Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im Jahr 2002

Wien, 26. 2. 2003


  • Ende 2002 waren in Österreich 897 Kreditinstitute tätig.
  • Die Gesamtbilanzsumme entwickelte sich 2002 erstmals seit Beginn der elektronischen Datenverfügbarkeit (1978) rückläufig (–2,5%).
  • Das Kreditwachstum wurde hauptsächlich (zu mehr als 75%) von den Fremdwährungskrediten getragen.
  • Der Anteil der CHF–Kredite am gesamten Kreditvolumen in Fremdwährung stieg um +4,6–Prozentpunkte, wogegen der Anteil der JPY-Kredite erstmals seit Beginn der Wirtschafts– und Währungsunion rückläufig war.
  • Die Spareinlagen erhöhten sich nur um +1,8%. Ohne die Zinsgutschriften im Dezember wäre im Jahr 2002 ein Abfluss zu verzeichnen gewesen.   

 

Anzahl der Kreditinstitute 

Die Anzahl der Hauptanstalten der österreichischen Kreditinstitute hat sich im Jahr 2002 um 10 auf 897, jene der Zweigstellen um 75 auf 4471 vermindert.

Bilanzsumme 

Nach einem Zuwachs von +25,04 Mrd EUR oder +4,5% im Jahr 2001 verringerte sich die Gesamtbilanzsumme 2002 erstmals seit Beginn der elektronischen Datenverfügbarkeit (1978) am Ende eines Kalenderjahres im Vergleich zum Vorjahresstand – und zwar um 
–14,47 Mrd EUR oder –2,5%. Hauptverursacher dieses ungewöhnlichen Rückgangs war allerdings die Fusion zweier Großbanken im August 2002. Unter Ausklammerung dieser beiden Kreditinstitute wäre ein Bilanzsummenwachstum von rund +3% erreicht worden.

Der Marktanteil der fünf größten Einzelinstitute an der Gesamtbilanzsumme erhöhte sich gegenüber Dezember 2001 um +0,4 Prozentpunkte auf 45,9%. 

Kreditwachstum 

Im Vergleich zum Jahr 2001, als noch ein Zuwachs der Direktkredite um +7,92 Mrd EUR oder +3,5% beobachtet werden konnte, reduzierte sich das Wachstum der Direktkredite 2002 auf nur noch +2,72 Mrd EUR oder +1,2%. Die Steigerung des Kreditvolumens wurde hauptsächlich von den Fremdwährungskrediten getragen: +2,06 Mrd EUR, das sind mehr als 75% der gesamten Zunahme, stammten von den Fremdwährungskrediten. In relativen Zahlen betrachtet erhöhten sich die Ausleihungen in Fremdwährung um +4,9% gegenüber allerdings +7,2% (+2,83 Mrd EUR) im Jahr 2001. Eurokredite waren 2002 weniger beliebt: Ihr Wachstum stagnierte beinahe mit +0,66 Mrd EUR (+0,3%) gegenüber +5,09 Mrd EUR oder +2,7% im Vergleichszeitraum 2001. Somit lag der absolute Zuwachs der Fremdwährungskredite erstmals seit zwei Jahren wieder über jenem der Eurokredite.

Diese Entwicklung bewirkte, dass der Anteil der Fremdwährungskredite an allen vergebenen Krediten innerhalb eines Jahres um +0,6 Prozentpunkte auf 18,8% anstieg.

Regional betrachtet lag zum Jahresende 2002 der Anteil der Fremdwährungskredite am gesamten Kreditvolumen in Vorarlberg1) mit rund 44% am höchsten. Bei einigen Vorarlberger und Tiroler Kreditinstituten belief sich der Anteil sogar auf zwischen 60% und 70%.

Nach Größenklassen gegliedert befanden sich zum Jahresultimo 2002 rund 71% aller Euro–Kredite im Bereich bis 10.000 Euro2), ein Eurokredit belief sich durchschnittlich auf 32.000 Euro. Die meisten Fremdwährungskredite (32,1%) befanden sich hingegen im Segment zwischen 100.000 und 500.000 EUR; durchschnittlich betrug ein Fremdwährungskredit 148.000 Euro.

Schweizer Franken – Kredite sehr beliebt

Ausleihungen in Schweizer Franken3) erfreuten sich im Jahr 2002 wieder äußerst großer Beliebtheit, nachdem in den Jahren zuvor Kredite in japanischen Yen deutlich dynamischer gewachsen waren. So erhöhte sich 2002 der Anteil der CHF–Kredite am gesamten Kreditvolumen in Fremdwährung um äußerst beachtliche +4,6–Prozentpunkte auf einen Wert von 54,9%, wogegen der Anteil der JPY-Kredite erstmals seit Beginn der Wirtschafts– und Währungsunion rückläufig war (von 41,9% im Dezember 2001 auf 37,2% im Vergleichsmonat 2002). Der Grund für die Renaissance des CHF dürfte einerseits im attraktiven Wechselkurs, andererseits im günstigen Zinsabstand zum Euro liegen. Ausleihungen in US–Dollar stagnieren seit Jahren bei einem Anteil von rund 6% bis 7%.

Mehr als die Hälfte aller Kredite wurden nach wie vor von Unternehmen in Anspruch genommen, wenn auch im Jahr 2002 konjunkturbedingt ein Rückgang von –2,31 Mrd EUR oder –1,8% verzeichnet wurde, insbesondere da die Investitionstätigkeit zurückgeschraubt wurde. Der Fremdwährungsanteil im Unternehmenssegment lag – so wie im Vergleichsmonat 2001 – bei 19,2%. 

Die Wertberichtigungen bezogen auf Kundenforderungen zeigten weiterhin eine steigende Tendenz und erhöhten sich gegenüber Dezember 2001 um +0,23 Prozentpunkte auf 3,29% – ein schon seit Jahren nicht mehr erreichter Jahresultimo–Wert. 

Spareinlagen 

Nach einem äußerst hohen Einlagenaufkommen der inländischen Nichtbanken im Jahr 2001 (+13,77 Mrd EUR oder +7,8%) reduzierte sich das Plus 2002 auf +2,11 Mrd EUR oder +1,1%.

Der Stand der Sichteinlagen erhöhte sich gegenüber Dezember 2001 um +3,19 Mrd EUR oder +8,2%. Im entsprechenden Vergleichszeitraum davor war der Zuwachs ähnlich hoch gelegen (+8,3%). Völlig konträr zu 2001 entwickelten sich hingegen die Termineinlagen: Während sie im Jahr 2002 um –3,28 Mrd EUR (–13,0%) sanken, belief sich ihr Anstieg im Jahr 2001 noch auf +5,07 Mrd EUR oder +25,1%. Die Spareinlagen erhöhten sich (inklusive Zinsgutschriften von 2,76 Mrd EUR) im Jahr 2002 nur noch um +2,21 Mrd EUR oder +1,8%. Ohne Zinsgutschriften wäre somit ein Abfluss von –0,55 Mrd EUR zu verzeichnen gewesen. Noch 2001 hatte sich das Spareinlagenwachstum auf +5,73 Mrd EUR oder +4,8% (hievon kapitalisierte Spareinlagenzinsen: 3,12 Mrd EUR) belaufen.

Die halbjährliche Statistik über die Anzahl und Höhe der Einlagenkonten zeigte folgendes Bild: Von den 23,69 Mio Stück Spareinlagen lauteten etwas mehr als 96% auf Beträge kleiner 20.000 EUR4). Weiters existierten 152 Sparbücher mit Beträgen größer 3 Mio EUR sowie 921 Sparbücher mit Beträgen zwischen 1 Mio EUR und 3 Mio EUR.

Auslandsgeschäft

Auch das Geschäft mit dem Ausland entwickelte sich im Jahr 2002 sowohl aktiv– als auch passivseitig rückläufig: Die Auslandsforderungen reduzierten sich um –1,03 Mrd EUR oder 
–0,7%, die Auslandsverbindlichkeiten gar um –10,10 Mrd EUR oder –5,8%. Vor allem das Geschäftsvolumen mit ausländischen Kreditinstituten ging sehr deutlich zurück: die Forderungen um –6,97 Mrd EUR oder –8,5%, die Verbindlichkeiten gar um –14,82 Mrd EUR oder –17,6%. Auf der Passivseite stiegen als einzige relevante Position die ausländischen verbrieften Verbindlichkeiten (+5,95 Mrd EUR bzw. +11,3%). Mit ein Grund für die rückläufige Entwicklung der Auslandsverflechtung könnte auch die Tatsache sein, dass immer mehr österreichische Kreditinstitute Töchter im Ausland haben, über welche die Auslandsgeschäfte abgewickelt werden.

Eigenmittel

Erstmals seit Inkrafttreten der neuen Eigenmittelbestimmungen 1994 sanken im Jahr 2002 zum Jahresultimo die Eigenmittel der in Österreich tätigen Kreditinstitute. Während sich der Stand der Eigenmittel 2001 noch um +4,55 Mrd EUR oder +12,1% erhöht hatte, belief sich der Rückgang im Dezember 2002 auf –0,43 Mrd EUR oder –1,0%.

Die Kernkapitalquote reduzierte sich um –0,4 Prozentpunkte auf 9,1%. Die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme erhöhte sich gegenüber Dezember 2001 um +1,5 Prozentpunkte auf 45,8%.



Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich
 
 StandKumulative Veränderung 
2002/1220022001
in Mrd EURin Mrd EURin %in Mrd EURin %
 
Einlagen v. inl. Nichtbanken191,68 +2,11 +1,10 +13,77 +7,80 
EUR-Einlagen189,24 +2,36 +1,30 +14,41 +8,40 
Spareinlagen127,64 +2,21 +1,80 +5,73 +4,80 
Eig. inl. Emissionen an Nichtbanken (EUR u. FW)54,04 −0,34 −0,60 +2,20 +4,20 
Direktkredite an inl. Nichtbanken235,52 +2,72 +1,20 +7,92 +3,50 
EUR-Direktkredite191,18 +0,66 +0,30 +5,09 +2,70 
Fremdwährungs-Direktkredite44,34 +2,06 +4,90 +2,83 +7,20 
Titrierte Kredite an inländ. Nichtbanken (EUR u. FW)19,52 −1,89 −8,80 −3,01 −12,30 
Auslandsaktiva155,30 −1,03 −0,70 −1,47 −0,90 
Auslandspassiva164,10 −10,10 −5,80 −0,56 −0,30 
Bilanzsumme573,27 −14,47 −2,50 +25,04 +4,50 
Nicht bilanzwirksame Geschäfte1.437,08 +275,77 +23,75 +324,46 +39,00 
hievon besondere außerbilanzmäßige Finanzgesch.1.388,13 +278,25 +25,07 +322,90 +41,03 
Eigenmittel absolut41,55 −0,43 −1,00 +4,55 +12,10 
Eigenmittel in % der Bemessungsgrundlage1)14,13     
 


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Bundesländervergleiche sind insofern nur bedingt aussagekräftig, als überregional tätige Kreditinstitute jeweils dem Standort der Hauptanstalt (wie z. B. die BA–CA – dem Bundesland Wien) zugerechnet werden.

2) Inklusive Überziehungen bei Girokonten.

3) Die Daten auf Einzelwährungsbasis wurden der EZB–Monetärstatistik entnommen.

4) Dies ist jene Grenze, bis zu der gemäß § 93 BWG pro Einleger eine Sicherungspflicht besteht.