"Eine institutionelle Neuordnung der Finanzaufsichtsstrukturen in Europa kann nur unter weitgehender Einbindung der Nationalen Zentralbanken erfolgreich sein" kommentierte die Vize-Gouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, am zweiten Tag der Volkswirtschaftlichen Tagung die durch die Finanzminister Gordon Brown und Hans Eichel neu initiierte Debatte über die für Finanzaufsicht zuständigen Komitees in der Europäischen Union. Jede Steigerung der Effizienz und Effektivität der Europäischen Finanzaufsichtsgremien sei natürlich zu begrüßen. Dabei müsse allerdings sichergestellt sein, dass einerseits all jene Institutionen eingebunden seien, die einen Beitrag zur Finanzmarktstabilität und -regulierung zu leisten hätten (also Finanzministerien, Nationale Zentralbanken und Aufsichtsinstitutionen), und andererseits auf bestehenden Strukturen aufgebaut werde, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.
Die Bedeutung, Nationale Zentralbanken (NZBen) in die für Finanzaufsicht zuständigen Komitees einzubinden, basiere auf deren Expertise und dem durch den EG-Vertrag vorgegebenen Arbeitsauftrag, betonte Tumpel-Gugerell. So hätten die NZBen eine ausgezeichnete Kenntnis des heimischen Finanzsektors, könnten die Brücke zwischen Stabilität auf Einzelinstitutsebene und Systemstabilität des Finanzsystems schlagen und müssten darüber hinaus immer dann eingeschalten werden, wenn es gelte, eine Finanzkrise kurzfristig abzuwenden. Im Interesse der Wahrung der Stabilität des Europäischen Finanzmarktes und einer positiven Weiterentwicklung der Finanzmarktregulierung in Europa müsse man inhaltliche Erfordernisse über kurzfristige politische Überlegungen stellen.
In Bezugnahme auf das Konferenzthema "Wettbewerb der Regionen und Integration in der WWU" machte die Vize-Gouverneurin darauf aufmerksam, dass auch im gemeinsamen Währungsraum unterschiedliche ökonomische Entwicklungen der Regionen zum Alltag gehören würden. Man müsse mit den Grenzen leben lernen, die sich bezüglich der Konvergenzbemühungen offenbarten. Im Gegenteil: es müsse die Vielfalt der ökonomischen und institutionellen Landschaft im Euroraum als Vorteil anerkannt werden. In der Gestaltung und Umsetzung der Wirtschaftspolitik in Europa sei daher eine intensive Zusammenarbeit aller jener Institutionen notwendig, die eine wichtige wirtschaftspolitische Rolle in der EU hätten, betonte Tumpel-Gugerell.
Presseaussendung
Einbindung der Nationalen Zentralbanken in die Europäischen Aufsichtsgremien erforderlich
2. Teil der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB
Mag. Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, Vize-Gouverneurin
Wien, 14. 6. 2002
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
- Weiterempfehlen
- This page in English