Presseaussendung
OeNB: Wachstumsdynamik der Beitrittskandidaten nimmt zu
"OeNB veröffentlicht Wirtschaftseinschätzung für Mittel- und Osteuropäische Staaten 2002-2003"
Wien, 16. 4. 2002
Für die zentraleuropäischen EU-Beitrittsländer wird für heuer ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von etwa 2,5% erwartet, was in etwa dem vorjährigen BIP-Zuwachs entspricht. In diesem gewichteten Durchschnitt sind jedoch deutlich unterschiedliche Einschätzungen für die einzelnen Länder enthalten, betonte Vize-Gouverneurin Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell bei der Präsentation der neuen Daten. Während für Polen heuer erneut mit einem niedrigen Wachstum gerechnet wird (1,5%), sollte das Wachstum in den anderen zentraleuropäischen Beitrittsländern (Slowenien, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn) zwischen 3,2% und 3,5% zu liegen kommen. Für Russland wird eine weitere Wachstumsabschwächung von 5,0% im Vorjahr auf 3,5% im heurigen Jahr prognostiziert.
Im Jahr 2003 rechnet die OeNB mit einer markanten Beschleunigung des BIP-Wachstums in Polen (3,0%) und Slowenien (4,7%). In der Slowakei, der Tschechischen Republik und in Ungarn hingegen dürfte der Wachstumsimpuls 2003 dafür genutzt werden, notwendige Korrekturmaßnahmen im Bereich der Fiskalpolitik sowie der Lohnpolitik durchzuführen, sodass die Beschleunigung des BIP-Wachstums etwas geringer ausfällt, der BIP-Zuwachs aber dennoch 3,0% bis 4,0% erreicht. Russland nähert sich mit 4,3% wieder dem Wachstumstempo des vergangenen Jahres an.
Tabelle: Reales BIP-Wachstum 2001 – 2003
Maßgeblicher Faktor für das Wirtschaftswachstum in den zentraleuropäischen Beitrittskandidaten wird aufgrund der hohen Exportverflechtung mit der EU der erwartete Konjunkturaufschwung in der Europäischen Union sein. Sowohl die Zunahme bei den Nettoexporten als auch ein Ansteigen von exportorientierten Investitionen werden die Wirtschaftsentwicklung in dieser Region stärken.
Der größte Unsicherheitsfaktor in dieser Einschätzung ist die künftige Entwicklung des Ölpreises. Während ein Ansteigen des Ölpreises die Perspektiven der zentraleuropäischen Beitrittsländer tendenziell dämpfen würde, sollte dies das Wachstum des Ölexporteurs Russlands begünstigen.
Für Österreich, das innerhalb der EU mit Abstand den höchsten Außenhandelsanteil mit dieser Region hat, gewinnt die Wirtschaftsentwicklung in den mittel- und osteuropäischen Staaten zunehmend an Bedeutung. So flossen im Jahr 2000 13,5% der österreichischen Exporte in die Beitrittskandidatenländer, der Anteil der Importe betrug 10,0%. Der hohe Anteil österreichischer Direktinvestitionen in diesen Ländern (2001: Slowenien: 25,1%, Slowakei: 21,4%, Ungarn: 9,4%, Tschechische Republik: 8,5%, Polen: 2,3%) zeigt neben der hohen Anzahl der von österreichischen Unternehmen kontrollierten Tochterfirmen (2000: Slowenien: 569, Slowakei: 1820, Ungarn: 2250, Tschechische Republik: 3210, Polen: 850) die starke Wirtschaftsverflechtung zwischen diesen Staaten und Österreich.
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Mag. Wolfdietrich Grau
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