- Die Bilanzsumme der Kreditinstitute erhöhte sich seit Beginn des Jahres nur um 1,0% gegenüber +7,1% im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
- Die Direktkredite stiegen nur noch um 1,8%. Erstmals seit 1997 lag aber das absolute Wachstum der Euro-Kredite über jenem der Fremdwährungskredite.
- Trotz sinkender Zinsen stiegen die Spareinlagen um 0,3%.
Der inländische Zwischenbankverkehr war im ersten Halbjahr 2001 jene Aktivposition, die mit einem Plus von 6,30 Mrd € oder 6,2% am stärksten wuchs. Gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres war dieser Anstieg zwar um 2,3 Prozentpunkte niedriger (+9,20 Mrd € bzw. +8,5%), passivseitig stellt der (in– und ausländische) Interbankverkehr dennoch inzwischen die bedeutendste Bilanzposition (noch vor den Einlagen) der Kreditinstitute dar. Der ausländische Zwischenbankverkehr erhöhte sich aktivseitig nur noch um 1,83 Mrd € oder 2,3% (2000: +10,12 Mrd € bzw. +15.2%), passivseitig um 3,25 Mrd € oder 3,9% (2000: +12,77 Mrd € bzw. 16,9%).
Nach einem Wachstum der aushaftenden Direktkredite von 5,78 Mrd € (+2,7%) im ersten Halbjahr 2000 verlor der Zuwachs heuer an Dynamik und reduzierte sich auf 4,12 Mrd € (+1,8%). Auch die seit 1995 anhaltende verstärkte Nachfrage nach Fremdwährungskrediten hat sich im heurigen Jahr vorerst etwas abgeschwächt. Lag im Vorjahr der Zuwachs der Direktkredite in Euro nur bei 0,26 Mrd € (+0,1%), jener der Fremdwährungsausleihungen bei 5,52 Mrd € (+16,7%), so betrug der Anstieg bei den Eurokrediten im ersten Halbjahr 2001 2,18 Mrd € (+1,2%), jener der Kredite in Fremdwährungen jedoch nur 1,95 Mrd € (+4,9%). Erstmals seit 1997 lag somit das absolute Wachstum (Veränderung zum Vorjahr) der Schilling- bzw. Euro-Kredite über jenem der Fremdwährungskredite. Die Entwicklung der Anzahl der Fremdwährungskredite, aufgegliedert nach der Kredithöhe, legt den Schluß nahe, daß diese - ursprünglich primär für großvolumige Finanzierungen im Unternehmensbereich vorgesehen - seit 1999 eindeutig die bevorzugte Kreditform der privaten Haushalte sowie der Klein– und Mittelbetriebe sind. So verzeichneten Fremdwährungsausleihungen bis zu einer Höhe von 5 Mio ATS1) die weitaus größten Zuwächse. Zwar waren im Juni 2001 mehr als die Hälfte aller aushaftenden Fremdwährungsausleihungen in Schweizer Franken denominiert, ihr Anteil ist aber im Sinken begriffen, da sie sich seit Beginn des Jahres – bei nahezu gleichbleibendem Wechselkursniveau – um 1,9 Mrd € (–7,7%) reduzierten. Kredite in Japanischen Yen erfreuten sich hingegen weiterhin großen Zuspruchs: Ihr Anteil an den gesamten Fremdwährungsausleihungen erhöhte sich seit Beginn des Jahres aufgrund eines Zuwachses von 3,7 Mrd € (+26,1%) von 33,7% auf 40,5%. Da der Wechselkurs des JPY im Verhältnis zum Euro gleichzeitig nur um etwa 1,5% stieg, handelte es sich hier offensichtlich um tatsächliche Neuzuwächse. Bei regionaler Betrachtungsweise fällt auf, daß der Zuwachs der Fremdwährungskredite in den östlichen Bundesländern2) seit Jahresbeginn (+6,6%) etwas stärker ausfiel als in den westlichen (+5,3%). Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Ausleihungen lag im Osten Österreichs mit einem Wert von 14,9% dennoch deutlich niedriger als im Westen (31,5%).
Das Mittelaufkommen aus Einlagen erhöhte sich seit Beginn des Jahres um 2,84 Mrd € (+1,6%) und damit beinahe analog zum Vergleichshalbjahr 2000 (+2,74 Mrd € oder +1,6%). Trotz sinkenden Zinsniveaus erhöhten die privaten Haushalte ihre Sparguthaben in Euro seit Beginn des Jahres um 0,40 Mrd € (+0,3%). Noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren sie um 2,34 Mrd € oder 1,9% gesunken. Die Struktur der Spareinlagen nach ihrer Höhe änderte sich u. a. wegen der Abschaffung der Sparbuchanonymität zwischen Juni 2000 und Dezember 2000 geringfügig zugunsten jener Sparbücher mit Beträgen unter 200.000 ATS. Bis zu einem Betrag von 200.000 ATS können Sparbücher nämlich als sogenannte „Losungswortsparbücher3)“ geführt werden.
Beinahe analog zum Vorjahr erhöhte sich das Volumen der eigenen Inlandsemissionen der österreichischen Kreditinstitute im ersten Halbjahr 2001 um 2,43 Mrd € (+4,6%). Schon seit einiger Zeit ist zu beobachten, daß diese Form der Refinanzierung beinahe doppelt so rasch wächst wie der Einlagenstand.
Das Volumen der Derivativgeschäfte wuchs im ersten Halbjahr 2001 nur noch um 60,28 Mrd € (+7,7%) und somit deutlich abgeschwächter als noch in der Vergleichsperiode des Vorjahres (+184,03 Mrd € bzw. +28,0%). Mit Stand Juni 2001 lag das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur Bilanzsumme bei 149,1%.
Mit Stichtag 30. Juni 2001 hielten die in Österreich tätigen Kreditinstitute 40,30 Mrd € an Eigenmittel, um 2,87 Mrd € oder 7,7% mehr als noch zu Beginn des Jahres. Somit erhöhte sich
auch die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage um 0,7 Prozentpunkte auf 14,5%, was im internationalen Vergleich einen durchaus guten Wert darstellt. Die Mindestausstattung beträgt gemäß Bankwesengesetz 8%.
Der Wertberichtigungsbedarf bezogen auf die Kundenforderungen geht seit Jahren kontinuierlich zurück, lag aber per 30.06.2001 bei 3,2% und somit um 0,1 Prozentpunkte geringfügig höher als im Juni 2000.
Da die risikogewichteten Aktiva4) mit einem Plus von 11,71 Mrd € (+4,9%) deutlich stärker als die Bilanzsumme (+1,0%) wuchsen, stieg auch die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme im ersten Halbjahr 2001 um 1,7 Prozentpunkte auf 44,4%.