Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in der vorliegenden Frühjahrsprognose 2003, dass sich die nun bereits zwei Jahre andauernde Wachstumsschwäche der österreichischen Wirtschaft in diesem Jahr fortsetzen wird. Wie Gouverneur Dr. Liebscher am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilte, rechnet die OeNB – nach einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Jahren 2001 und 2002 von 0,7% bzw. 1,0% – auch für das Jahr 2003 nur mit einem moderaten Wirtschaftswachstum von 0,7%. Dies ist insbesondere auf das schwache Wachstum der letzten beiden Quartale und des damit verbundenen negativen statistischen Überhanges zurückzuführen. Erst für die Jahre 2004 und 2005 erwartet die OeNB eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität auf 1,6% bzw. 2,5%. Gegenüber der Herbstprognose 2002 mussten die Wachstumsaussichten für 2003 und 2004 damit um 0,8 bzw. 0,6 Prozentpunkte zurück genommen werden (Allerdings konnte die vorliegende Prognose die jüngst erfolgte Zinssenkung der EZB nicht mehr berücksichtigen, die sich grundsätzlich positiv auf das Wachstum auswirken sollte.).
Weiterhin günstig entwickelt sich die Inflationsrate. Der Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) betrug 2002 nur mehr 1,7% nach 2,3% im Jahr 2001. Für den Prognosezeitraum führen die gedämpfte Entwicklung der Importpreise auf Grund der Euroaufwertung und – aus derzeitiger Sicht – fehlender Preisdruck zu einer weiter sinkenden Teuerungsrate (2003: 1,3%, 2004: 1,3%, 2005: 1,1%). Damit zählt Österreich zu den Ländern mit den günstigsten Inflationsaussichten im Euroraum.
Derzeit deuten die Wirtschaftsindikatoren noch nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Erholung der Wirtschaft hin. Gegen Ende 2003 wird zwar in Übereinstimmung mit der erwarteten Erholung der internationalen Konjunktur von einem Aufschwung in Österreich ausgegangen, allerdings wird sich das Wachstum nur moderat beschleunigen.
In diesem Zusammenhang betonte Gouverneur Liebscher, dass die preisstabilitätsorientierte Geldpolitik des EZB-Rats zu den derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen entscheidend beigetragen und die geldpolitisch bestimmten Zinssätze auf das niedrigste Niveau der letzten Jahrzehnte gesenkt hat. "Das sollte die Rahmenbedingungen für den Aufschwung weiter verbessern."
Trotz einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit als Folge der Euroaufwertung kommt den Exporten eine wichtige Rolle in der erwarteten konjunkturellen Erholungsphase zu. Für das Jahr 2003 wird zwar nur ein Exportwachstum von 1,0% erwartet, die unterjährige Dynamik zeigt jedoch eine Beschleunigung im Jahresverlauf. Anders als in den beiden vergangenen Jahren wird das Wirtschaftswachstum 2003 nicht allein von den Nettoexporten sondern auch von der inländischen Nachfrage getragen werden.
Moderate Lohnerhöhungen, eine stagnierende Beschäftigung und erhöhtes Vorsichtssparen dämpfen die Kauflust der privaten Haushalte. Dank stark rückläufiger Inflationsraten – nicht zuletzt eine Folge der Euroaufwertung – verbessert sich jedoch die reale Kaufkraft der privaten Haushalte und die Konsumsausgaben werden 2003 um real 1,1% ausgedehnt werden. Im Zuge des prognostizierten Aufschwungs wird auch der private Konsum weiter an Schwung gewinnen und 2004 und 2005 um 1,7% bzw. 2,4% wachsen.
