Pressedienst


Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1.–3. Quartal 2001

Wien, 21. 12. 2001


Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung September 2001. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Einzelkreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfaßt.

 

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2001 ergab sich bei den in Österreich tätigen Kreditinstituten verglichen mit der Vorjahresperiode eine rückläufige Entwicklung des Betriebsergebnisses in der Höhe von −9,3% auf 3,11 Mrd EUR. Als Hauptgründe können einerseits der stark angestiegene Sachaufwand und andererseits Rückgänge bei den Erträgen aus Wertpapieren und Beteiligungen sowie bei den Provisionserträgen aus dem Wertpapiergeschäft angeführt werden. Der Nettozinsertrag und der Saldo aus Finanzgeschäften konnten allerdings gesteigert werden. 
Der für das gesamte Geschäftsjahr 2001 erwartete Jahresüberschuss beträgt 1,92 Mrd EUR und wird um −15,4% unter dem vergleichbaren Schätzwert 2000 angegeben. Es wird zwar mit einem sehr hohen ertragswirksamen Saldo aus der Auflösung von Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen und einem geringer erwarteten außerordentliche Aufwand gerechnet, dies reicht aber nicht aus, um die deutlich höheren Wertberichtigungen im Kreditbereich auszugleichen.  
In den ersten 3 Quartalen des Jahres 2001 ergab sich bei den in Österreich tätigen Kreditinstituten eine Verringerung des Betriebsergebnisses in der Höhe von −9,3% auf 3,11 Mrd EUR. Die bereits seit Beginn des Jahres beobachtete rückläufige Entwicklung des Betriebsergebnisses setzte sich somit auch im 3. Quartal fort. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur Bilanzsumme betrug zum Berichtszeitpunkt 0,56% und hat sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres kaum verringert.

In den ersten 9 Monaten des Jahres 2001 erhöhten sich die Betriebserträge um +0,1% auf 9,97 Mrd EUR, die Betriebsaufwendungen stiegen allerdings mit +5,1% auf einen Stand von 6,86 Mrd EUR deutlich stärker an. Somit verschlechterte sich die cost-income-ratio gegenüber September 2000 um 3,2%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 68,8%. Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme erhöhten sich die Betriebsaufwendungen leicht, die Betriebserträge blieben hingegen unverändert. 

Im 1.-3. Quartal 2001 betrug der Nettozinsertrag 5,16 Mrd EUR und lag mit +2,8% sichtbar über dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen belief sich zum Berichtszeitpunkt auf 51,7% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um +1,3%-Punkte. Die Relation Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme stieg geringfügig auf 0,92% an.

Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge lagen mit einem Stand von 20,64 Mrd EUR um −0,4% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Gleichzeitig verringerten sich jedoch auch die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen und zwar mit −1,4% auf 15,49 Mrd EUR deutlich stärker als die entsprechenden Erträge. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zinssatzstatistik wieder, in welcher im 3. Quartal bei den Habenzinssätzen im Durchschnitt eine stärkere Reduktion gemeldet wurde als bei den Sollzinssätzen.

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft betrugen 1,11 Mrd EUR und sanken um −13,6% gegenüber der Vergleichsperiode 2000. Wie bereits im 1. Halbjahr des heurigen Jahres zu beobachten war, konnte zwar im Bereich der Erträge aus Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapiere eine Zunahme erzielt werden, bei den Erträgen aus Anteilen an verbundenen Unternehmen musste allerdings ein Rückgang festgestellt werden.

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft belief sich im 1.–3. Quartal 2001 auf 2,24 Mrd EUR und reduzierte sich um −4,0%. Damit setzte sich die bereits im 1. Halbjahr dieses Jahres beobachtete Entwicklung eines rückläufigen Provisionsergebnisses fort. Einerseits konnten im Bereich der Provisionserträge aus dem Zahlungsverkehr sowie aus dem Devisen-, Sorten- und Edelmetallgeschäft Anstiege erzielt werden. Andererseits musste im Bereich der Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft (−0,14 Mrd EUR) ein Rückgang festgestellt werden, welcher die Ertragsrechnung deutlich belastete. Die Bedeutung des Investmentbankings ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, es bringt aber auch eine erhöhte Abhängigkeit von den Trends an den Finanzmärkten und eine höhere Volatilität bei den Ergebnissen mit sich. Die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den Betriebserträgen verringerte sich zum Berichtszeitpunkt um −1,0%-Punkte auf einen Stand von 22,5% recht deutlich.

Der positive Saldo aus Finanzgeschäften belief sich im 1.–3. Quartal 2001 auf 0,40 Mrd EUR und konnte gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres mit +1,2% geringfügig nach oben korrigiert werden. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Segmenten des Finanzgeschäftes sehr unterschiedlich ausgefallen. So konnte beim Saldo aus Devisen-, Sorten- u. Edelmetallgeschäft ein markanter Anstieg, beim Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften nur eine leichte Steigerung erzielt werden. Beim Saldo aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden musste allerdings ein Rückgang festgestellt werden, der auf Kursrückgänge zurückgeführt werden kann. Der Anteil des Handelsergebnisses an den gesamten Betriebserträgen betrug im 1.–3. Quartal 2001 4,0% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode 2000 geringfügig. 

Auf der Aufwandsseite waren die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen um +5,3% auf 5,71 Mrd EUR deutlich angestiegen. Hierbei stiegen die Personalaufwendungen mit +2,6% auf 3,42 Mrd EUR an. Die Relation der Personalaufwendungen zu den gesamten Betriebsaufwendungen beträgt zum Berichtszeitpunkt 49,8% und hat sich somit gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um −1,2%-Punkte verringert. Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) stiegen im 1.–3. Quartal 2001 mit +9,6% auf 2,29 Mrd EUR markant an. Sie machen bei kontinuierlicher Aufwärtsentwicklung inzwischen 33,5% des gesamten Betriebsaufwandes aus. Vor allem die Investitionen in die Informations- und Kommunikationstechnologie wirken weiterhin aufwandserhöhend. 

Für das gesamte Geschäftsjahr 2001 erwarten die in Österreich tätigen Kreditinstitute ein Betriebsergebnis von 3,97 Mrd EUR (2000: 4,33 Mrd EUR). Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird mit 1,93 Mrd EUR um +20,5% deutlich über dem Schätzwert des Vorjahres angesetzt. Er errechnet sich zum überwiegenden Teil aus den erwarteten Forderungen an Kunden (2,02 Mrd EUR). Die schwierige konjunkturelle Situation im Inland und Ausland sowie namhafte Konkurse, Ausgleichsverfahren und insolvenzgefährdete Unternehmen machen stark erhöhte Risikovorsorgen für Kredite notwendig. Im Bereich der Wertpapiere und Beteiligungen wird neuerlich erwartet, daß mehr Wertberichtigungen aufgelöst als gebildet werden. Es wird ein Saldo von 0,36 Mrd EUR erwartet, welcher im Jahr 2001 ertragswirksam wird (2000: 0,11 Mrd EUR). Wie bereits im 1. Halbjahr 2001 zu beobachten war, sind insbesondere die Veräußerungsgewinne aus Aktivposten 5 bis 8 der Bilanz (+0,29 Mrd EUR) deutlich angestiegen, d. h. der Verkauf von Wertpapieren, Aktien, Beteiligungen und Anteilen an verbundenen Unternehmen steuert einen außerordentlich hohen Beitrag zum erwarteten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und in weiterer Folge zum Jahresüberschuss bei. 

Nach Berücksichtigung sämtlicher Risikokosten und Bewertungsmaßnahmen werden die Ertragserwartungen für das Jahr 2001 deutlich nach unten revidiert. Es ergibt sich ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,41 Mrd EUR (Vergleichsperiode 2000: 2,84 Mrd EUR). Für das Jahr 2001 wird per Saldo ein a. o. Aufwand von 0,06 Mrd EUR erwartet (2000: 0,12 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,43 Mrd EUR und verringerten sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um −7,4%. Daraus folgend rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute für das Jahr 2001 mit einem Jahresüberschuss von 1,92 Mrd EUR, welcher mit −15,4% klar unter dem erwarteten Wert des Vorjahres liegt.