“ veranstaltet. Damit wurde sowohl den großen als auch den mittelgroßen österreichischen Banken seitens der OeNB eine neutrale Informations- und Diskussionsplattform geboten. Nach Impulsreferaten externer Experten wurden wesentliche Inhalte zum Settlement Risiko im Rahmen gemeinsamer Workshops erarbeitet. Schwerpunkte waren die interne Organisation, die Risikomessung, die Systemauswahl und der Automatisierungsgrad.

 

Im Zusammenhang mit der internen Organisation von Treasury-Geschäften ist die wesentliche Rolle des Schnittstellen­managements zwischen den beteiligten Abteilungen Handel, Back Office und Risikomanagement unbestritten. Die Palette von möglichen Strukturierungsformen reicht von einer engen inhaltlichen und organisatorischen Zusammenarbeit bis zu einer Trennung der einzelnen Bereiche entsprechend den deutschen Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften (MaH). Auch die Idee des Out-sourcing von Aktivitäten wurde von den Teilnehmern einer kritischen Prüfung unterzogen.

 

Die Risiken bei der Abwicklung von Treasury-Geschäften sollen möglichst gering gehalten werden, daher gewinnt die Risikomessung zunehmend an Bedeutung. Die Messung des operationellen Risikos ist aber erst im Aufbau begriffen. Seitens der Banken wurden Abwicklungs­probleme mit der Gegenpartei als ein wesentlicher Risikofaktor genannt. Die häufigsten Fehlerquellen ergeben sich aus einer mangelhaften Datenqualität, unzureichender Kommunikation sowie Fehleingaben bei der Geschäftserfassung.

 

Bei der Auswahl von Zahlungssystemen spielen für die Banken besonders allgemeine Kosten-Nutzen-Überlegungen, die Möglichkeiten der Liquiditätssteuerung und die Qualität bzw. Flexibilität des Anbieters eine wesentliche Rolle. Ein aktuelles Thema ist das geplante Continuous-Linked-System (CLS) der CLS-Bank, das als Nettingsystem konzipiert ist und zu einer Eliminierung des Erfüllungsrisikos bei der Abwicklung von FX-Kassageschäften führen wird. Der Anschluss an dieses System wird für kleinere und mittelgroße Banken nur als sog. Drittpartei über einen „Global Player“ möglich sein. Zahlreiche Fragen, wie z. B. die technischen Umstellungskosten, die Kostenstruktur oder die Möglichkeiten eines Wechsels zu einem neuen Partner müssen bei der Beurteilung berücksichtigt werden.

 

Die Automatisierung der Abwicklung ("Straight Through Processing" – STP) hat besonders bei der Verarbeitung großer Stückzahlen eine Bedeutung, da Kostendegressionseffekte möglich sind. Eine entsprechende IT-Architektur sowie eine gesicherte Datenqualität sind notwendig. Bei standardisierten Produkten, wie Kassageschäften, Standardoptionen und Geldmarktprodukten wird daher oft ein Automatisierungsgrad von 80 bis 100% erreicht. Hingegen hat die Automatisierung bei komplexeren Derivaten, wie z. B. exotischen Optionen, sowie Repos wegen der kleineren Volumina eine geringere Bedeutung.

 

Die Veranstaltung fand als Serviceleistung der Oesterreichischen Nationalbank für den österreichischen Bankensektor statt und konnte einen wesentlichen Beitrag leisten, das Know How im Risikomanagement zu verbessern, die Systemsicherheit der Märkte zu erhöhen und damit den Finanzplatz Österreich zu stärken.