“Nur 54% der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe haben vom Begriff Basel II bisher entweder gehört oder gelesen”, zitierte die Vize-Gouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, im Rahmen einer Informationsveranstaltung vor mehr als eintausend Vertretern von Klein- und Mittelbetrieben im Wiener Austria Center eine von der OeNB in Auftrag gegebene repräsentative Studie zu Basel II. Geschäftsführer und Leiter von 300 österreichischen Klein- und Mittelbetrieben wurden im November 2002 vom IFES-Institut zum Thema Basel II befragt.
Etwa ein Drittel der UnternehmerInnen fühlt sich über Basel II einigermaßen gut informiert, wobei der Informiertheitsgrad mit der Größe des Betriebs ansteigt. Nur 20% der befragten Unternehmen gehen von gewissen bis großen Auswirkungen von Basel II auf ihren Betrieb aus, eine große Mehrheit der Betriebe rechnet mit nur geringen (27%) oder gar keinen (45%) Auswirkungen. Dementsprechend halten sich die bisherigen betrieblichen Vorbereitungsmaßnahmen auf Basel II auch noch in sehr engen Grenzen: Nur 8 Prozent der KMUs setzten schon Aktivitäten; weitere 30 Prozent haben dies noch vor. Die Mehrzahl der Betriebe (62%) steht aber auf dem Standpunkt, dass dies nicht nötig sein wird, da man davon ohnehin nicht betroffen sei.
Die Vize-Gouverneurin der OeNB warnte jedoch davor, sich mit den Vorbereitungen auf Basel II zu lange Zeit zu lassen und hielt die anwesenden Unternehmervertreter an, sich aktiv über die neuen Bestimmungen und ihre Auswirkungen zu informieren. Die Oesterreichische Nationalbank habe zu diesem Zweck eine Informationsbroschüre mit dem Titel “Basel II – Stabilität und Sicherheit für das internationale Bankensystem” erstellt, die Informationen über die Grundlagen der neuen Eigenmittelbestimmungen enthält und Antworten auf häufig zu diesem Thema gestellte Fragen gibt. Die Broschüre ist online über die Homepage der OeNB – BASEL II abrufbar, wo auch weitere nützliche und laufend aktualisierte Informationen zum Thema Basel II bezogen werden können.
Tumpel-Gugerell nannte drei wesentliche Punkte, die Unternehmen in der Vorbereitung auf Basel II berücksichtigen sollten: Erstens müsse eine kritische Auseinandersetzung der Betriebe mit der Bonität des eigenen Unternehmens erfolgen. Die Fragen, ob für die eigene Tätigkeit die richtigen Finanzierungsquellen herangezogen wurden und über welche Vermögenswerte der Betrieb verfügt müssen dabei beantwortet werden. Zweitens müsse ein Dialog mit den Kreditgebern aufgenommen werden. Dabei sei zu klären, ob die Bonitätseinstufung durch die Bank korrekt ist bzw. alle risikomindernden Sicherheiten ausreichend berücksichtigt wurden. Drittens empfahl die OeNB Vize-Gouverneurin den Unternehmern, sich auch verstärkt mit Finanzierungsformen zu beschäftigen, die eine Alternative zum gewöhnlichen Bankkredit darstellten. So könnten etwa Unternehmensanleihen oder die Begebung von Anteilsscheinen zur Beschaffung von Liquidität herangezogen werden.
Presseaussendung
Informationsdefizite österreichischer Betriebe zu Basel II
OeNB-Vize Gouverneurin Tumpel-Gugerell fordert aktivere Vorbereitung auf neue Eigenmittelbestimmungen
Mag. Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, Vize-Gouverneurin
Wien, 3. 12. 2002
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Mag. Wolfdietrich Grau
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