Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung Juni 2001. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Einzelkreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfaßt.
- Im 1. Halbjahr 2001 lag das Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute mit 2,04 Mrd EUR um -10,1% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Als Hauptgründe hierfür können sowohl Rückgänge bei den Erträgen aus Wertpapieren und Beteiligungen, dem Saldo aus Finanzgeschäften und dem Saldo aus dem Provisionsgeschäft, vor allem aber die Steigerung der Verwaltungsaufwendungen angeführt werden.
Dessen ungeachtet wird für das gesamte Geschäftsjahr 2001 der erwartete Jahresüberschuß mit 2,25 Mrd EUR um +2,0% über dem vergleichbaren Schätzwert 2000 angegeben. Es wird zwar mit einem höheren Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich gerechnet, andererseits wird aber ein sehr hoher ertragswirksamer Saldo aus der Auflösung von Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen sowie ein geringerer erwarteter außerordentlicher Aufwand gemeldet.
Das Betriebsergebnis lag im 1. Halbjahr 2001 mit 2,04 Mrd EUR um -10,1% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Damit setzt sich die bereits in den ersten 3 Monaten des Jahres 2001 beobachtete rückläufige Entwicklung des Betriebsergebnisses fort. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur Bilanzsumme betrug zum Berichtszeitpunkt 0,36% (1. Halbjahr 2000: 0,42 %).
Im ersten Halbjahr 2001 meldeten die in Österreich tätigen Kreditinstitute eine Steigerung der Betriebserträge um +0,5% auf 6,61 Mrd EUR. Gleichzeitig stiegen jedoch die Betriebsaufwendungen mit +6,2% auf einen Stand von 4,56 Mrd EUR deutlich stärker an. Daraus resultierend verschlechterte sich die cost-income-ratio um +3,7% und betrug zum Berichtszeitpunkt 69,1%. Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme reduzierten sich die Betriebserträge um -0,04%-Punkte, die Betriebsaufwendungen hingegen erhöhten sich um +0,02%-Punkte.
Der Nettozinsertrag betrug 3,37 Mrd EUR und lag mit +2,2% sichtbar über dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen konnte zum Berichtszeitpunkt um +0,8%-Punkte auf 51,0% gesteigert werden. Die Relation Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme belief sich auf 0,59% und lag nur geringfügig unter dem Wert der Vergleichsperiode 2000 (0,60%).
Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge lagen mit 14,24 Mrd EUR um +1,01 Mrd EUR bzw. +7,6% über dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen erhöhten sich demgegenüber mit +0,94 Mrd EUR bzw. +9,5% auf 10,88 Mrd EUR betragsmäßig etwas schwächer.
In den letzten 12 Monaten erhöhte sich die Verzinsung im zinsabhängigen aktivseitigen Kundengeschäft von 5,25% auf 5,56%. Im vergleichbaren Passivgeschäft stieg die Verzinsung von durchschnittlich 2,93% auf 3,29% stärker an. Infolgedessen verringerte sich die Nettozinsertragsspanne von 2,32% auf 2,27%.
Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft betrugen 0,78 Mrd EUR und reduzierten sich gegenüber dem 1. Halbjahr 2000 um -3,9%. Es konnte zwar bei den Erträgen aus Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapiere eine nennenswerte Zunahme erzielt werden, bei den Erträgen aus Anteilen an verbundenen Unternehmen mußte allerdings ein Rückgang beobachtet werden.
Nachdem der Saldo aus dem Provisionsgeschäft in den letzten Jahren stets angestiegen war, war zum Berichtstermin erstmals wieder ein Rückgang zu beobachten. Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft belief sich auf 1,57 Mrd EUR und verringerte sich gegenüber den ersten 6 Monaten des Vorjahres geringfügig um -0,01 Mrd EUR bzw. -0,7%. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Segmenten des Provisionsgeschäftes sowohl ertrags- als auch aufwandsseitig durchaus unterschiedlich ausgefallen. So konnten bei den Provisionserträgen aus dem Zahlungsverkehr, dem Kreditgeschäft und dem Devisen-, Sorten-, und Edelmetallgeschäft Anstiege erzielt werden. Bei den Provisionserträgen aus dem Wertpapiergeschäft (-0,06 Mrd EUR) mußte hingegen ein deutlicher Rückgang festgestellt werden. Das derzeitig sehr unübersichtliche Börsenumfeld hat bei zahlreichen Investoren und privaten Anlegern zur Zurückhaltung bei neuen Engagements in Fonds und Wertpapieren geführt, was sich sichtbar in den gesunkenen Provisionserträgen aus dem Wertpapiergeschäft widerspiegelt. Auch im Bereich der Provisionserträge aus dem Dienstleistungsgeschäft war in den ersten 2 Quartalen 2001 eine rückläufige Entwicklung zu beobachten. Auf Seite der Provisionsaufwendungen konnten insbesondere im Bereich des Wertpapiergeschäftes, aber auch in den Bereichen Dienstleistungsgeschäft und Zahlungsverkehr Anstiege beobachtet werden. Die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den Betriebserträgen verringerte sich zum Berichtszeitpunkt um -0,3%-Punkte auf einen Stand von 23,7%.
Der positive Saldo aus Finanzgeschäften betrug in den ersten 2 Quartalen des Jahres 2001 0,25 Mrd EUR und reduzierte sich gegenüber der Vergleichsperiode 2000 um -9,0%. Zwar konnte beim Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften, also dem Handel im Bereich der besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäften, ein Anstieg beobachtet werden. Beim Saldo aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden, mußte hingegen ein Rückgang beobachtet werden. Aufgrund des bereits angeführten schwierigen Börsenumfeldes konnten im Eigenhandel die Ergebnisse der letzten Jahre nicht wiederholt werden. Auch beim Saldo aus dem Devisen-, Sorten-, u. Edelmetallgeschäft wurden Einbußen gemeldet. Der Anteil des Handelsergebnisses an den gesamten Betriebserträgen betrug im 1. Halbjahr 2001 3,8% (1. Halbjahr 2000: 4,4%).
Auf der Aufwandsseite waren die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen um beachtliche +6,5% auf 3,81 Mrd EUR angestiegen. Hiebei stiegen die Personalaufwendungen mit +4,8% auf 2,29 Mrd EUR an. Die Relation der Personalaufwendungen zu den gesamten Betriebsaufwendungen betrug zwar 50,3%, verringerte sich allerdings um -0,7%-Punkte gegenüber den ersten 2 Quartalen des Jahres 2000. Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) erhöhten sich im 1. Halbjahr 2001 kräftig, und zwar um +9,4% auf 1,51 Mrd EUR. Das Verhältnis zu den gesamten Betriebsaufwendungen belief sich auf 33,1% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um +0,9%-Punkte.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2001 rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute mit einem Betriebsergebnis von 3,84 Mrd EUR (2000: 4,20 Mrd EUR). Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird mit 1,69 Mrd EUR um +19,9% deutlich über dem Schätzwert des Vorjahres angesetzt. Hierbei werden insbesondere die erwarteten Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden (+0,25 Mrd EUR) höher erwartet. Die Konjunkturdelle im Inland und Ausland sowie namhafte Konkurse schlagen sich somit negativ in der Bewertung der Kredite nieder. Bei Wertpapieren und Beteiligungen wird neuerlich erwartet, daß mehr Wertberichtigungen aufgelöst als gebildet werden. Es wird ein sehr hoher Saldo von 0,63 Mrd EUR erwartet, welcher im Jahr 2001 ertragswirksam wird (2000: 0,09 Mrd EUR). Insbesondere die bereits realisierten Veräußerungsgewinne aus Aktivposten 5 bis 8 der Bilanz (+0,55 Mrd EUR) sind deutlich angestiegen, d. h. der Verkauf von Wertpapieren, Aktien, Beteiligungen und Anteilen an verbundenen Unternehmen steuert einen überdurchschnittlich hohen Beitrag zum erwarteten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und in weiterer Folge zum Jahresüberschuß bei. Nach Berücksichtigung der Bewertungsmaßnahmen und Risikokosten ergibt sich ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,79 Mrd EUR (Vergleichsperiode 2000: 2,88 Mrd EUR). Für das Jahr 2001 wird ein a.o. Aufwand von 0,09 Mrd EUR erwartet (2000: 0,22 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,45 Mrd EUR und bleiben gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres nahezu unverändert. Daraus resultierend rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute für das Jahr 2001 mit einem Jahresüberschuß von 2,25 Mrd EUR, welcher mit +2,0% über dem Wert des Jahes 2000 liegt.