Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im ersten Quartal 2001

Wien, 30. 5. 2001


  • Die Bilanzsumme der Kreditinstitute erhöhte sich seit Beginn des Jahres um 1,7% gegenüber +4,3% im Vergleichszeitraum des Vorjahres.  
  • Die Direktkredite reduzierten sich um 0,6%. Der Rückgang resultierte hauptsächlich aus der im Vergleich zum Vorjahr geringeren Zuwachsrate bei den Fremdwährungskrediten.  
  • Trotz sinkender Zinsen stiegen die Spareinlagen um 0,5%.  

 

Die ersten drei Monate des Jahres 2001 verliefen für die in Österreich tätigen Kreditinstitute hinsichtlich der Bilanzsummenentwicklung nicht mehr ganz so dynamisch wie noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres: Nach einem Wachstum von 22,49 Mrd EUR bzw. 4,3% in den ersten drei Monaten des Vorjahres betrug der Bilanzsummenanstieg seit Beginn 2001 nur noch 9,69 Mrd EUR oder 1,7%. 

 

Nachdem die Kreditinstitute im Bereich der Direktkredite im Vorjahr noch große Zuwächse verzeichnen konnten, nahmen diese seit Beginn des Jahres 2001 bereits um 1,28 Mrd EUR (-0,6%) ab. Der Rückgang war hauptsächlich durch die geringe Zuwachsrate bei den Fremdwährungskrediten bedingt, welche sich von 3,58 Mrd EUR (+10,8%) im Vorjahr auf 0,05 Mrd EUR (+0,1%) reduzierten. Die in Euro vergebenen Kredite sanken hingegen nicht mehr so stark wie im Vergleichsquartal 2000. Offensichtlich herrschte eine geringere Nachfrage nach Fremdwährungskrediten bzw. konnte die starke Abnahme der Eurokredite unter anderem aufgrund sinkender Kreditzinsen etwas gebremst werden. Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Direktkrediten lag im März 2001 bei 17,7% nach noch 21,3% zum Jahresende 2000.

 

Rund 58% aller Fremdwährungsausleihungen waren im März 2001 in Schweizer Franken denominiert – 3 Prozentpunkte weniger als noch zu Jahresende 2000. Seit Beginn des Jahres reduzierten sich die CHF–Ausleihungen um 4,0%, während sie noch in der Vergleichsperiode des Vorjahres etwa im selben Ausmaß gestiegen waren. Wenn auch die extrem hohen Zuwachsraten des Vorjahres bei den Ausleihungen in Japanischen Yen nicht mehr erreicht werden konnten, so stiegen diese seit Beginn des Jahres immerhin noch um 6,4%. Der Anteil der JPY–Kredite an allen Fremdwährungsausleihungen belief sich im März 2001 auf 36% und ist kontinuierlich im Steigen begriffen. Mit Stand Dezember 20001) lag der Anteil Österreichs an den gesamten im Euroraum aushaftenden Ausleihungen bei 3,2%. Der Anteil an den CHF–Krediten betrug hingegen 32,8% nach noch 37,8% im Dezember 1999. Im selben Zeitraum erhöhte sich aber der Anteil Österreichs an den JPY–Krediten im Euroraum von 24,7% auf 32,1%. 

 

Nach wie vor bestanden auch die schon öfter erwähnten regionalen Unterschiede in der Verteilung der Fremdwährungskredite: So lag ihr Anteil an den gesamten Direktkrediten in den östlichen Bundesländern2) bei rund 14%, wogegen sie in den westlichen Bundesländern einen Anteil von rund 31% erreichten.

 

Anders als die Direktkredite wuchsen die verbrieften Kredite seit Jahresbeginn um 0,36 Mrd EUR (+1,5%) – verglichen mit dem Vorjahr (+1,13 Mrd EUR bzw. +4,5%) allerdings in deutlich abgeschwächter Form. 

 

Der Stand der Einlagen stieg seit Jahresbeginn um 3,22 Mrd EUR (+1,8%) und damit stärker als in der Vergleichsperiode des Vorjahres (+2,70 Mrd EUR bzw. +1,6%). Während die Sichteinlagen, zu denen auch die Gehalts– und Pensionskonten zählen, im Vergleichszeitraum 2000 noch um 1,06 Mrd EUR (+3,4%) gestiegen waren, stagnierten sie im ersten Quartal 2001. Das Wachstum der Termineinlagen in Euro – das sind hauptsächlich nicht verbriefte Gelder, für die eine Bindungsfrist vereinbart wurde – war im ersten Quartal 2001 ähnlich stark wie im Vorjahr (+2,80 Mrd EUR oder +15,3%). Das Volumen der Spareinlagen in Euro wuchs seit Beginn 2001 bereits um 0,65 Mrd EUR (+0,5%). Noch in der Vergleichsperiode 2000 waren die Bestände um 0,81 Mrd EUR (–0,7%) gesunken. Dies ist umso bemerkenswerter, als eine rückläufige Zinsentwicklung bei den Spareinlagen festzustellen war. Offensichtlich schichteten viele Anleger ihr Vermögen – trotz der Abschaffung der Sparbuchanonymität – aufgrund des derzeit sehr volatilen Kapitalmarktes wieder in risikoärmere Anlageformen um.



Dagegen gewann die Refinanzierung der österreichischen Kreditinstitute durch eigene Emissionen im Inland auch im ersten Quartal 2001 weiter an Bedeutung und betrug bereits rund 10% der Bilanzsumme. 

 

In den letzten Jahren gewann das Geschäft mit dem Ausland – unter anderem auch wegen der stetig wachsenden Auslandsverflechtung der Kreditinstitute – zunehmend an Bedeutung. Auch im ersten Quartal 2001 war das Auslandsgeschäft sowohl aktiv- als auch passivseitig hauptverantwortlich für das Bilanzsummenwachstum. Dennoch reduzierte sich der Zuwachs der Auslandsforderungen von 14,19 Mrd EUR (+10,8%) im Vorjahr auf 5,41 Mrd EUR (+3,4%). Auf der Passivseite verlief die Entwicklung des Auslandsgeschäftes ähnlich.

 

Das Volumen der Derivativgeschäfte wuchs im ersten Quartal 2001 um 80,42 Mrd EUR (+10,2%) und somit nicht mehr so stark wie noch in der Vergleichsperiode des Vorjahres (+96,83 Mrd EUR bzw. +14,8%). Mit Stand März 2001 lag somit das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur Bilanzsumme bei 151,5%. 

 

Ende März 2001 hielten die in Österreich tätigen Kreditinstitute 39,46 Mrd EUR an Eigenmittel; das waren um 2,03 Mrd EUR (+5,4%) mehr als noch zu Beginn des Jahres. In der Vergleichsperiode des Vorjahres wuchs der Eigenmittelbestand nur um 1,25 Mrd EUR (+3,5%). Die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage erhöhte sich seit Jahresbeginn um 0,6 Prozentpunkte auf 14,4%. Die Mindestausstattung liegt laut Bankwesengesetz bei 8%. Etwas mehr als zwei Drittel der Eigenmittel (26,24 Mrd EUR) bestand aus dem Kernkapital, das seit Jänner um 1,59 Mrd EUR gestiegen ist. 

 

Die risikogewichteten Aktiva) wuchsen mit einem Plus von 6,75 Mrd EUR (+2,8%) prozentmäßig stärker als die Bilanzsumme (+1,7%). Der Wertberichtigungsbedarf bezogen auf Kundenforderungen steigerte sich seit Beginn des Jahres von 3,01% auf 3,38%.



Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich
 
 StandKumulative Veränderung 
2001/032001 2000 
in Mrd EUR in Mrd EURin % in Mrd EUR in % 
 
Einlagen v. inl. Nichtbanken 178,99 +3,22 +1,8 +2,70 +1,6 
Eig. inl. Emissionen an Nichtbanken (EUR u. FW) 54,48+2,14 +4,1 +1,32 +2,8 
Geldkapitalbildung v. inl. Nichtbanken (EUR u. FW) 233,48 +5,36 +2,3 +4,02 +1,8 
Direktkredite an inl. Nichtbanken 223,62 −1,28 −0,6 +1,05 +0,5 
  EUR-Direktkredite 184,11 −1,33 −0,7 −2,53 −1,4
  Fremdwährungs-Direktkredite 39,50 +0,05 +0,1 +3,58 +10,8 
Titrierte Kredite an inländ. Nichtbanken (EUR u. FW) 24,78 +0,36 +1,5 +1,13 +4,5 
Gesamtkredite an inländ. Nichtbanken (EUR u. FW) 248,39 −0,92 −0,4 +2,18 +0,9 
Auslandsaktiva 163,21+5,41 +3,4 +14,19 +10,8 
Auslandspassiva 178,91 +4,32 +2,5 +15,31 +10,4 
Bilanzsumme 572,39 +9,69 +1,7 +22,49 +4,3 
Nicht bilanzwirksame Geschäfte 918,13 +81,28 +9,7 +101,01 +14,4 
  hievon besondere außerbilanzmäßige Finanzgesch. 867,40 +80,42 +10,2 +96,83 +14,8 
Eigenmittel absolut 39,46 +2,03+5,4 +1,25 +3,5 
Eigenmittel in % der Bemessungsgrundlage1)14,42     
 


1) Bei Redaktionsschluss lagen noch keine März-Daten vor.

2) Als östliche Bundesländer wurden Niederösterreich und das Burgenland definiert. Wien wurde aus Gründen der Transparenz nicht berücksichtigt. Die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurden als "Österreich West" eingestuft.