Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im Jahr 2001

Wien, 4. 3. 2002


  • Die Bilanzsumme der Kreditinstitute erhöhte sich 2001 um 4,5% gegenüber 7,3% im Jahr zuvor.
  • Parallel zur Konjunkturentwicklung schwächte sich 2001 auch das Direktkreditwachstum relativ deutlich ab. Betrug der Zuwachs im Jahr 2000 noch 6,7%, so halbierte er sich 2001 auf 3,5%.
  • Im Jahr 2001 war das Einlagenaufkommen von inländischen Nichtbanken so stark wie schon seit Beginn der Neunziger Jahre nicht mehr: Erhöhten sich die Einlagen im Jahr 2000 nur um 2,3%, so lag der Zuwachs 2001 bei 7,8%. Trotz der Abschaffung der Sparbuchanonymität und sinkender Zinsen erlebte das klassische im Jahr 2001 eine Renaissance.    

Nach einem Zuwachs von 38,07 Mrd EUR oder 7,3% im Jahr 2000 erhöhte sich die Gesamtbilanzsumme der in Österreich tätigen Kreditinstitute im Jahr 2001 nur noch um 25,04 Mrd EUR bzw. 4,5%. Bei Bereinigung dieser Zahlen um Sondereffekte im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der größten Bank in Österreich wäre das Bilanzsummenwachstum mit rund 8% aber sogar stärker als im Jahr 2000 gewesen.

Am auffälligsten gestaltete sich aktivseitig die Kassenliquidität, welche per 31.12.2001 bei 10,35 Mrd EUR und somit um 62,6% über dem Vergleichswert des Vorjahres lag. Dafür war die Unterposition "Guthaben bei der Oesterreichischen Nationalbank" verantwortlich, die relativ deutlich um 3,92 Mrd EUR oder 105,2% anwuchs. Dies war im Zusammenhang mit der Einführung des Euro-Bargeldes zu sehen, da die Kreditinstitute refinanzierungsfähige Sicherheiten (sog."Cash Collaterals") in Höhe der vorab ("frontloading") verteilten – aber noch nicht den Girokonten der Kreditinstitute angelasteten – Euro-Bargeldbestände als Sicherheit bei der OeNB zu stellen hatten.

Parallel zur abgekühlten Konjunkturentwicklung schwächte sich 2001 auch das Direktkreditwachstum relativ deutlich ab. Betrug der Zuwachs im Jahr 2000 noch 14,09 Mrd EUR oder 6,7%, so halbierte er sich 2001 auf 7,92 Mrd EUR oder 3,5%. Während 2000 noch rund 45% des Kreditwachstums aus Fremdwährungskrediten resultierte, reduzierte sich deren Anteil am Zuwachs 2001 auf etwa 36%. In absoluten Zahlen: Einer Zunahme der Kredite in Fremdwährung von 6,40 Mrd EUR im Jahr 2000 stand ein Plus von nur mehr 2,83 Mrd EUR im Jahr 2001 gegenüber. Der Anteil der Kredite in Fremdwährungen am Bestand der insgesamt vergebenen Direktkredite erhöhte sich somit seit Beginn 2001 nur noch geringfügig um 0,7 Prozentpunkte auf 18,2%. Etwas mehr als die Hälfte (50,6%) aller Fremdwährungsausleihungen waren in Schweizer Franken denominiert. Noch zum Jahresultimo 2000 waren es 58,7% gewesen. Obwohl der Wechselkurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro gestiegen ist, reduzierte sich der Euro-Gegenwert der CHF-Kredite um 8%. Kredite in Japanischen Yen erfreuten sich hingegen weiterhin großer Nachfrage: Ihr Anteil an den gesamten Fremdwährungsausleihungen erhöhte sich 2001 aufgrund eines Zuwachses um rund ein Drittel von 34,0% auf 42,1%. Da sich der Wechselkurs des Japanischen Yen gegenüber dem Euro im selben Zeitraum verringerte, war der reale Zuwachs sogar noch größer. 

Im Jahr 2001 war das Einlagenaufkommen von inländischen Nichtbanken so stark wie schon seit Beginn der Neunziger Jahre nicht mehr: Erhöhten sich die Einlagen im Jahr 2000 nur um 3,99 Mrd EUR oder 2,3%, so lag der Zuwachs heuer bei 13,77 Mrd EUR oder 7,8%. Trotz der Abschaffung der Sparbuchanonymität und sinkender Zinsen erlebte das klassische Sparbuch im Jahr 2001 eine Renaissance. Nach einem äußerst schwachen Vorjahr (-2,63 Mrd EUR bzw. ?2,2%), das aufgrund höherer Renditeerwartungen durch Umschichtungen in Richtung Investmentfonds geprägt war, belief sich der heurige Zuwachs auf 5,73 Mrd EUR oder 4,8% – ein seit vielen Jahren nicht mehr erreichtes Ergebnis.

Nachdem die Auslandsaktivitäten der in Österreich tätigen Kreditinstitute Mitte 2001 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, reduzierten sich die Forderungen an das Ausland im Gesamtjahr 2001 – auch aufgrund der bereits oben erwähnten Sondereffekte – um 1,47 Mrd EUR oder 0,9%. Die Auslandspassiva sanken ebenfalls um 0,6%.

Seit Beginn der Währungsunion war eine deutliche Ausweitung der Derivativgeschäfte, insbesondere bei Zinssatzgeschäften, bemerkbar. Allein im Jahr 2001 wuchs das Volumen um 323,67 Mrd EUR oder 41,1%. Somit erhöhte sich das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur Bilanzsumme seit Dezember 2000 um 49 Prozentpunkte auf 189%.

Aufgrund der schwierigen konjunkturellen Situation im In- und Ausland erhöhte sich der Wertberichtigungsbedarf der Kreditinstitute bezogen auf die Kundenforderungen gegenüber dem Vergleichsmonat 2000 um 0,14 Prozentpunkte auf 3,06%.

Die Kreditinstitute hielten per 31.12.2001 41,98 Mrd EUR an Eigenmitteln, das waren um 4,55 Mrd EUR (+12,1%) mehr als noch zu Beginn des Jahres. Somit erhöhte sich auch die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage um 0,7 Prozentpunkte auf 14,6%. Rund 65% der gesamten Eigenmittel bestanden aus dem qualitativ hochwertigsten Kapital, dem Kernkapital. Die Kernkapitalquote 1) der Kreditinstitute erhöhte sich gegenüber Dezember 2000 geringfügig um 0,4 Prozentpunkte auf 9,5%. 

Da im Jahr 2001 die risikogewichteten Aktiva  2) mit einem Plus von 20,04 Mrd EUR (+8,3%) prozentuell doppelt so stark wie die Bilanzsumme (+4,5%) wuchsen, stieg auch die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme um 1,6 Prozentpunkte auf 44,3%. 

1) Die Kernkapitalquote errechnet sich aus dem Kernkapital dividiert durch die Bemessungsgrundlage. Die Mindestausstattung gemäß BWG liegt bei 4%.
2) Es handelt sich dabei um jene um Wertberichtigungen gekürzten Aktiva, die gem. §22(3) BWG nach Risikoklassen zu gewichten sind.


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