Presseaussendung


OeNB: Gesamtwirtschaftliche Prognose für die Jahre 2001–2003

in der Publikationsreihe „Berichte und Studien“, Heft 3–4/2001

Wien, 13. 12. 2001


Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in ihrer Herbstprognose eine deutliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den Jahren 2001 und 2002 auf 1,2% bzw. 0,9%. Gegenüber der Frühjahrsprognose bedeutet das eine deutliche Revision – um rund 1 Prozentpunkt – nach unten, die sowohl auf die sich stark abkühlende internationale Konjunktur als auch auf eine schwächere Inlandsnachfrage zurückzuführen ist. Für das Jahr 2003 wird dann wieder mit einer deutlich höheren Wachstumsrate (2,3%) gerechnet.

 

Der Tiefpunkt des Konjunkturzyklus wird derzeit für die zweite Jahreshälfte 2001 erwartet. Ab Beginn des nächsten Jahres sollte eine langsam wieder an Dynamik gewinnende externe Nachfrage zusammen mit günstigen Finanzierungsbedingungen die Investitionstätigkeit stützen. Gemeinsam mit einer leichten Erholung des privaten Konsums führt dies zu einer allmählichen Belebung des BIP-Wachstums im ersten Halbjahr 2002, wobei sich der Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen und im Jahr 2003 weiter an Dynamik gewinnen wird. Allerdings haben die Terroranschläge vom 11. September die bereits vorher bestehende Unsicherheit bezüglich des Zeitpunkts des Aufschwungs weiter erhöht.

 

Im Vergleich mit anderen zu Redaktionsschluss verfügbaren Prognosen für Österreich sind die Wachstumserwartungen der OeNB-Prognose insbesondere für das Jahr 2002 etwas ungünstiger, wofür vor allem die generell schwächere weltwirtschaftliche Entwicklung sowie eine langsamere und verzögerte Erholung im Laufe des Jahres 2002 verantwortlich sind.

 

Auf Grund der derzeit stark rückläufigen Energiepreise, des Ausklingens der Preiseffekte fiskalischer Maßnahmen und der Tierkrankheiten in den nächsten Monaten sowie der prognostizierten Nachfragedämpfung ist mit einem deutlichen Rückgang des Preisauftriebs zu rechnen. Die Steigerungsrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI wird von 2,3% im Jahr 2001 auf 1,3% in den beiden Folgejahren zurückgehen. 

 

Die Dynamik des privaten Konsums wird in den Jahren 2001 und 2002 durch die deutliche Verlangsamung des Wachstums der real verfügbaren Haushaltseinkommen gedämpft, die einerseits auf die unerwartet hohe Inflation als Folge des Ölpreisanstiegs und auf die Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung und andererseits auf die erwartete Stagnation der Beschäftigung zurückzuführen sind. Nur durch einen Rückgang der Sparneigung kann in beiden Jahren der Konsum – moderat – um jeweils 1,4% ausgeweitet werden. Im Jahr 2003 sollten dann ein wieder höheres Beschäftigungswachstum und eine niedrige Inflationsrate das Wachstum des privaten Konsums auf 2,1% beschleunigen. 

 

Ein konjunkturell bedingt nur schwaches Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen sowie die anhaltende Rezession im Bausektor führen zu einem Rückgang der Investitionen im Jahr 2001 um 0,5%, bevor 2002 die Investitionstätigkeit auf Grund verbesserter Exportperspektiven allmählich wieder an Dynamik gewinnt (+0,8) und sich im Jahr 2003 weiter beschleunigt (+3,4%).

 

Prognose des realen Bruttoinlandsprodukts für Österreich


Prognose des realen Bruttoinlandsprodukts für Österreich

Die starke Verbesserung der preislichen Wettbewerbssituation der österreichischen Exporteure im Jahr 2000 dämpft die Auswirkungen der schwachen internationalen Konjunktur auf die Exportnachfrage in den Jahren 2001 und 2002 etwas. Mit einer kontinuierlichen Beschleunigung des Exportwachstums kann jedoch erst im Verlauf des nächsten Jahres gerechnet werden. Durch das in Folge der schwachen Inlandsnachfrage gebremste Importwachstum sind die Auswirkungen des Einbruchs der internationalen Konjunktur auf die österreichischen Nettoexporte vorläufig gering. Nach einem Beitrag zum BIP-Wachstum von noch 0,5 Prozentpunkten im Jahr 2001 geht 2002 von den Nettoexporten kein Wachstumsbeitrag aus, ehe sie 2003 wieder substanziell zum Wachstum beitragen werden. Das Leistungsbilanzdefizit wird sich in erster Linie bedingt durch die Verschlechterung der Einkommensbilanz (starke Zunahme der abfließenden Einkommen aus Portfolioinvestitionen) leicht ausweiten, verbleibt aber über den gesamten Prognosehorizont bei knapp unter 3% des BIP.

 

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird vor allem konjunkturell determiniert. Die Arbeitslosenquote nach Eurostat-Definition steigt nach 3,8% im laufenden Jahr auf 3,9% in kommenden Jahr 2002, ehe sie 2003 wieder auf 3,8% sinkt.

 

Auf Grund der unerwartet starken Steuereinnahmen gegen Jahresende ergibt sich bereits für 2001 ein nahezu ausgeglichenes Budget (−0,2%). Trotz ungünstiger konjunktureller Entwicklung wird in der Folge von einer nur leichten Verschlechterung des Budgetsaldos ausgegangen, bevor die budgetäre Entwicklung durch die konjunkturelle Erholung wieder begünstigt wird.



Hauptergebnisse der OeNB-Prognose vom Herbst 2001 für Österreich
 
 20001)2001 2002 2003 
 
Wirtschaftliche Aktivität     
Veränderung zum Vorjahr in % (real)    
Bruttoinlandsprodukt (BIP) +3,3 +1,2 +0,9 +2,3 
Importe insgesamt +7,5 +3,1 +3,0 +5,0 
Exporte insgesamt +10,3 +4,1 +2,9 +5,0 
Privater Konsum +2,7 +1,4 +1,4 +2,1 
Öffentlicher Konsum +0,6 −0,5 −0,6 +0,9 
Bruttoanlageinvestitionen +3,4 −0,4 +0,8 +3,4 
in % des nominellen BIP     
Leistungsbilanzsaldo −2,8 −2,8 −2,9 −2,8 
 
Wachstumsbeiträge zum realen BIP     
in Prozentpunkten     
Privater Konsum +1,1 +0,6 +1,2 +1,0 
Öffentlicher Konsum −0,2 −0,0 −0,1 +0,3 
Bruttoanlageinvestitionen +0,5 −0,4 +0,7 +0,7 
Inlandsnachfrage (exkl. Lagerveränderung) +2,2 +0,7 +1,0 +2,1 
Nettoexporte +1,3 +0,5 +0,0 +0,1 
Lagerveränderungen −0,2 +0,0 +0,0 +0,0 
 
Preise     
Veränderung zum Vorjahr in %     
Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) +2,0 +2,3 +1,3 +1,3 
Deflator des privaten Konsums +1,9 +2,6 +1,4 +1,3 
Deflator des Bruttoinlandsprodukts +1,2 +1,5 +1,0 +1,3 
Lohnstückkosten in der Gesamtwirtschaft −0,3 +1,9 +1,4 +0,8 
Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer     
  (zu laufenden Preisen) +2,2 +2,8 +2,4 +2,6 
Produktivität in der Gesamtwirtschaft +2,5 +0,9 +1,0 +1,7 
Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer     
(zu Preisen von 1995) +0,3 +0,2 +0,9 +1,3 
Importpreise +5,1 +2,4 +0,7 +1,2 
Exportpreise +2,4 +1,9 +0,4 +1,1 
Terms of Trade −2,6 −0,5 −0,3 −0,1 
 
Arbeitsmarkt     
in %     
Arbeitslosenquote (EUROSTAT-Definition) 3,7 3,8 3,9 3,8 
Veränderung zum Vorjahr in %     
Beschäftigung +0,9 +0,3 +0,0 +0,5 
 
Budget     
in % des nominellen BIP     
Budgetsaldo −1,5 −0,2 −0,3 −0,3