Die Euro-Tour, eine europaweit einzigartige Aktion der Oesterreichischen Nationalbank, führte den OeNB-Bus vom 1. Juli bis 10. Oktober durch insgesamt 88 Städte und Gemeinden Österreichs. Dabei wurden der Bevölkerung zwei zentrale Services angeboten: Gratistausch Schilling in Euro und umfassende Informationen rund um den Euro.
Sicherheitskooperation mit BMI und Werttransporteuren garantierte reibungslosen Ablauf der Euro-Tour
Anlässlich der "Euro-Tour" der OeNB wurde die bei der Euro-Bargeldeinführung erfolgreich durchgeführte Kooperation zwischen dem BMI, den Werttransporteuren und der OeNB fortgesetzt. Die permanente Bewachung und Absicherung des OeNB-Busses durch Exekutivbeamte und der täglichen Abtransport sämtlicher Werte und Neubestückung des Busses mit Euro durch die Werttransporteure waren wesentliche Grundlagen, dass die Euro-Tour ohne einen einzigen Zwischenfall durchgeführt werden konnte.
Ansturm auf Euro-Tour übertraf alle Erwartungen
Der Ansturm auf die Euro-Tour übertraf alle Erwartungen. An den 88 Stationen kamen rund 32.000 Österreicherinnen und Österreicher und wechselten gratis ihre letzten Schillinge. Insgesamt wurden bei der Euro-Tour rund 39 Mio. Schilling in Euro getauscht. Dabei konnten von der OeNB mehr als 15 Tonnen alte Schilling-Münzen eingesammelt werden. Der allgemeine Rücklauf von Schilling-Banknoten und Münzen hat sich in den letzten Monaten auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Das bedeutet, dass Monat für Monat ein steter Schilling-Rücklauf zu verzeichnen ist, der aber nicht mehr mit den enormen Mengen der ersten Jahreshälfte vergleichbar ist. In diesem Zusammenhang diente die Euro-Tour in erster Linie als Service für alle Bürger, die keine Zweigstelle der Nationalbank in ihrer Nähe haben. So ermöglichte die OeNB diesen Bürgern ihre letzten Schilling in Euro umzutauschen. Dabei handelte es sich erwartungsgemäß meist um kleinere Beträge (Durchschnittsbetrag: 1.250,-- ATS pro Wechselkunde).
Mit der Euro-Tour die Sicherheitsmerkmale besser kennenlernen
Auf großes Interesse stießen bei der Bevölkerung auch die reichhaltigen Informationen über den Euro und seine Sicherheitsmerkmale mit dem Grundsatz: Fühlen, Sehen, Kippen. Diese Merkmale wurden vielen Besuchern dabei von Experten direkt am "Money Checker" erklärt. Der "Money Checker" ist ein von der Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) entwickeltes, technisch hochwertiges und besonders handliches Banknotenprüfgerät, mit dem rasch und zuverlässig die Echtheit von Banknoten überprüft werden kann. Mittlerweile hat die OeNB seit Jahresbeginn 2.001 Stück Euro-Fälschungen – gegenüber 2.034 gefälschter Schillingnoten und Vorgängerwährungen der anderen Euro-Länder im selben Vergleichszeitraum 2001 – aus dem Umlauf gezogen. Das Falschgeldaufkommen bleibt somit im Jahresvergleich stabil, allerdings war in den Sommermonaten ein saisonal bedingter Anstieg zu verzeichnen.
Spendenaktion "Gib dem Schilling eine letzte Chance": vorläufiges Ergebnis
Unter dem Motto "Gib dem Schilling eine letzte Chance" hat die Oesterreichische Nationalbank gemeinsam mit den heimischen Banken eine Spendensammelaktion für die Hochwasseropfer gestartet. Vom 26. August bis 20. September 2002 wurden in rund 8.000 Bank- und Postfilialen in ganz Österreich Schilling Banknoten und Münzen und natürlich auch Euro entgegengenommen. Mit dieser Aktion hat sich wieder einmal die große Spendenbereitschaft der heimischen Bevölkerung unter Beweis gestellt: Bislang sind rund. 25 Tonnen bzw. 10 Mio. Stück. Münzen zur Bearbeitung in der OeNB eingelangt. Das vorläufige Zählergebnis ergab einen Gegenwert von rund einer halben Million Euro. Nachdem die Bearbeitung bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, rechnet die OeNB mit einem Endergebnis von nahezu 1 Mio. Euro. Die OeNB bedankt sich bei allen Unterstützern und Spendern der Aktion "Gib dem Schilling eine letzte Chance".
Die Studie "Euro Wertverständnis IV"
Die neueste "Eurowertverständnis" Studie von Fessel+GfK und der Arbeitsgruppe Wirtschaftspsychologie, Universität Wien über die Einstellungen, das Wissen und die Erwartungen der Österreicher in Bezug auf den Euro wurde im September 2002 mittels Telefoninterviews von 1000 Personen durchgeführt.
Wirtschaftspessimismus drückt Stimmung in Österreich
Die Studie "Eurowertverständnis Teil IV" wurde gemeinsam mit einer regelmäßig durchgeführten Erhebung im Auftrag der EU zum Thema Wirtschaftsklima (Standard Eurobarometer for the European Comission) erhoben, in der untersucht wird, wie die Österreicher ihre persönliche wirtschaftliche Situation sowie die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in Österreich sehen. Dabei zeigte sich, dass die Österreicher die allgemeine wirtschaftliche Situation, die Frage der Arbeitslosenrate sowie die Frage der Preisentwicklung vorwiegend negativ beurteilen. Diese Einstellung beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass 61% der Befragten meinen, dass in der derzeitigen Situation gespart werden sollte und 45% angeben, in den nächsten 12 Monaten auch wirklich sparen zu können. Dieser allgemein vorherrschende Wirtschaftspessimismus ist verbunden mit der subjektiven Meinung, die Preise hätten sich spürbar erhöht.
Zustimmung zum Euro pendelt sich dennoch mit 71% in stabiler Höhe ein
Österreich konnte bei allen Umfragen im Zuge der Einführung des Euro stets eine der höchsten Zustimmungen der Bevölkerung verzeichnen. Dieses Bild hat sich trotz der leicht pessimistischen Stimmung betreffend der Wirtschaftssituation auch mit der vierten Eurowertverständnis Studie bestätigt. Selbst nach Abflauen des ersten "Euphorie-Schubes", bei dem Ende 2001 und Anfang 2002 bis zu 74% der Bevölkerung meinten, der Euro sei "eine gute Sache", pendelte sich die Zustimmung der Österreicher zum Euro auf stabil hohem Niveau ein. Heute sagen immer noch 71% der Bevölkerung, dass die Einführung des Euro eine gute Sache ist.
93% kommen mit dem Euro gut zurecht
Bereits im Juli betonte die Oesterreichische Nationalbank, dass sich die Erwartungen großer Teile der Bevölkerung betreffend der Umstellung auf den Euro ganz deutlich nicht erfüllt haben. Die Umstellung von einer von Kindheit an "gelernten" auf eine komplett neue Währung ist vielen Bürgern offensichtlich schwerer gefallen als erwartet. Die Ergebnisse der "Eurowertverständnis IV" zeichnen allerdings wieder ein positives Bild darüber, wie die Österreicher mit dem Euro zurechtkommen. Gaben bereits im Februar 2002 93% der Befragten an, sehr gut, gut oder einigermaßen gut mit dem Euro zurecht zu kommen, so konnte auch im September 2002 der selbe hohe Wert verzeichnet werden. Konkret gaben 24% an, sehr gut mit dem Euro zurecht zu kommen, 39% kommen ganz gut und 30% kommen einigermaßen gut zurecht. 5% kommen noch nicht ganz zurecht und nur mehr 2% (Februar 2002: 6%) kommen noch gar nicht mit dem Euro zurecht.
Österreicher haben sicheres Gefühl für den Euro
Auch wenn die Umstellung etwas länger dauert als erwartet, so entwickeln die Österreicher nach und nach ein sicheres Gefühl für den Euro. So gaben bereits 83% der Befragten an, ein sehr gutes, gutes oder ziemlich gutes Gefühl für den Euro entwickelt zu haben. Konkret rechnen 19% fast nur mehr in Euro, 28% haben ein ziemlich gutes Gefühl und 36% haben ein einigermaßen gutes Gefühl, während 12% angaben, noch eher kein sicheres Gefühl entwickelt zu haben und sich 5% noch gar nicht sicher im Umgang mit dem Euro fühlen.
Umrechnen ja – aber nicht mehr so genau
Während nur mehr 9% der Bevölkerung bei Gütern des täglichen Bedarfs exakt umrechnen, geben bereits 55% der Befragten an, die Euro-Preise überhaupt nie mehr exakt in Schilling umzurechnen. Vor allem bei teuren Produkten geben die Befragten an, noch immer regelmäßig umzurechnen, allerdings werden nach und nach weniger rigide und exakte Umrechnungsarten verwendet. Die Österreicher bedienen sich dabei folgender Strategien:
- "Ich rechne gar nicht um, sondern kaufe ein, was ich brauche"
- "Ich merke mir die Preise von einigen Produkten, die ich immer kaufe und lerne nach und nach zusätzliche Preise"
- "Ich weiß den Umrechnungsbetrag von runden Eurobeträgen (also 5 oder 10 €) und schätze die Zwischenwerte"
Mit dem Euro ist EU wichtiger geworden
Die Einführung des Euro hat positive Auswirkungen auf die Bedeutung der EU in den Augen der österreichischen Bevölkerung. So gaben 75% der Befragten an, dass die EU ihrer Meinung nach durch die Euro-Einführung wichtiger geworden ist und dass die Mitgliedsstaaten mehr und mehr ihre Grenzen verlieren würden. 64% der Bevölkerung sind dabei der Meinung dass das wichtige Projekt der Währungsumstellung sehr gut oder gut bewältigt wurde (23% sagen "einigermaßen" während nur 11% meinen die umstellung hätte mehr schlecht als recht funktioniert) und schreiben die erfolgreiche Euro-Umstellung in erster Linie den Kommerzbanken und der Oesterreichischen Nationalbank zu.
Migrationsstudie: Der Euro ist eine echte europäische Währung
Dass sich der Euro in kürzester Zeit zu einer "echten" europäischen Währung entwickelt hat und damit wesentlich zur Identifikation in Europa beiträgt, beweist auch die Migrationsstudie der OeNB. Demnach ist der Anteil an ausländischen Banknoten und Münzen im heimischen Bargeldumlauf stetig gestiegen. Lag der Anteil an ausländischen Münzen im Mai 2002 noch bei 10%, so hat sich dieser Wert bis Juli bereits auf 14,5% erhöht. Am häufigsten sind in heimischen Geldbörsen die Münzen deutscher (9%) und italienischer (3%) Prägung zu finden. Der Auslandsanteil bei den Banknoten lag im Juli sogar bei 28% (Mai: 20,5%), wobei auch hier die deutschen und italienischen Banknoten am häufigsten vorkommen.
Größter Euro Vorteil: Möglichkeit zu Preisvergleichen
Als wichtigste Vorteile des Euro sehen die Österreicher die Erleichterungen im Tourismus, die Möglichkeit zu Preisvergleichen, die Handelserleichterungen und die Währungsstabilität. Die Euro-Preise am Urlaubsort sehen 95% der Befragten als Erleichterung, wobei 30% eine sehr große Erleichterung, 38% eine große Erleichterung und 27% eher eine Erleichterung identifizieren. Als größter Nachteil wird der Verlust eines Teils der österreichischen Identität gesehen.
Kaufverhalten: 52% geben weniger oder gleich viel, 48% geben mehr aus
48% der Befragten gaben an, sie würden mehr Geld als vor dem Euro ausgeben, gleichzeitig behaupten 38%, dass sie mit dem Euro gleich viel wie früher ausgeben würden. Die restlichen 14% glauben, dass sie weniger ausgeben als zu Zeiten des Schillings. Die Mehrausgaben betreffen in erster Linie die jungen Bevölkerungsschichten bis 29 Jahre, die bereits in vorangegangenen Studien stets angegeben hatten, dass sie anfänglich wahrscheinlich mehr Geld ausgeben würden. Dieser etwas "sorglose" Umgang mit Geld gepaart mit anfänglichen "Umgangsschwächen" mit dem Euro scheint nun in höherem Maße als erwartet eingetroffen zu sein.
Ihre Gesprächspartner sind:
Mag. Dr. Wolfgang Duchatczek, Direktor, Oesterreichische Nationalbank
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bretschneider, Geschäftsführer, FESSEL-GfK
Univ.-Prof. Dr. Erich Kirchler, Institut für Psychologie der Universität Wien
Mag. Katja Meier, Institut für Psychologie der Universität Wien