Presseaussendung


OeNB Prognose zeigt vorsichtigen Konjunkturoptimismus für die Jahre 2002 bis 2004

Wien, 12. 6. 2002


Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geht in ihrer Frühjahresprognose von einem kräftigen konjunkturellen Aufschwung im Laufe des Jahres 2002 aus. Diese Annahme gründet in erster Linie auf vorauslaufenden Indikatoren, während sich die „hard facts“ dafür noch nicht völlig überzeugend präsentieren. Bedingt durch den ausgeprägten Wachstumseinbruch Mitte des Vorjahres wird das reale BIP im Gesamtjahr 2002 um 1,1% wachsen, was um 0,2 Prozentpunkte über den Annahmen der OeNB-Herbstprognose 2001 liegt. Nach einem ersten vom Außenhandel ausgehenden Konjunkturimpuls werden steigende verfügbare Einkommen der Haushalte den Aufschwung weiter tragen, so dass sich das reale BIP-Wachstum in den Jahren 2003 und 2004 auf rund 2 ½% erhöhen wird. Die HVPI-Inflationsrate wird im Jahr 2002 1,6% betragen. Im weiteren Verlauf des Prognosehorizonts wird die Inflation weitgehend unverändert bleiben und sich auf niedrigem Niveau bei 1,6% (2003) bzw. 1,7% (2004) stabilisieren.


Der Konsum der privaten Haushalte wird weiterhin die wesentliche Stütze der österreichischen Konjunktur darstellen. Auf Grund der anhaltend niedrigen Inflation wird der Privatkonsum im Laufe des Jahres 2002 wieder an Dynamik gewinnen. Höhere verfügbare Haushaltseinkommen führen in den Jahren 2003 und 2004 zu einer weiteren Beschleunigung des Wachstums. Nach dem Einbruch im Vorjahr wird für 2002 mit einer Erholung der Investitionstätigkeit gerechnet. Vor dem Hintergrund sich verbessernder internationaler Rahmenbedingungen und angesichts günstiger Finanzierungsbedingungen sollten im Vorjahr aufgeschobene Investitionsprojekte heuer realisiert werden. Das Wachstum der Investitionen wird 2002 leicht positiv sein und sich in den Jahren 2003 und 2004 dann deutlich auf jeweils 3,6% beschleunigen. Auch im Bausektor sollte eine langsame Erholung eintreten.


Die Erholung der Weltwirtschaft wird das Wachstum der realen Exporteim Jahresverlauf 2002 deutlich beleben. Die Nettoexporte (Exporte minus Importe) werden aber erst in den Jahren 2003 und 2004 wieder positive Wachstumsbeiträge von jeweils 0,4 Prozentpunkten liefern. Für 2002 wird auf Grund der höheren Ausrüstungs- und Lagerinvestitionen eine Ausweitung des Defizits der Güter- und Dienstleistungsbilanz erwartet, bevor es in den Jahren 2003 und 2004 wieder zu einer leichten Verbesserung kommt. Die OeNB geht von einem moderaten Anstieg des Leistungsbilanzdefizits im Jahr 2002 auf 2,6% des BIP aus, ehe im Laufe der Jahre 2003 und 2004 ein Abbau auf 2,3% erfolgen wird. Hervorzuheben ist, dass das gesamte Leistungsbilanzdefizit des Jahres 2004 auf die Entwicklung der Einkommens- und Transferbilanz zurückzuführen sein wird. Die Bilanz der Güter und Dienstleistungen wird hingegen zum ersten Mal seit 1993 wieder ausgeglichen sein.

 

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird vor allem durch die konjunkturelle Lage bestimmt und 2002 zu einer Stagnation der Beschäftigung führen. In den Jahren 2003 und 2004 ist unter der Annahme moderater Lohnerhöhungen ein Anstieg der unselbständig Beschäftigten von jeweils 0,9% zu erwarten. Die Arbeitslosenquote nach EU-Definition wird im Gesamtjahr 2002 auf 3,9% steigen, ehe sie in den beiden folgenden Jahren wieder auf 3,7% bzw. 3.6% zurückgeht. Mit einem Überschuss von 0,1% des BIP konnte der öffentliche Sektor im Jahr 2001 das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes für den Gesamtstaat früher als geplant erreichen. Für die Jahre 2002 und 2003 ist allerdings mit einem vor allem konjunkturell bedingten geringen Defizit zu rechnen. Neben der Nachwirkung konjunktureller Effekte aus den Jahren 2001 und 2002 Im Jahr 2003 werden im Jahr 2003 die angenommene Senkung der Lohnnebenkosten sowie höhere Lohnabschlüsse im öffentlichen Sektor das Budget belasten. Für 2004 sollte sich dann – ohne weitere diskretionäre Maßnahmen – ein leichter Budgetüberschuss ergeben.

Tab. 1: Hauptergebnisse der OeNB-Prognose vom Frühjahr 2002 für Österreich

Die Langfassung der Prognose steht im Internet unter Publikationen als pdf-Dokument zur Verfügung.