- Bilanzsumme sinkt um 1,4% – hauptsächlich wegen der Fusion zweier Großbanken im August 2002.
- Direktkredite: +1,5% – Rund drei Viertel des Anstiegs stammten aus Fremdwährungskrediten; Ausleihungen in Schweizer Franken sind wieder besonders beliebt.
- Spareinlagen sinken seit Jahresbeginn 2002 um 0,9%.
Bilanzsumme rückläufig
Die in Österreich tätigen Kreditinstitute reduzierten ihre Gesamtbilanzsumme in den ersten drei Quartalen des heurigen Jahres um 8,47 Mrd EUR oder 1,4%. Dieser seit Beginn der elektronischen Verfügbarkeit der Daten (1978) höchste Rückgang resultierte hauptsächlich aus der Fusion zweier Großbanken im August 2002. Ohne diese beiden Kreditinstitute wäre die Gesamtbilanzsumme aber auch nur um 2,8% gestiegen, was gegenüber dem entsprechenden Vergleichswert1) 2001 ein Minus von 3,8 Prozentpunkten bedeutet hätte.
Anzahl der Kreditinstitute sinkt weiterhin
Auch im bisherigen Jahresverlauf war die Anzahl der in Österreich tätigen Kreditinstitute wieder rückläufig. So verringerte sich die Zahl der Hauptanstalten seit Dezember 2001 um 11, jene der Zweiganstalten und Wechselstuben um 22.
Kreditwachstum nach wie vor schwach
Nach einem Wachstum von 6,95 Mrd EUR (+3,1%) im Zeitraum Jänner bis September 2001 halbierte sich das gesamte Kreditwachstum im 1.–3. Quartal 2002 auf nur noch 3,45 Mrd EUR bzw. +1,5%. Rund drei Viertel des Anstiegs stammten aus Fremdwährungskrediten, die sich seit Beginn 2002 um 2,56 Mrd EUR (+6,0%) erhöhten, während der Zuwachs der Eurokredite nur 0,89 Mrd EUR (+0,5%) betrug.
In der Vergleichsperiode 2001 waren die Fremdwährungskredite um 2,89 Mrd EUR (+7,3%) und die Eurokredite um 4,06 Mrd EUR (+2,2%) gestiegen.
Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten vergebenen Direktkrediten erhöhte sich somit gegenüber Dezember 2001 um 0,8 Prozentpunkte auf 19,0%.
Regional betrachtet lag der Anteil der Fremdwährungsausleihungen an den gesamten Krediten im Westen Österreichs mit rund 32% beinahe doppelt so hoch wie im Osten mit rund 17%. Während sich aber der Kreditzuwachs in Fremdwährungen seit Dezember 2001 im Westen auf rund 6% belief, betrug er im Osten rund 13%.
Schweizer Franken – Kredite wieder sehr beliebt
Kredite in Schweizer Franken waren – nach einem eher schwachen Jahreswachstum 2001 – im bisherigen Jahr 2002 wieder besonders beliebt: Ihr Anteil an den gesamten Fremdwährungskrediten kletterte seit Beginn des Jahres von 50,4% auf 51,9%. Dies entsprach einem kumulativen Wachstum von 1,8 Mrd EUR oder 8,1%. Der Hauptgrund für den Anstieg dürfte im derzeit günstigen Zinsabstand des CHF zum Euro liegen. Die in japanischen Yen aushaftenden Kredite stiegen dagegen nach einem Plus von 4,6 Mrd EUR (+32,8%) in den ersten 3 Quartalen 2001 heuer nur noch um 0,2 Mrd EUR oder 1,0%. Daher reduzierte sich in diesem Zeitraum auch der Anteil der JPY–Kredite an den gesamten Fremdwährungsausleihungen von 41,9% auf 40,3%.
Bei Betrachtung der Anzahl der Euro–Kredite nach ihrer Höhe war festzustellen, dass rund 71% aller Eurokredite (incl. Überziehungen von Girokonten) im Bereich bis 10.000 EUR angesiedelt waren. Im Gegensatz dazu lag die Mehrheit der in Fremdwährungen vergebenen Kredite (rund 33%) im Segment zwischen 100.000 EUR und 500.000 EUR.
Innerhalb der volkswirtschaftlichen Sektoren war zu beobachten, dass die Unternehmen ihre Ausleihungen seit Beginn des Jahres um 1,95 Mrd EUR (–1,5%; Vorjahr: +1,75 Mrd EUR oder +1,4%) reduzierten, während das Kreditwachstum bei den privaten Haushalten (+3,44 Mrd EUR bzw. +5,5%) beinahe analog zum Vergleichswert des Vorjahres blieb. Auch der Sektor Staat – und hier insbesondere die Sozialversicherungen – erhöhte seine Verbindlichkeiten seit Dezember 2001 um 1,17 Mrd EUR oder 4,1%. Nach wie vor hielt der Sektor Staat rund 94% aller Ausleihungen in Euro, gefolgt von den Unternehmen mit rund 80% und den privaten Haushalten, die ihre Schulden nur noch zu rund 75% in Euro aufnahmen.
Der unterjährig ausgewiesene Wertberichtigungsbedarf der österreichischen Kreditinstitute bezogen auf Kundenforderungen stieg analog zur wachsenden Anzahl der Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vergleichsmonat 2001 (+0,19 Prozentpunkte) und belief sich im September 2002 auf 3,29%.
Spareinlagen sinken um 0,9%
Während die Einlagen in den ersten 3 Quartalen 2001 noch um 3,92 Mrd EUR (+2,2%) gewachsen waren, reduzierten sie sich im selben Zeitraum 2002 um 1,94 Mrd EUR oder 1,0%. Innerhalb der einzelnen Einlagenkategorien konnten die Kreditinstitute einzig im Bereich der Sichteinlagen einen Zuwachs (+1,99 Mrd EUR oder +5,1%) erzielen. Die Spareinlagen, die im September 2002 mit einem Stand von 124,29 Mrd EUR volumensmäßig rund zwei Drittel aller Einlagen ausmachten, sanken seit Jahresbeginn 2002 um 1,15 Mrd EUR oder –0,9% gegenüber einem Plus von 0,95 Mrd EUR (+0,8%) im Vergleichszeitraum 2001. Im Jahresabstand (September 2001 bis September 2002) war aber aufgrund der gutgeschriebenen Spareinlagenzinsen zum 31.12.2001 (3,12 Mrd EUR) noch ein Zuwachs von 3,63 Mrd EUR (+3,0%) gegenüber +2,13 Mrd EUR (+1,8%) im selben Zeitraum 2001 feststellbar.
Die Refinanzierung der in Österreich tätigen Kreditinstitute erfolgte heuer verstärkt durch eigene Emissionen. So erhöhte sich das Volumen der Inlandsemissionen mit einem Plus von 1,26 Mrd EUR (+2,3%) deutlich stärker als jenes der Einlagen. Im Vergleichszeitraum 2001 war der Anstieg allerdings noch höher (+2,61 Mrd EUR oder +5,0%) gewesen. Vor allem die begebenen Schuldverschreibungen waren mit +1,75 Mrd EUR (+7,0%) für den heurigen Zuwachs verantwortlich, wogegen die anderen verbrieften Verbindlichkeiten sogar um 0,10 Mrd EUR (–0,4%) abnahmen.
Auslandsgeschäft
Auf der Aktivseite war das Auslandsgeschäft jene Position, die im bisherigen Jahr 2002 mit +6,62 Mrd EUR (+4,2%) am stärksten anstieg. Noch im Vergleichszeitraum 2001 waren die Forderungen an das Ausland um 7,60 Mrd EUR (–4,8%) gesunken. Hauptverantwortlich für das heurige Plus waren die Forderungen an ausländische Kreditinstitute, die um 2,41 Mrd EUR bzw. 2,9% wuchsen, während die inländischen Zwischenbankforderungen, wie bereits erwähnt, relativ deutlich abnahmen. Auch die sonstigen Auslandsforderungen
2) verzeichneten mit +3,84 Mrd EUR (+41,8%) einen deutlichen Zuwachs.
Auf der Passivseite reduzierten die Kreditinstitute ihre Auslandsverbindlichkeiten um 1,67 Mrd EUR oder 1,0% gegenüber –6,06 Mrd EUR (–3,5%) im Vergleichszeitraum 2001. Während die ausländischen Interbankverbindlichkeiten zurückgingen (–5,57 Mrd EUR bzw.
–6,6%), wurden die ausländischen verbrieften Verbindlichkeiten beinahe im selben Ausmaß erhöht (+5,47 Mrd EUR oder +10,4%).
Eigenmittel
Erstmals seit Inkrafttreten der Eigenmittelbestimmungen nach Basel I verringerte sich in den ersten 9 Monaten des heurigen Jahres der Stand der Eigenmittel (–0,84 Mrd EUR oder
–2,0%). Noch in der Vergleichsperiode 2001 waren sie um 2,58 Mrd EUR oder 6,9% gestiegen. Auch die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage verringerte sich gegenüber September 2001 um 0,1 Prozentpunkte auf 14,2%.
Die risikogewichteten Aktiva
3) der Kreditinstitute blieben gegenüber Dezember 2001 praktisch unverändert. Da im selben Zeitraum die Bilanzsumme aber um 1,4% sank, stieg die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme um 0,6 Prozentpunkte auf 45,0%.