Presseaussendung


Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1. Quartal 2003

Wien, 27. 5. 2003


Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung März 2003. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst.

·Betriebsergebnis besser als im 1. Quartal des Vorjahres. 

·Deutlicher Anstieg beim Saldo Finanzgeschäft und Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen; Nettozinsertrag leicht rückläufig; Saldo Provisionsgeschäft nahezu unverändert.

·Erwarteter Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich etwas verringert, jener für Wertpapiere und Beteiligungen leicht angestiegen.

·Für das gesamte Geschäftsjahr 2003 Abschwächung des Jahresüberschusses erwartet. 

Im 1. Quartal 2003 lag das unkonsolidierte Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute mit 1,07 Mrd EUR um +4,7% über dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme belief sich zum Berichtszeitpunkt auf 0,19% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode 2002 geringfügig. In den ersten 3 Monaten des Jahres 2003 meldeten die Kreditinstitute eine Steigerung der Betriebserträge um +2,3% auf 3,40 Mrd EUR. Die Betriebsaufwendungen stiegen mit +1,2% auf 2,33 Mrd EUR etwas geringer an. Somit verbesserte sich die cost-income-ratio gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 0,7%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 68,6%.

Grafik 1: Cost-Income-Ratio
Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme erhöhten sich die Betriebserträge um +0,02%-Punkte und die Betriebsaufwendungen um +0,01%-Punkte.


Grafik 2: Die Struktur der Betriebserträge
Im 1. Quartal 2003 belief sich der Nettozinsertrag auf 1,74 Mrd EUR und lag mit -0,9% geringfügig unter dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen betrug 51,0% und reduzierte sich um -1,6%-Punkte gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres. Das Verhältnis Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme betrug 0,30% und blieb gegenüber der Vergleichsperiode 2002 unverändert. Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge beliefen sich auf 5,42 Mrd EUR und lagen um -0,50 Mrd EUR bzw. -8,5% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Zugleich verringerten sich die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen mit -0,49 Mrd EUR bzw. -11,7% auf einen Stand von 3,68 Mrd EUR betragsmäßig etwas geringer als die entsprechenden Erträge. 

Im 1. Quartal 2003 betrugen die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft 
0,40 Mrd EUR und lagen mit +14,5% deutlich über dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Hierbei erhöhten sich insbesondere die Erträge aus Anteilen an – hauptsächlich ausländischen – verbundenen Unternehmen (+0,04 Mrd EUR). Weiters konnte bei den Erträgen aus Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapieren (+0,01 Mrd EUR) ein Anstieg verzeichnet werden. 

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft  belief sich auf 0,78 Mrd EUR und blieb mit +0,1% gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres nahezu unverändert. Allerdings ist die Entwicklung in den einzelnen Segmenten des Provisionsgeschäftes durchaus unterschiedlich ausgefallen: Einerseits konnten im Bereich der Provisionserträge aus dem Zahlungsverkehr (+0,02 Mrd EUR) und dem Kreditgeschäft (+0,01 Mrd EUR) Zunahmen erzielt werden. 

Andererseits musste im Bereich der Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft (-0,04 Mrd EUR) ein Rückgang festgestellt werden. Auf Seite der Provisionsaufwendungen konnte im Segment Wertpapiergeschäft (-0,01 Mrd EUR) ein nennenswerter Rückgang beobachtet werden. Die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den gesamten Betriebserträgen betrug 22,8% und reduzierte sich gegenüber dem 1. Quartal 2002 um -0,5%-Punkte. 

Der positive Saldo aus Finanzgeschäften betrug im 1. Quartal 2003 0,20 Mrd EUR. Er konnte gegenüber der Vergleichsperiode 2002 mit +44,7% nach oben korrigiert werden und hat somit die Ertragsentwicklung im Berichtszeitraum deutlich gestützt. Für diese dynamische Entwicklung im Eigenhandel waren alle Ertragssegmente verantwortlich. Sowohl beim Saldo aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden (+0,02 Mrd EUR), als auch beim Saldo aus dem Devisen-, Sorten- u. Edelmetallgeschäft (+0,02 Mrd EUR) sowie beim Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften (+0,02 Mrd EUR) konnten Anstiege erzielt werden. Der Anteil des Eigenhandels an den gesamten Betriebserträgen belief sich auf 5,9% und konnte somit um +1,7%-Punkte klar gesteigert werden.

Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen waren mit +1,9% etwas geringer angestiegen als im Vergleichsquartal 2002. Dabei erhöhten sich die Personalaufwendungen mit +1,8% auf einen Stand von 1,20 Mrd EUR. In Relation zu den gesamten Betriebsaufwendungen stiegen die Personalaufwendungen um +0,3%-Punkte auf 51,3% an. Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) entwickelten sich im 1. Quartal 2003 mit +2,0% auf 0,76 Mrd EUR etwas stärker als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Die Relation Sachaufwendungen zu den gesamten Betriebsaufwendungen betrug 32,6% (Vergleichsperiode 2002: 32,4%).

Für das gesamte Geschäftsjahr 2003 rechnen  die in Österreich tätigen Kreditinstitute mit einem Betriebsergebnis auf unkonsolidierter Basis von 3,93 Mrd EUR, welches mit -0,28 Mrd EUR bzw. -6,7% unter dem geschätzten Wert der Vergleichsperiode 2002 liegt. Dabei ist zu beachten, dass nach dem 1. Quartal Vorschauwerte nur grobe Anhaltspunkte für die Entwicklung des laufenden Jahres liefern können1). Die Genauigkeit der Schätzung nimmt im Jahresverlauf stetig zu. Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich  wird mit 1,76 Mrd EUR mit -6,8% sichtbar unter dem Schätzwert des Vorjahres angesetzt. Er resultiert überwiegend aus den erwarteten Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden (1,78 Mrd EUR). Zwar werden die erwarteten Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden gegenüber dem Vergleichsquartal 2002 geringer eingeschätzt, allerdings liegen sie immer noch deutlich über dem Niveau der Vergleichsquartale 2001 und 2000. Für das Jahr 2003 wird mit einem aufwandswirksamen Saldo aus Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen in der Höhe von 0,03 Mrd EUR gerechnet (+0,01 Mrd EUR bzw. +51,6%). Dies ist in erster Linie auf den Rückgang bei den bereits realisierten Veräußerungsgewinnen auf Aktivposten 5-8 der Bilanz (Wertpapiere, Aktien, Beteiligungen und Anteile an verbundenen Unternehmen) zurückzuführen (-0,02 Mrd EUR). 

Nach Berücksichtigung der Bewertungsmaßnahmen und Risikokosten ergibt sich für das Jahr 2003 ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,14 Mrd EUR, welches um -6,9% schlechter eingeschätzt wird. Für das Geschäftsjahr 2003 wird ein a. o. Aufwand  von 0,06 Mrd EUR erwartet, welcher somit unter dem Vergleichswert des Vorjahres liegt (1. Quartal 2002: 0,07 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,38 Mrd EUR und wären somit gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres mit -4,5% geringer. Daraus folgend rechnen die in Österreich tätigen Einzelkreditinstitute mit einem unkonsolidierten Jahresüberschuss von 1,70 Mrd EUR, welcher mit -7,5% unter dem geschätzten Wert der Vergleichsperiode 2002 (1,84 Mrd EUR) liegt. 

Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Im Jahr 2002 wurden beispielsweise zu den einzelnen Berichtsterminen für das Jahresbetriebsergebnis folgende Schätzungen abgegeben: 1. Quartal: 4,21 Mrd EUR; 2. Quartal 4,00 Mrd EUR; 3. Quartal 3,95 Mrd EUR; 4. Quartal 4,18 Mrd EUR. Definitive Jahresabschlusswerte liegen derzeit für das Jahr 2002 noch nicht vor, da diese nach Beendigung der Jahresabschlussprüfung im Zuge des 5. Quartalsberichtes an die Oesterreichische Nationalbank übermittelt werden.

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