Presseaussendung


Das Zahlungsverhalten privater Haushalte in Österreich

Wien, 18. 3. 2002. Ergebnisse einer Untersuchung zur Nutzung von Zahlungskarten und zur Struktur der Zahlungstransaktionen im Jahr 2000 in der Publikationsreihe „Berichte und Studien“, Heft 1/2002, erschienen.


Dem internationalen Trend entsprechend bieten sich in Österreich immer mehr unbare Zahlungsmöglichkeiten an. Aus ökonomischer Sicht ergibt sich in diesem Zusammenhang eine Reihe von Fragen, die von den Auswirkungen der zunehmenden Verbreitung unbarer Zahlungsformen auf den Bargeldumlauf und auf andere Zahlungsmöglichkeiten bis zu den Konsequenzen für die geldpolitische Steuerung reichen.

Diese Studie bietet einen aktuellen Überblick über die Nutzung von Zahlungskarten und die Struktur der Zahlungstransaktionen privater Haushalte in Österreich. Damit wird ein letztes Gesamtbild der Zahlungstransaktionen der „Schilling-Ära“ vor der Einführung des Euro als Bargeld dokumentiert, das auf einer 1996 erstmals erstellten Studie aufbaut und umfassend das Zahlungsverhalten privater Haushalte charakterisiert. Die Analyse illustriert auf Basis verschiedener, von der Oesterreichischen Nationalbank in Auftrag gegebener Umfragen mehrere interessante Ergebnisse:
  • Trotz der teilweise rasanten Entwicklung bei den Bankomatzahlungen und der hohen Wachstumsraten beim Quick-System ist in Österreich  Bargeld immer noch das mit Abstand wichtigste Zahlungsmittel. Gemessen an der Anzahl der Zahlungen entfällt auf Bargeld immer noch ein Anteil von 93%, in Prozent des gesamten Zahlungsvolumens entsprechen die Transaktionen mit Banknoten und -münzen einem Anteil von 81%. Im Vergleich mit 1996 ist es zwar zu dem erwarteten Substitutionsprozess von den Bargeldzahlungen zu den unbaren Zahlungsformen gekommen, interessanterweise sind jedoch auch signifikante Nutzungsverschiebungen innerhalb der unbaren Zahlungsformen zu verzeichnen. Insbesondere wurden Kreditkarten- und Scheckzahlungen durch Zahlungen mittels Bankomatkarte substituiert.
  • Die Untersuchung der Zahlungskartenverbreitung und –nutzung zeigt, dass die Point-of-Sale (POS)-Zahlungen nach wie vor stark wachsen. Noch höhere Wachstumsraten werden derzeit beim Quick-System erzielt, dessen Nutzung aber immer noch vergleichsweise gering ist. Aus den Umfrageergebnissen über die beabsichtigte zukünftige Nutzung der Karten geht hervor, dass mit einer deutlich zunehmenden Verwendung von Zahlungskarten  gerechnet werden kann.
  • Schließlich wird in der Studie mittels Diskriminanzanalyse  untersucht, welche Faktoren für die Entscheidung, eine bestimmte Zahlungsform zu wählen, ausschlaggebend sind. Als Trennvariablen zur Unterscheidung der beiden Gruppen werden Kenngrößen wie das Alter, die Schulbildung, das persönliche Einkommen, die Bargeldhaltung, usw. gewählt. Untersuchungen dieser Art können als Unterstützung bei der Erkennung künftiger Trends über die Beweggründe zur zukünftigen Wahl einer bestimmten Zahlungsform herangezogen werden. Die Resultate zeigen, dass der künftige Erwerb einer Zahlungskarte bzw. die Nutzung von Internetbanking vor allem mit dem Alter, der Schulbildung und dem persönlichen Einkommen zusammenhängen.
Da sich die Zahlungsgewohnheiten nur sehr langsam zu ändern scheinen, lassen die Ergebnisse der Studie den Schluss zu, dass mittelfristig mit keiner geldpolitisch relevanten Verdrängung von Bargeld durch neue innovative Zahlungsmittel zu rechnen ist. Zukünftigen Studien muss derzeit noch die interessante Frage vorbehalten bleiben, inwieweit sich das Zahlungsverhalten privater Haushalte in Österreich durch die Einführung des Eurobargeldes verändert.

Die Publikation „Berichte und Studien 1/2002“ wird hier ab Dienstag, den 19. März 2002, im Internet auf der Homepage der Oesterreichischen Nationalbank zur Verfügung gestellt werden.