In seiner Rede auf dem jährlich stattfindenden und hochkarätig besetzten Wirtschaftsforum in Alpbach urgiert Dr. Wolfgang Duchatczek, Direktor der OeNB, die internationale Konkurrenzfähigkeit des österreichischen Finanzsektors.
In Anbetracht der bevorstehenden Euro-Bargeld-Einführung wird von Seiten der Europäischen Kommission und verschiedenen Institutionen der Konsumentenvertretung eine drastische Kostenreduktion des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs gefordert. Dagegen steht jedoch das Festhalten an den bestehenden – aufgrund der gewachsenen Strukturen in der Zahlungsabwicklung unterschiedlichen – Systemen der einzelnen Länder. „Aber es gibt noch andere Faktoren, die das Geschäftsleben der österreichischen Banken erschweren“, zeigte sich Dr. Duchatczek besorgt. Einerseits die durch die Europäische Union veränderten Rahmenbedingungen (Verschärfung des Wettbewerbs aufgrund der Einführung der gemeinsamen Währung, Richtlinien betreffend des Zahlungsverkehrs), andererseits der Rückgang der Erträge bei gleichzeitig steigenden Investitionen aufgrund immer anspruchsvolleren Technologieanforderungen (eBanking, ePayment, eCommerce) oder Investitionen zur Entwicklung von effizienten Zahlungsverkehrs-Systemen auf Basis internationaler Standards. Hinzu kommt der steigende Wettbewerb im Bereich der Kernkompetenzen der Banken durch Unternehmen, die nicht dem Bankensektor zuzurechnen sind: Telekommunikationsunternehmen, Versicherungsunternehmen, große Handelsunternehmen.„Um diesen Anforderungen erfolgreich begegnen zu können“, betonte Dr. Duchatczek, „sei es notwendig, in der heimischen Wirtschaft Kräfte zu mobilisieren, um Synergien zu finden und Strategien zu entwickeln, welche die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.“ Denn die Sicherheit und Effizienz der Zahlungsverkehrssysteme ist für die Stabilität des Finanzsystems bedeutsam – und somit im Hauptaugenmerk der Oesterreichischen Nationalbank. Nur durch strategische Kooperationen können die Markterfordernisse wie Kostenreduktion bei gleichzeitigen Investitionen in hochqualitativer Technologie zur Absicherung des Zahlungsverkehrs erreicht werden. Österreich ist in diesem Zusammenhang als – im Vergleich zu anderen europäischen Staaten – kleines Land in einem besonderem Maß gefordert, da nachhaltige Kostenreduktionen nur durch Kooperationen aller beteiligten Marktteilnehmer erzielt werden können. Ein Beispiel für solch ein Kooperationsmodell ist die momentane Bemühung des Bankensektors gemeinsam mit der OeNB, ein bisher bewährtes System, die APSS (Austrian Payment and Systems Services), an die neuen Gegebenheiten anzupassen, damit deren Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext gesichert werden kann.Die Logik der Neupositionierung der APSS, welche die Abwicklung von Zahlungsflüssen für Bankomat- und Kreditkarten durchführt, ist schlüssig und einfach: Neutrale Plattformen können von allen Marktteilnehmern genutzt werden. Größere Einheiten verbilligen wiederum den Preis für den einzelnen Vorgang – das System wird kostengünstiger. Dies führt zu einer Dynamisierung des gesamten Sektors mit dem Ergebnis innovativer und moderner Zahlungsverkehrsdienstleistungen und –infrastrukturen. Dazu bedarf es der Mitwirkung aller Banken und der Bündelung aller Kräfte. Der Nutzen liegt in der Stärkung des österreichischen Geldsektors – und damit der österreichischen Wirtschaft in der Behauptung im internationalen Kontext. Denn von einer kostengünstigeren und effizienteren Zahlungsverkehrsabwicklung profitieren Kunden wie Banken.