Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in ihrer Herbstprognose eine deutliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den Jahren 2001 und 2002 auf 1,2% bzw. 0,9%. Gegenüber der Frühjahrsprognose bedeutet das eine deutliche Revision – um rund 1 Prozentpunkt – nach unten, die sowohl auf die sich stark abkühlende internationale Konjunktur als auch auf eine schwächere Inlandsnachfrage zurückzuführen ist. Für das Jahr 2003 wird dann wieder mit einer deutlich höheren Wachstumsrate (2,3%) gerechnet.
Der Tiefpunkt des Konjunkturzyklus wird derzeit für die zweite Jahreshälfte 2001 erwartet. Ab Beginn des nächsten Jahres sollte eine langsam wieder an Dynamik gewinnende externe Nachfrage zusammen mit günstigen Finanzierungsbedingungen die Investitionstätigkeit stützen. Gemeinsam mit einer leichten Erholung des privaten Konsums führt dies zu einer allmählichen Belebung des BIP-Wachstums im ersten Halbjahr 2002, wobei sich der Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen und im Jahr 2003 weiter an Dynamik gewinnen wird. Allerdings haben die Terroranschläge vom 11. September die bereits vorher bestehende Unsicherheit bezüglich des Zeitpunkts des Aufschwungs weiter erhöht.
Im Vergleich mit anderen zu Redaktionsschluss verfügbaren Prognosen für Österreich sind die Wachstumserwartungen der OeNB-Prognose insbesondere für das Jahr 2002 etwas ungünstiger, wofür vor allem die generell schwächere weltwirtschaftliche Entwicklung sowie eine langsamere und verzögerte Erholung im Laufe des Jahres 2002 verantwortlich sind.
Auf Grund der derzeit stark rückläufigen Energiepreise, des Ausklingens der Preiseffekte fiskalischer Maßnahmen und der Tierkrankheiten in den nächsten Monaten sowie der prognostizierten Nachfragedämpfung ist mit einem deutlichen Rückgang des Preisauftriebs zu rechnen. Die Steigerungsrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI wird von 2,3% im Jahr 2001 auf 1,3% in den beiden Folgejahren zurückgehen.
Die Dynamik des privaten Konsums wird in den Jahren 2001 und 2002 durch die deutliche Verlangsamung des Wachstums der real verfügbaren Haushaltseinkommen gedämpft, die einerseits auf die unerwartet hohe Inflation als Folge des Ölpreisanstiegs und auf die Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung und andererseits auf die erwartete Stagnation der Beschäftigung zurückzuführen sind. Nur durch einen Rückgang der Sparneigung kann in beiden Jahren der Konsum – moderat – um jeweils 1,4% ausgeweitet werden. Im Jahr 2003 sollten dann ein wieder höheres Beschäftigungswachstum und eine niedrige Inflationsrate das Wachstum des privaten Konsums auf 2,1% beschleunigen.
Ein konjunkturell bedingt nur schwaches Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen sowie die anhaltende Rezession im Bausektor führen zu einem Rückgang der Investitionen im Jahr 2001 um 0,5%, bevor 2002 die Investitionstätigkeit auf Grund verbesserter Exportperspektiven allmählich wieder an Dynamik gewinnt (+0,8) und sich im Jahr 2003 weiter beschleunigt (+3,4%).
Prognose des realen Bruttoinlandsprodukts für Österreich
