Mit Errichtung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) gehören wechselkursbedingte Wettbewerbseffekte zwischen den Teilnehmerländern der Vergangenheit an. Trotz gemeinsamer Währung wird die nationale preisliche bzw. kostenmäßige Wettbewerbsfähigkeit jedes Landes aber weiterhin zu einem nicht unerheblichen Teil von den Unterschieden in der Entwicklung der Preise und Kosten innerhalb des Eurogebiets bestimmt.
Zur Evaluierung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ist daher die Berechnung von Wettbewerbsfähigkeitsindizes unerlässlich. Diese bilden auf Grundlage umfassender nationaler Außenhandelsmatrizen den Waren- und Dienstleistungsverkehr nicht nur mit den relevanten Handelspartnern außerhalb, sondern auch innerhalb der WWU ab. Die in Zusammenarbeit zwischen OeNB und WIFO neu berechneten und verbesserten Wettbewerbsindizes zur Erfassung der wettbewerbsrelevanten Preis- und Wechselkurseffekte für Österreich, die die bisherigen effektiven Wechselkursindizes ablösen, beruhen erstmals auf einer nach Ziel- und Konkurrenzländern nahezu vollständigen Abbildung des aktuellen österreichischen Außenhandelsgefüges.
Gegenüber bisher lediglich 22 gehen nun 52 Länder in die Berechnungen ein, wobei erstmals auch die im österreichischen Außenhandel besonders wichtigen Oststaaten einbezogen sind. Wettbewerbsrelevant blieben nach dem Beitritt von 12 Ländern zur WWU die Wechselkursbewegungen von 42 Währungen. In der für die österreichische Wettbewerbsfähigkeit relevanten Gewichtungsstruktur dominieren erwartungsgemäß die 14 EU-Partnerländer mit einem Anteil von 69,1%, die bisher unberücksichten Oststaaten erreichen immerhin ein Gewicht von 9,9%. Außerhalb dieser beiden für Österreich wichtigsten Länderkreise weisen noch die USA (7,1%), die Schweiz (3,5%), Japan (2,5%) sowie China und die Türkei (mit je 1,1%) relevante Gewichte auf. Für alle anderen Länder ergeben sich Gewichte von deutlich unter 1%.
Das herausragendste Merkmal der Neuberechnung ist die seit 1993 – im Unterschied zur bisherigen Berechnung – kräftigere nominell-effektive Aufwertung des österreichischen Schillings. Demnach hat der österreichische Schilling zwischen Jänner 1993 und Dezember 2000 nominell-effektiv um kumuliert 17,6% an Wert gewonnen, nach alter Rechnung hingegen um 1,0% an Wert verloren. Ursache dafür sind die großen nominellen Aufwertungsbeiträge der neu im Index berücksichtigten Währungen der osteuropäischen, asiatischen und südamerikanischen Staaten.
Dieses Bild ändert sich jedoch grundlegend, wenn man für den selben Zeitraum die Entwicklung des real-effektiven Wettbewerbsindex betrachtet. Wegen der im Vergleich zu den neu hinzugekommenen Staaten deutlich günstigeren heimischen Inflationsentwicklung hat Österreich gegenüber dem Durchschnitt seiner Konkurrenten kumuliert seit 1993 mit 10,3% fast doppelt so stark an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen als nach bisheriger Rechnung (5,6%). In der deutlich größeren Differenz zwischen nominell-effektiver und real-effektiver Wettbewerbsentwicklung kommt die Ungleichheit in der Preisentwicklung zwischen Österreich und dem Durchschnitt seiner Handelspartner wesentlich klarer zum Ausdruck als in der bisherigen Berechnung, die vom geringer werdenden Inflationsdifferenzial zwischen Österreich und dem vergleichsweise engen Kreis von OECD-Staaten geprägt war.
Insgesamt stehen mit den neuen Wettbewerbsindizes, die eigene Indizes für Exporte, Importe, Industriewaren und Reiseverkehr umfassen, ein deutlich verbessertes, detailliertes und jederzeit aktuell verfügbares Instrument zur Analyse der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Volkswirtschaft gegenüber seinen Handelspartnern zur Verfügung.
Presseaussendung
Neuberechnung des Indikators der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft
Wien, 2. 10. 2001
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
- Weiterempfehlen
- This page in English