„Die Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs in den vergangenen fünf Jahrzehnten lässt den Schluss zu, dass dieses Land für Europa viel mehr ist als ein bescheidener quantitativer Beitrag zum gemeinsamen Sozialprodukt.“ Dieser Satz von Professor Anton Kausel umschreibt wohl am besten die von ihm verfasste Studie „Ein halbes Jahrhundert des Erfolges“. Dieser Klassiker der volkswirtschaftlichen Publikation liegt nun in einer Neufassung vor, und wurde – wie schon in der Vergangenheit – von den Finanznachrichten herausgegeben und von der Nationalbank fachlich begleitet.
„Als ich vor nunmehr fast zehn Jahren die Idee hatte, eine langfristig konzipierte, auf wirtschaftsstatistischen Zeitreihen beruhende Analyse der ökonomischen Leistungsfähigkeit Österreichs anzustellen, lag das Motiv dafür zum Teil jenseits der rein ökonomischen Betrachtungsweise. Es war vielmehr auch eine Antwort auf die diversen pessimistischen Strömungen, die sich in politischen, gesellschaftlichen, aber auch in wirtschaftlichen Kreisen immer wieder breit gemacht haben. Die Ergebnisse der aktuellen Neuauflage der Studie bestätigen ein weiteres Mal, dass das eine richtige Überlegung war.“, sagte der Präsident der OeNB, Adolf Wala, bei der Präsentation des Standardwerks, das am 21. Feber in der OeNB präsentiert wurde. Erstmals hat Kausel in diesem Sinne ein Kapitel über Wohlstandsindikatoren aufgenommen. Im Abschnitt „Lebensqualität“ kommen in der makroökonomischen Betrachtung oft wenig beachtete Parameter wie Einkommensverteilung, Lebenserwartung oder Kriminalitätsrate vor und werden international verglichen. Auch hier schneidet Österreich hervorragend ab.
Im Hinblick auf die positive wirtschaftliche Entwicklung Österreichs während der von Prof. Kausel analysierten Periode unterstrich Präsident Wala ferner die Bedeutung der von der Oesterreichischen Nationalbank während der letzten Jahrzehnte betriebenen stabilitätsorientierten Währungspolitik, die eine entscheidende Grundlage für den reibungslosen Eintritt unseres Landes in das Europäische Währungssystem und nachfolgend in die Währungsunion war.
Peter Mooslechner, Direktor der Hauptabteilung Volkswirtschaft der OeNB, sagte zur Sondernummer der Finanznachrichten „Ein halbes Jahrhundert des Erfolges“: „Normalerweise in die kurzfristigen wirtschaftspolitischen Fragestellungen des Alltags verstrickt sollte man sich manchmal die Zeit nehmen, einen fundierten Blick auf die langfristige Sicht der Wirtschaftsentwicklung zu werfen. Dabei ist es nicht wegzudiskutieren, dass 1950 das reale BIP pro Kopf Österreichs fast 16% unter dem Durchschnitt der heutigen EU-15 Länder lag, während es im Jahr 2000 nicht ganz 13% darüber liegt.“ Die Fachschrift ist keine Studie bzw. Zeitung im klassischen Sinn, sondern eher ein breit angelegtes Nachschlagewerk. Kausels Reise durch fünf Jahrzehnte wirtschaftliches Erfolges wird daher in den kommenden Tagen und Wochen an Schulen, Gemeinden und andere öffentlichen Stellen verschickt, um das wirtschaftliche Verständnis zu vertiefen. Eine englischsprachige Ausgabe wird internationalen Institutionen, Botschaften, etc. zur Verfügung gestellt.
„Österreich ist zu den reichsten Industrienationen der Welt aufgestiegen. Um diesen Erfolg auch in den kommenden 50 Jahren zu haben ist es notwendig, sich die Weltoffenheit zu bewahren, die Österreichs Wirtschaft in den vergangenen 50 Jahren bewiesen hat. Die Erweiterung der EU und verstärkte Exportbemühungen werden Säulen jener Entwicklung sein, die den Wohlstand dieses Landes in Zukunft sichern“, sagte Reinhard Göweil, Herausgeber der Finanznachrichten, anlässlich der Vorstellung der Sonderausgabe.
Von der aktuellen zur geschichtlichen Betrachtung gewandert, ist allerdings Österreichs Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion: Der Euro ist heute Realität geworden, was bei der zuletzt produzierten Fassung des Kausel-Werkes im Jahr 1997 noch gar nicht so sicher war.
Presseaussendung
Ein halbes Jahrhundert des Erfolges
Wien, 21. 2. 2002
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Mag. Wolfdietrich Grau
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