Presseaussendung


Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1. Quartal 2002

Wien, 4. 6. 2002


Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung März 2002.
In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst.

 

  • Steigerung des Betriebsergebnisses um +1,4% auf 1,03 Mrd EUR 
  • Nettozinsertrag und Saldo aus Finanzgeschäften entwickelten sich positiv, Provisionserträge und Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen waren rückläufig 
  • Deutlich höher erwarteter Wertberichtigungsbedarf im Kreditgeschäft für das gesamte Geschäftsjahr 2002  

 

Im 1. Quartal 2002 lag das Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute mit 1,03 Mrd EUR um +1,4% über dem Wert der Vergleichsperiode 2001. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur Bilanzsumme betrug zum Berichtstermin 0,18% und blieb gegenüber der Vergleichsperiode 2001 unverändert. In den ersten 3 Monaten des Jahres 2002 meldeten die Kreditinstitute eine Steigerung der Betriebserträge um +0,08 Mrd EUR oder +2,6% auf 3,35 Mrd EUR. Die Betriebsaufwendungen stiegen mit +0,07 Mrd EUR bzw. +3,1% auf 2,31 Mrd EUR betragsmäßig geringer an. Die cost-income-ratio verschlechterte sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 0,4%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 69,2%. Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme blieben sowohl die Betriebserträge als auch die Betriebsaufwendungen im Vergleich zum 1. Quartal 2001 unverändert.

 

Im 1. Quartal 2002 belief sich der Nettozinsertrag auf 1,75 Mrd EUR und lag mit +7,1% deutlich höher als in der Vergleichsperiode 2002. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen betrug im 1. Quartal 2002 52,4% und konnte mit +2,3%-Punkten deutlich gesteigert werden. Die Relation Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme belief sich auf 0,30% und lag geringfügig über dem Wert der Vergleichsperiode 2001. Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge lagen mit 5,94 Mrd EUR um -18,0% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2001. Zugleich verringerten sich die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen mit -25,4% auf einen Stand von 4,18 Mrd EUR deutlich stärker. Somit kann im 1. Quartal 2002 eine positive Entwicklung des Nettozinsertrages beobachtet werden. Die in Österreich tätigen Kreditinstitute konnten offensichtlich die für sie überaus günstige Situation einer steilen Zinskurve nutzen. Während nämlich die kurzfristige Refinanzierung – ausgedrückt durch den EZB-Hauptrefinanzierungssatz – niedrig war, stiegen die mittel- und langfristigen Euriborsätze wieder deutlich an. Mit Hilfe dieser Konstellation konnten Österreichs Kreditinstitute im 1. Quartal 2002 ihre Ertragssituation entscheidend verbessern. Weiters können das steigende Ertragsbewusstsein bei der Kreditvergabe, aber auch der Anstieg der Spareinlagen und die daraus resultierenden günstigeren Refinanzierungsmöglichkeiten als Gründe für die Ausweitung des Nettozinsertrages angeführt werden. 

 

Im 1. Quartal 2002 beliefen sich die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft auf 0,35 Mrd EUR und lagen mit -5,3% unter dem Wert des Vergleichsquartals 2001. Dabei verringerten sich in erster Linie die Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen1).

 

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft betrug 0,78 Mrd EUR und verringerte sich gegenüber dem Vergleichsquartal 2001 mit -5,3% klar. Insbesondere die Provisionserträge aus Wertpapiergeschäft (-0,03 Mrd EUR) sind stark gesunken. Aber auch im Ertragssegment Provisionserträge aus dem Devisen-, Sorten- und Edelmetallgeschäft mussten im 1. Quartal 2002 Rückgänge (-0,02 Mrd EUR) be-obachtet werden. Dies ist zum größten Teil auf die Eurobargeldeinführung zurückzuführen. Die Wechselspesen von allen „EURO-Vorläufer Währungen“ fallen künftig als Ertragsquelle weg, im 1. Quartal 2002 konnten die Kreditinstitute lediglich noch aus dem Rücktausch von vorhandenen Altbeständen Erträge erzielen.  Zunahmen konnten hingegen im Bereich Provisionserträge aus dem Zahlungsverkehr sowie aus dem Dienstleistungsgeschäft erzielt werden.  Die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den gesamten Betriebserträgen betrug im 1. Quartal 2002 23,2% und sank mit -2,0%-Punkten deutlich gegenüber dem Vergleichswert 2001.

 

Der positive Saldo aus dem Finanzgeschäft war mit 0,14 Mrd EUR im 1. Quartal 2002 um +4,9% höher als in der Vergleichsperiode 2001. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Ertragssegmenten des Finanzgeschäftes durchaus unterschiedlich ausgefallen. So konnten beim Saldo aus dem Devisen-, Sorten- und Edelmetallgeschäft und beim Saldo aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden, Anstiege verzeichnet werden. Beim Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften musste allerdings ein Rückgang festgestellt werden. Der Anteil des Handelsergebnisses an den gesamten Betriebserträgen betrug zum Berichtszeitpunkt 4,2% und konnte gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres leicht gesteigert werden.

 

Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen waren mit +3,0% auf 1,92 Mrd EUR geringer angestiegen als in der Vergleichsperiode des Vorjahres (1. Quartal 2001: +5,9%). Dabei erhöhten sich die Personalaufwendungen mit +4,0% auf einen Stand von 1,18 Mrd EUR. In Relation zu den gesamten Betriebsaufwendungen erhöhten sich die Personalaufwendungen um +0,4%-Punkte auf 50,8%. Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) stiegen im 1. Quartal 2002 mit +1,5% auf 0,75 Mrd EUR deutlich geringer als in der Vergleichsperiode des Vorjahres (1. Quartal 2001: +7,0%). Die Relation Sachaufwand zu den gesamten Betriebsaufwendungen betrug 32,2% (Vergleichsperiode 2001: 32,8%).

 

Für das gesamte Geschäftsjahr 2002 rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute mit einem Betriebsergebnis von 4,21 Mrd EUR, welches mit +7,0% klar über dem Wert der Vergleichsperiode 2001 liegt. Allerdings wird der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich mit 1,89 Mrd EUR um +24,0% deutlich über dem Schätzwert des Vorjahres angesetzt. Dabei werden in erster Linie die erwarteten Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden (+0,31 Mrd EUR) höher als in der Vergleichsperiode des Vorjahres erwartet. Trotz erwartetem Konjunkturaufschwung rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute auch im Jahr 2002 mit stark erhöhten Risikovorsorgen. Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass erst ungefähr ein Jahr nach Wirtschaftsbelebung mit sinkenden Kreditausfällen zu rechnen ist. Nachdem seit 1996 im Bereich Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen stets ein ertragswirksamer Saldo bestand, wird für das laufende Jahr eine gegenläufige Entwicklung erwartet. Es werden mehr Wertberichtigungen gebildet als aufgelöst; es ergibt sich ein Saldo von 0,02 Mrd EUR, welcher im Jahr 2002 aufwandswirksam wird (2001: -0,06 Mrd EUR). Insbesondere bei den bereits realisierten Veräußerungsgewinnen aus Aktivposten 5-8 der Bilanz, die ja im Vorjahr besonders stark angestiegen sind, wird eine rückläufige Entwicklung (-0,06 Mrd EUR) erwartet. Aber auch bei den erwarteten Erträgen aus der Auflösung von Wertberichtigungen für Aktivposten 5-8 der Bilanz (-0,01 Mrd EUR) wird für das Jahr 2002 mit einer abnehmenden Entwicklung gerechnet. 

 

Nach Berücksichtigung sämtlicher Bewertungsmaßnahmen und Risikokosten ergibt sich für das Jahr 2002 ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,30 Mrd EUR (2001: 2,47 Mrd EUR). Für das Jahr 2002 wird ein a. o. Aufwand von 0,07 Mrd EUR erwartet (Vergleichsperiode 2001: 0,08 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,39 Mrd EUR und werden gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres mit -8,9% geringer eingeschätzt. Daraus folgend rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute im Jahr 2002 mit einem Jahresüberschuss von 1,85 Mrd EUR, welcher mit -5,7% klar unter dem Wert der Vergleichsperiode 2001 liegt.



Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Wie bereits in vergangenen Berichten dargestellt, konnten in den letzten Jahren im Bereich der Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen Ertragssteigerungen beobachtet werden, die zum überwiegenden Teil aus Bankverflechtungen stammen, sodass es zu Doppelzählungen kommen konnte. Durch Eingliederungsmaßnahmen kommt es zum Wegfall einiger Doppelzählungen und damit zu geringeren Ertragssteigerungen aus solchen Doppelzählungen als in den vergangenen 3 Jahren.

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