Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im ersten Quartal 2002

Wien, 29. 5. 2002


  • Die ersten drei Monate des Jahres 2002 verliefen für die in Österreich tätigen Kreditinstitute hinsichtlich der Bilanzsummenentwicklung nicht mehr so dynamisch wie noch in den Vergleichsperioden der Vorjahre.
  • Der Stand der Direktkredite stagnierte bei knapp 233 Mrd EUR, nachdem er im ersten Quartal 2001 um 0,6% gesunken war. Einem Zuwachs von 4,9% bei den Fremdwährungsausleihungen stand eine Abnahme von 1,1% der Eurokredite gegenüber.
  • Nach einem äußerst starken Vorjahr reduzierte sich der Einlagenstand in den ersten drei Monaten 2002 bereits um 0,4%. Trotz gleichbleibenden Zinsniveaus erhöhte sich der Stand der Spareinlagen in den ersten drei Monaten 2002 spürbar langsamer als im Vorjahr.    

 


Geringeres Bilanzsummenwachstum


Die ersten drei Monate des Jahres 2002 verliefen für die in Österreich tätigen Kreditinstitute hinsichtlich der Bilanzsummenentwicklung nicht mehr so dynamisch wie noch in den Vergleichsperioden der Vorjahre: Nach einem Wachstum von 22,49 Mrd EUR (+4,3%) im Jahr 2000 und einem Plus von 9,58 Mrd EUR (+1,7%) im Jahr 2001 lag der Bilanzsummenanstieg im ersten Quartal 2002 nur noch bei 1,16 Mrd EUR (+0,2%). Die Hauptgründe für diesen schwachen Anstieg waren auf der Aktivseite vor allem in der geringen Nachfrage nach Krediten zu suchen. Passivseitig reduzierten sich vor allem die Einlagen.


Wie bereits im Vorjahr verringerte sich der Marktanteil der fünf größten (Einzel-)Kreditinstitute gemessen an der Bilanzsumme auch im ersten Quartal 2002 (2002: von 45,7% auf 44,7%). Auch jener der zehn größten Institute reduzierte sich um –0,4 Prozentpunkte auf 56,9%.



 

Direktkredite stagnieren


Nach einem eher schwachen ersten Quartal 2001, in dem die Direktkredite in Summe um 1,30 Mrd EUR oder 0,6% gesunken waren, stagnierte ihr Stand 2002 praktisch bei knapp 233 Mrd EUR. Die Schere zwischen der Vergabe von Fremdwährungs- und Eurokrediten öffnete sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum wieder etwas weiter: Einem Zuwachs von 2,07 Mrd EUR (+4,9%) bei den Fremdwährungsausleihungen stand eine Abnahme von 2,10 Mrd EUR (–1,1%) der Eurokredite gegenüber. In der Vergleichsperiode 2001 waren die Fremdwährungsausleihungen um 0,05 Mrd EUR (+0,1%) gewachsen und die Eurokredite um 1,34 Mrd EUR (–0,7%) gesunken. Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Direktkrediten lag im März 2002 bei 19,1% nach 17,7% bzw. 21,3% in den Vergleichsmonaten der Jahre 2001 und 2000.


Bei Betrachtung der Kredite nach ihrer Höhe zeigte sich, daß der Großteil der Eurokredite bis zu einem Betrag von 10.000.– EUR in Anspruch genommen wurde, wobei es sich hier aber sehr oft um Überziehungskredite handelte. Fremdwährungskredite wurden hingegen vorwiegend zwischen 100.000.– EUR und 500.000.– EUR vergeben.

Rund 49% aller Fremdwährungsausleihungen waren in Schweizer Franken denominiert – 7 Prozentpunkte weniger als noch im März des Vorjahres. Seit Beginn des Jahres erhöhten sich die CHF–Ausleihungen allerdings wieder um 0,3 Mrd EUR (+1,5%), während sie in der Vergleichsperiode des Vorjahres noch um 3,8% gesunken waren. Da sich der Kurs des CHF im selben Zeitraum ähnlich erhöhte, dürfte es sich aber hauptsächlich um kursbedingte Zuwächse gehandelt haben. Nach den extrem hohen Zuwachsraten in den Jahren 1998 und 1999 stiegen die Ausleihungen in Japanischen Yen im ersten Quartal 2002 nur noch um 0,7 Mrd EUR oder 3,8%. Auch bei diesem Anstieg dürfte es sich hauptsächlich um eine kursbedingte Veränderung gehandelt haben. Im Vergleichsquartal des Vorjahres war der Zuwachs immerhin noch bei 0,9 Mrd EUR (+6,0%) gelegen. Der Anteil der JPY-Kredite an allen Fremdwährungsausleihungen belief sich im März 2002 auf 41,8% und ist kontinuierlich im Steigen begriffen. 

Nach wie vor bestanden regionale Unterschiede in der Verteilung der Fremdwährungs-kredite: So lag ihr Anteil an den gesamten Direktkrediten in den östlichen Bundesländern 1) bei rund 16% (März 2001: 14%), wogegen die westlichen Bundesländer bei einem Anteil von rund 33% (März 2001: 31%) hielten. Im Osten Österreichs stiegen die neu aufgenommenen Fremdwährungskredite seit Beginn des Jahres relativ deutlich um 3,7%, während „Österreich West“ auf eine Zuwachsrate von nur 2,9% kam. 

Die Wertberichtigungen bezogen auf Kundenforderungen erreichten im März 2002 einen Stand von 3,38%, das waren um 0,32 Prozentpunkte mehr als noch im Dezember 2001 und der höchste Wert seit Juni 1999.



 

Mittelaufkommen sinkt


Nach einem äußerst starken Vorjahr (März 2001: +3,22 Mrd EUR oder +1,8%) reduzierte sich der Einlagenstand in den ersten drei Monaten 2002 bereits um 0,75 Mrd EUR oder 0,4%. 


Der Rückgang der Einlagen wurde hauptsächlich von den Termineinlagen hervorgerufen, welche im März 2001 noch um 2,57 Mrd EUR (+12,7%) gestiegen waren, im Vergleichszeitraum 2002 aber bereits um 1,75 Mrd EUR (–6,9%) sanken. Die Sichteinlagen, zu denen auch die Gehalts- und Pensionskonten zählen, erhöhten sich in den ersten drei Monaten 2002 nach einer Stagnation in der Vergleichsperiode 2001 um 0,75 Mrd EUR oder 1,9%. Trotz gleichbleibenden Zinsniveaus – der durchschnittliche Zinssatz für Spareinlagen über 12 Monate Laufzeit blieb seit Dezember 2001 unverändert bei 2,78% – erhöhte sich der Stand der Spareinlagen in den ersten drei Monaten 2002 mit 0,25 Mrd EUR (+0,2%) weiterhin, wenn auch spürbar langsamer als im Vorjahr (+0,65 Mrd EUR oder +0,5%).



 

 

Auslandsgeschäft floriert weiterhin

In den letzten Jahren gewann das Geschäft mit dem Ausland – u. a. auch deswegen, weil die Auslandsverflechtung der Kreditinstitute immer größer wird – sukzessive an Bedeutung. Auch im ersten Quartal 2002 war das Auslandsgeschäft mit einem Plus von 5,41 Mrd EUR (+3,5%) aktivseitig hauptverantwortlich für das Bilanzsummenwachstum. Passivseitig sanken die Auslandsverbindlichkeiten – im Gegensatz zum Vorjahr, als noch eine Zunahme von 4,35 Mrd EUR (+2,5%) ausgewiesen worden war – geringfügig um 0,18 Mrd EUR (–0,1%). 



Eigenmittelausstattung weiterhin im Steigen begriffen

Per Ende März 2002 hielten die in Österreich tätigen Kreditinstitute 42,94 Mrd EUR an Eigenmittel; das waren um +0,96 Mrd EUR (+2,3%) mehr als noch zu Beginn des Jahres. Die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage erhöhte sich seit Jahresbeginn um 0,4 Prozentpunkte auf 15,0%. Die Mindestausstattung liegt laut Bankwesengesetz bei 8%.

Tabelle: Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

1) Als östliche Bundesländer wurden Niederösterreich und das Burgenland definiert. Wien wurde aus Gründen der Transparenz nicht berücksichtigt. Die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurden als „Österreich West“ eingestuft.



1) Als östliche Bundesländer wurden Niederösterreich und das Burgenland definiert. Wien wurde aus Gründen der Transparenz nicht berücksichtigt. Die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurden als „Österreich West“ eingestuft.