Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung Dezember 2002. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst. Somit sind insbesondere die Erträge und Aufwendungen von ausländischen Tochterkreditinstituten in der folgenden Analysen nicht enthalten. Das Datenmaterial beruht auf vorläufigen Zahlen der Gewinn- und Verlustrechung. Nach Beendigung der Jahresabschlussprüfung werden im Zuge des 5. Quartalsberichtes definitive Jahresabschlusswerte an die Oesterreichische Nationalbank übermittelt.
- Ertragslage 2002 der in Österreich tätigen Kreditinstitute durch schwierige internationale Rahmenbedingungen beeinflusst
- Verringerung des vorläufigen Betriebsergebnisses um -7,9% auf 4,22 Mrd EUR
- In nahezu allen Ertragssegmenten (Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen, sonstige betriebliche Erträge, Saldo Provisionsgeschäft und Nettozinsertrag) mussten Rückgänge verzeichnet werden
- Deutlicher Rückgang des Jahresüberschusses (nach Durchführung sämtlicher Jahresabschlussbuchungen) erwartet
- Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich etwas verringert, für Wertpapiere und Beteiligungen deutlich angestiegen
Das Jahr 2002 war für die internationale Bankenwelt aufgrund der schwachen Konjunkturlage und der Turbulenzen auf den Finanzmärkten ein äußerst schwieriges. Von dieser internationalen Situation konnten sich auch die in Österreich tätigen Kreditinstitute naturgemäß nicht völlig abkoppeln, konnten aber die Ergebnisrückgänge verglichen mit anderen Bankensystemen aufgrund der geringeren Bedeutung des Investmentbanking besser abfedern.
Im Jahr 2002 verringerte sich das vorläufige Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute um -7,9 % auf 4,22 Mrd EUR. Bei de facto konstanten Betriebsaufwendungen reduzierten sich die Betriebserträge um -2,4 %. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme betrug zum Berichtszeitpunkt 0,73% und verringerte sich gegenüber der Vergleichsperiode 2001 um -0,08%-Punkte. Die cost-income-ratio stieg gegenüber dem Jahr 2001 um 1,8%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 69,3%1).
Der Nettozinsertrag betrug zum Berichtszeitpunkt 7,08 Mrd EUR und lag mit -0,1% geringfügig unter dem Wert der Vergleichsperiode 2001. Dennoch erhöhte sich die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen um +1,2%-Punkte und belief sich zum Berichtszeitpunkt auf 51,6%. Das Verhältnis Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme belief sich auf 1,23% und reduzierte sich gegenüber dem Jahr 2001 geringfügig. Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge betrugen 23,43 Mrd EUR und lagen um -12,6% unter dem Vergleichswert 2001. Die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen verringerten sich mit -17,1% auf einen Stand von 16,35 Mrd EUR.
Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft beliefen sich auf 1,77 Mrd EUR und lagen mit -9,6% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2001. Es konnte zwar bei den Erträgen aus Beteiligungen (+0,14 Mrd EUR) ein Anstieg erzielt werden, allerdings musste bei den Erträgen aus Anteilen an verbundenen Unternehmen (-0,30 Mrd EUR)2) sowie bei den Erträgen aus Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapieren (-0,03 Mrd EUR) ein Rückgang festgestellt werden.
Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft betrug 3,01 Mrd EUR. Er reduzierte sich neuerlich und lag mit -1,6% unter dem Vergleichswert 2001. Während im Bereich der Provisionserträge aus dem Kreditgeschäft (+0,07 Mrd EUR), dem Zahlungsverkehr (+0,06 Mrd EUR) sowie dem Dienstleistungsgeschäft (+0,03 Mrd EUR) Zunahmen erzielt werden konnten, musste im Bereich der Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft (-0,14 Mrd EUR) und dem Devisen-, Sorten- u. Edelmetallgeschäft (-0,07 Mrd EUR) ein Rückgang beobachtet werden. Im Jahr 2002 hat die weiterhin anhaltende schlechte Stimmung an den internationalen Aktienmärkten sowie der Wegfall der Wechselspesen von allen "EURO-Vorläufer-Währungen" den Provisionsertrag deutlich geschmälert. Auf Seiten der Provisionsaufwendungen konnte bei jenen aus dem Wertpapiergeschäft (-0,03 Mrd EUR) ein Rückgang, bei jenen aus dem Zahlungsverkehr
(+0,02 Mrd EUR) ein Anstieg beobachtet werden. Dennoch erhöhte sich die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den gesamten Betriebserträgen mit +0,2%-Punkte auf einen Stand von 22,0% geringfügig. Damit stellte das Provisionsgeschäft trotz des absoluten Rückgangs auch im Berichtszeitraum eine wichtige Ertragsquelle der in Österreich tätigen Kreditinstitute dar.
Der positive Saldo aus Finanzgeschäften belief sich auf 0,57 Mrd EUR und verbesserte sich im Jahr 2002 mit einem Plus von +9,5%. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Segmenten sehr unterschiedlich ausgefallen: So konnte bei dem Saldo aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden (+0,05 Mrd EUR) sowie dem Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften (+0,01 Mrd EUR) ein Anstieg erzielt werden. Beim Saldo aus dem Devisen-, Sorten- u. Edelmetallgeschäft (-0,01 Mrd EUR) musste ein Rückgang beobachtet werden. Der Anteil des Eigenhandels an den gesamten Betriebserträgen betrug 4,2% und erhöhte sich um +0,5%-Punkte.
Die sonstigen betrieblichen Erträge beliefen sich auf 1,28 Mrd EUR und lagen mit -9,8% klar unter dem Wert der Vergleichsperiode des Jahres 2001. Dies ist auf eine Verringerung der anderen betrieblichen Erträge (-0,15 Mrd EUR), welche in erster Linie die Erträge aus banknahen und -fremden Tätigkeiten umfassen, zurückzuführen.
Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen stiegen mit +1,1% auf 7,92 Mrd EUR deutlich geringer als in den Vergleichsperioden der Vorjahre an. Im Personalbereich war eine Steigerung von +2,1% auf einen Stand von 4,78 Mrd EUR zu beobachten. Die Relation Personalaufwendungen zu den gesamten Betriebsaufwendungen betrug 50,3% (Jahr 2001: 49,4%). Nachdem die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) in den letzten Jahren stets stark angestiegen waren, verringerten sie sich im Jahr 2002 mit -0,4% geringfügig und
beliefen sich auf 3,14 Mrd EUR. Die Relation Sachaufwand zu den gesamten Betriebsaufwendungen betrug 33,0% und reduzierte sich gegenüber dem Jahr 2001 um -0,2%-Punkte. Die aufgrund der schwierigen Ertragssituation eingeleiteten Einsparungsmaßnahmen machten sich damit – wenn auch noch im geringen Ausmaß – bereits bemerkbar.
Die Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände erhöhten sich um +8,8% auf einen Stand von 0,73 Mrd EUR. Darin spiegelt sich die hohe Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre wider. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen verringerten sich mit -12,6% recht deutlich (0,85 Mrd EUR).
Die in Österreich tätigen Kreditinstitute erwarten – nach Durchführung sämtlicher Jahresab-schlussbuchungen sowie der Bestätigung durch die Wirtschaftsprüfer und die Beschlussorgane - für das gesamte Geschäftsjahr 2002 ein endgültiges Betriebsergebnis von 4,18 Mrd EUR, welches mit -7,8% klar unter dem Wert der Vergleichsperiode 2001 liegen würde. Was die Wertberichtigungen betrifft wird im Jahr 2002 im Kreditgeschäft ein gegenüber 2001 verringerter Wertberichtigungsbedarf erwartet (-7,9 %), im Bereich der Wertberichtigungen für Wertpapiere und Beteiligungen steigt unter anderem auch aufgrund der ungünstigen Entwicklung der internationalen Finanzmärkte der erwartete Wertberichtigungsbedarf um 0,9 Mrd EUR an.
Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich setzt sich weitgehend aus den erwarteten Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden (2,26 Mrd EUR) zusammen. Obwohl die Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden gegenüber dem Jahr 2001 merklich geringer angesetzt werden, wird aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage im Inland und Ausland auch im Jahr 2002 der Wertberichtigungsbedarf auf einem hohen Niveau notwendig sein. Nachdem im Jahr 2001 im Bereich Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen ein außerordentlich hoher ertragswirksamer Saldo erwartet wurde, wird im Jahr 2002 mit einer gegenläufigen Entwicklung gerechnet. Da mehr Wertberichtigungen zu bilden sein werden als solche aufgelöst werden können, ergibt sich ein Saldo von 0,07 Mrd EUR welcher im Jahr 2002 aufwandswirksam wird (2001: -0,83 Mrd EUR). Insbesondere bei den bereits realisierten Veräußerungsgewinnen aus Aktivposten 5-8 der Bilanz (Wertpapiere, Aktien, Beteiligungen und Anteile an verbundenen Unternehmen), die im Jahr 2001 besonders stark angestiegen waren, wird im Jahr 2002 eine rückläufige Entwicklung erwartet.
Nach Einbeziehung der Risikokosten und der Bewertungsmaßnahmen ergibt sich ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,07 Mrd EUR. Dieses wird gegenüber der Vergleichsperiode 2001 mit -34,3% signifikant schlechter eingeschätzt. Für das Jahr 2002 wird ein a.o. Aufwand von 0,24 Mrd EUR erwartet, welcher klar über dem Vergleichswert des Jahres 2001 liegt (Jahr 2001: 0,08 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern werden zum Berichtstermin mit 0,39 Mrd EUR angesetzt und gegenüber der Vergleichsperiode des Jahres 2001 mit +1,6% geringfügig höher eingeschätzt. Daraus resultierend rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute mit einem Jahresüberschuss von 1,44 Mrd EUR, welcher mit -46,3% markant unter dem Wert der Vergleichsperiode 2001 (2,69 Mrd EUR) liegt. Demnach wären 2002 die Eigenkapitalrentabilität (return on equity)3) bei 5,4% – um -4,4%-Punkte niedriger als 2001 – und die Gesamtkapitalrentabilität (return on assets)4) bei 0,25% (Jahr 2001: 0,48%) gelegen.