Presseaussendung


Die "EURO-Tour" der OeNB und die neuen Studienergebnisse der "EURO-Begleitforschung – 3. Welle"

Direktor Dr. Duchatczek im Rahmen eines Pressegespräches

Wien, 27. 6. 2002


Reibungslose Bargeldumstellung – Gewöhnung an den Euro bereits weit fortgeschritten


Die Einführung des Euro zum Jahreswechsel ist dank der perfekten Vorbereitung und Planung, sowie der ausgezeichneten Kooperation aller Beteiligten, der Bundesregierung, des BMI, der Banken und der Werttransporteure, reibungslos über die Bühne gegangen. Heute, rund ein halbes Jahr nach Einführung, kann festgestellt werden, dass die Umstellung auf den Euro auch im alltäglichen öffentlichen und privaten Leben problemlos vor sich gegangen ist. Die hohe emotionale Begeisterung der Österreicher und die große Akzeptanz des Euro unter der Bevölkerung vom ersten Tag an, waren dafür die wichtigsten Grundsteine. 


Die neusten Ergebnisse der qualitativen Euro-Begleitforschung "Dritte Welle" untermauern die positive Einstellung und die bereits weit fortgeschrittene Gewöhnung der Bevölkerung an die neue Währung. 

Euro-Wertverständnis steigt kontinuierlich an


Das Euro-Wertverständnis der Bevölkerung steigt wie erwartet kontinuierlich an. Das heißt, dass die Österreicher mit jedem Tag ein besseres Gefühl für den Wert des Euro entwickeln. So konnten etwa mehr als die Hälfte der Befragten spontan EUR 400 ziemlich exakt in Schilling umrechnen. Auf die Frage "Wieviel sind 400 Schilling in Euro?", gaben sogar mehr als 3/4 der Befragten einen annähernd richtigen Wert an. Nur mehr ein Zehntel liegt bei der spontanen Umrechnung noch weit vom richtigen Betrag entfernt. Die Schätzgenauigkeit der Bevölkerung hat sich somit seit der letzten Untersuchung deutlich verbessert. Insbesondere die Umrechnung von kleinen Schilling-Beträgen stellt für die meisten kein Problem mehr dar. 

Auch die Wertmaßstäbe, also Richtpreise wie etwa der Preis für einen Liter Milch, entwickeln sich sehr positiv. So konnten mehr als 2/3 der Befragten realistische Preise für einen Liter Milch, für ein durchschnittliches Fernsehgerät oder für einen Marken-PC nennen. Lediglich bei sehr hohen Beträgen, wie dem Preis für ein Auto, sind die Antworten der Befragten noch ungenau und liegen weit auseinander. 

Hilfsmittel zur Euro-Umrechnung werden nur mehr wenig gebraucht


Die fortschreitende Umgewöhnung auf den Euro schlägt sich auch in der Frequenz der verwendeten Hilfsmittel nieder – der Gebrauch dieser Hilfsmittel sinkt deutlich. Knapp die Hälfte der Befragten verzichten völlig auf jegliche Hilfsmittel zur Euro-Umrechnung. Nur mehr die rund andere Hälfte der Befragten verwenden gelegentlich – und wenn, dann nur bei hohen und nicht-alltäglichen Eurobeträgen – einen Taschenrechner, eine Umrechnungstabelle oder ähnliches. 

EUR-2-Münze voll akzeptiert


Die Rufe nach einer EUR-2-Banknote und die Befürchtung, die Österreicher würden sich nicht an die EUR-2-Münze gewöhnen, haben sich als verfrüht erwiesen. Heute bestätigen bereits 2/3 der Befragten, dass sie sich bereits gut an die EUR-2-Münze gewöhnt hätten und somit keinen EUR-2-Banknote mehr bräuchten. Lediglich ein Drittel der Befragten würden noch immer gerne einen EUR-2-Banknote sehen. 

Praktisch keine Auswirkung auf Kaufverhalten

Die Euro-Einführung hat zu keiner nennenswerten Auswirkung auf das Kaufverhalten der Befragten geführt, sagen die Befragten. So gut wie niemand hat – im Rückblick auf die ersten Monate mit der neuen Währung – wegen des Euro auf größere Anschaffungen verzichtet oder wird in den nächsten Monaten darauf verzichten. Lediglich ein Viertel der Befragten gibt an, beim Kaufverhalten etwas vorsichtiger geworden zu sein und beim Einkaufen genau aufzupassen. 

Endgültige Gewöhnung an den Euro dauert etwas länger

Die Erwartungen der Bevölkerung, wie schnell man wirklich gut und geläufig mit dem Euro umgehen wird können, haben sich ganz deutlich nicht erfüllt. So glaubten noch bei der Euro-Einführung viele, dass die "endgültige" Umstellung nur wenige Wochen dauern würde. Tatsächlich glaubt die Mehrheit der Befragten heute, dass es noch ein Jahr und vielleicht auch länger dauern kann, bis der Schilling gänzlich aus den Köpfen verschwunden ist. Die gute Nachricht dabei: Alle anderen Befragungsergebnisse belegen einen sehr hohen Wissensstand und ein sehr hohes Euro-Wertverständnis der Bevölkerung. Die "endgültige Umstellung" kommt daher ganz automatisch, je länger und je öfter der Euro verwendet wird. 

Euro ersetzt DM als Reservewährung in Zentral- und Osteuropa

Während im Schilling ein durchschnittlicher Bargeldumlauf von rund EUR 13 Mrd die Regel war, wurden von der OeNB mit dem Euro bereits EUR 15,8 Mrd. in Umlauf gebracht. Und das, obwohl um 50% weniger Banknoten im Umlauf sind als noch zu Zeiten des Schillings (Durchschnittlicher Banknotenumlauf Schilling: 440 Mio Stk./240 Mio Stk. Von der OeNB ausgegebene Euro-Banknoten.). 

Diese Differenz von EUR 2,8 Mrd ist darin begründet, dass der Euro in den Zentral- und Osteuropäischen Staaten die DM als Reservewährung abgelöst hat und große Teile dieser alten DM Bestände von der OeNB in Euro getauscht wurden. Das erklärt auch die Tatsache, dass die OeNB überproportional viele Euro-Banknoten hoher Denominationen ausgegeben hat. So wurden beispielsweise 11 Mio Stk. EUR-500-Banknoten ausgegeben, während "nur" 8 Mio Stk. EUR-50-Banknoten in Umlauf gebracht wurden. Fließen große Denominationen also einerseits als "Reservewährung" in die Länder Zentral- und Osteuropas ab, so kann andererseits aufgrund des Tourismus ein starker Zufluss von niedrigen Denominationen (Münzen und Banknoten) aus anderen Ländern der Euro-Zone registriert werden. 

EUR-20- und EUR-50-Banknoten in Österreich unterrepräsentiert – Bankomatenumstellung erforderlich Im Gegensatz zu anderen Euro-Ländern, sind die EUR-20- und EUR-50-Banknoten im österreichischen Bargeldmix unterrepräsentiert. Das liegt insbesondere daran, dass diese beiden Denominationen in Österreich nicht über die Outdoor-Geldausgabeautomaten (Bankomaten) ausgegeben werden. Diese werden in Österreich lediglich mit EUR-10- und EUR-100-Banknoten bestückt. 

50% der Bankomaten wären jedoch technisch in der Lage, bis zu 4 verschiedene Banknotenkategorien auszugeben. Im Sinne eines ausgewogenen Bargeldmixes, wäre es aus Sicht der OeNB daher zu begrüßen, wenn die Banken die Bankomaten – neben den EUR-10- und EUR-100-Banknoten – auch mit EUR-20- und EUR-50-Banknoten bestücken würden. 

"EURO-TOUR": Die OeNB kommt zu den Bürgern 

Trotz der reibungslosen Euro-Einführung,, der professionellen Informationskampagnen und der erfolgreichen "Rückholaktionen" wie etwa der "Ö3-Wundertüte" und obwohl der Schilling-Rücklauf im erwarteten Umfang stattgefunden hat, befinden sich noch immer Schilling-Banknoten der letzten Serie im Wert von rund ATS 6 Mrd. (EUR 440 Mio.) im Umlauf. Hinzu kommen noch Schilling-Münzen im Wert von rund. ATS 3 Mrd. (EUR 220 Mio.), sowie Banknoten älterer -bereits aufgerufener Serien – im Wert von ebenfalls rund ATS 3 Mrd. (EUR 220 Mio.). Die durchschnittlich rund 3000 Transaktionen die derzeit täglich an den Kassenschaltern der OeNB bzw. der 9 Zweiganstalten durchgeführt werden, zeigen deutlich, dass ein hoher Bedarf der Bevölkerung besteht, noch vorhandene Schilling-Bargeldbestände in Euro umzutauschen. Aus diesem Grund startet die OeNB als besonderen Service für die Österreicherinnen und Österreicher eine europaweit einzigartige Aktion: die "Euro-Tour". 

Noch nie war die OeNB näher bei den Bürgerinnen und Bürgern als durch die Euro-Umstellung. Diese Nähe soll auch in Zukunft erhalten bzw. noch weiter ausgebaut werden. Von 1. Juli bis 10. Oktober 2002 wird die "Euro Tour" den "OeNB-Bus" durch insgesamt 88 Städte und Gemeinden führen und jeweils einen Tag Halt machen. Dabei werden der Bevölkerung zwei zentrale Services angeboten: Gratistausch von Schilling-Bargeld in Euro, sowie umfassende Informationen rund um den Euro – insbesondere zu den Sicherheitsmerkmalen. 

Gratis Schilling-/Euro-Umtausch vor Ort

Um allen Österreichern die keine Zweiganstalt der OeNB in ihrer Nähe haben, die Möglichkeit zu geben, in nächster Nähe noch im Umlauf befindliches Schilling-Bargeld gratis in Euro zu tauschen, wurden die Stationen der "Euro-Tour" gleichmäßig auf alle Bundesländer verteilt: 16 Stationen in Niederösterreich, 5 im Burgenland, 10 in Kärnten, 12 in Tirol, 6 in Vorarlberg, 7 in Salzburg, 13 in Oberösterreich und 18 in der Steiermark. Um den Gratistausch bei der "Euro-Tour" zu ermöglichen, wurde im Bus eine mobile Kassa eingebaut, die alle Sicherheitsanforderungen der OeNB erfüllt und bei allen Stationen von zwei professionellen Kassieren besetzt sein wird. Wie in jeder Zweigstelle der OeNB, führt der Bus der "Euro-Tour" auch eine Münzzählmaschine mit, bei der die Besucher ihre letzten Schilling-Münzen selbst zählen und schließlich gratis in Euro tauschen können. 

Alle Informationen in einem Bus

Auch wenn sich die Bevölkerung sehr schnell mit dem Euro angefreundet hat, besteht noch immer sehr großes Interesse bei der Bevölkerung an Informationen über den Euro und seine Sicherheitsmerkmale. 

Nach dem Grundsatz: "Fühlen, Sehen, Kippen", liegt Das Hauptaugenmerk der Informationstätigkeit der "Euro-Tour" auf den Sicherheitsmerkmalen des neuen Bargelds. Die Merkmale werden den Besuchern dabei von Experten direkt am "Money Checker" erklärt. Der "Money Checker" ist ein von der Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) entwickeltes, technisch hochwertiges und besonders handliches Banknotenprüfgerät, mit dem rasch und zuverlässig die Echtheit von Banknoten überprüft werden kann. Auch echte "Blüten" können zum Vergleich angesehen und so das rasche Erkennen von möglichem Falschgeld erlernt werden. Bei einem täglichen Gewinnspiel werden in jeder Stadt/Gemeinde einer "Euro-Tour" Station Quick-Cards zu je EUR 100, 50 und 20 verlost. Auch die Gewinnfrage dreht sich rund um die Sicherheitsmerkmale des Euro. 

Mehr Mitgestaltung im ESZB – neue Aufgaben im bargeldlosen Zahlungsverkehr

Nach der erfolgreichen Einführung des Euro sieht es die OeNB mehr als je zuvor als ihre Aufgabe, das hohe Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Stabilität und die Sicherheit ihrer Währung zu gewährleisten und auch weiterhin nachhaltig abzusichern. Dazu zählt nicht nur der sorgsame Umgang mit den Währungsreserven, sondern insbesondere auch die Fortsetzung der Stabilitätspolitik im Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken, wo die Nationalbank mit Sitz und Stimme vertreten ist. Die Mitgestaltungsmöglichkeiten Österreichs in der europäischen Währungspolitik sind damit stärker als sie es jemals waren. 

Neue Aufgabenstellungen sieht die OeNB speziell im Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Kooperationen mit den österreichischen Banken nach dem erfolgreichen Vorbild Geld Service Austria (GSA) will die Nationalbank auch im bargeldlosen Zahlungsverkehr umsetzen. Diese neuen Initiativen werden für den Bürger ein spürbares Mehr an Service und – etwa bei den Auslandsüberweisungen – auch einen Rückgang bei den Kosten bedeuten.



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